Der Mann hinter Wawrinkas Erfolg

Magnus Norman, Stan Wawrinkas Coach, jubelte erstmals nach einem Paris-Final. Und verriet, was das Erfolgsrezept war.

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Stan Wawrinka vergass in der Stunde des Triumphs nicht, dass Magnus Norman in Paris-Finals schon schwierige Momente erlebt hatte. 2000 verpasste der Schwede hier gegen Gustavo Kuerten seine einzige Chance, Grand-Slam-Sieger zu werden. 2009 und 10 sah er seinen Spieler Robin Söderling gegen Roger Federer und Rafael Nadal verlieren. Im viertenAnlauf klappte es nun. Und Wawrinka deutete, als es geschafft war, in seine Box und sagte: «Das ist auch für dich, Magnus.» Norman verbarg die Augen hinter der Sonnenbrille, sonst hätte man wohl Tränen gesehen.

«Alle sagten, er sei soft»

Er stehe immer noch unter Schock, gestand er, als er beim Versuch, durch die Player’s Lounge zu entwischen, von ­einigen Journalisten gestoppt wurde. «Beim ersten Matchball dachte ich, Stan hätte ein Ass geschlagen. Doch dann stand es wieder Deuce, und plötzlich hatte Djokovic sogar einen Breakball.» Dann habe er dem Vaudois bedeutet, er müsse jetzt ruhig bleiben – obwohl es in ihm drinnen brodelte. Norman gab zu, auch in seinem zweiten Grand-Slam-Final habe ihn Wawrinka angenehm überrascht. Schmunzelnd sagte er: «Als ich mit ihm zu arbeiten begann, sagten mir alle, er sei ein wenig soft, er sei nicht der Mann für die grossen Momente.»

Stan Wawrinka und Magnus Norman. Foto: Reuters

Der Schlüssel sei gewesen, wie es ­Wawrinka geschafft habe, sein Spiel durchzuziehen: «Es ist das eine, die richtige Taktik zu haben. Aber es ist nochmals etwas völlig anderes, diese dann auf dem Platz auch durchzuziehen.» Im ersten Durchgang habe er den Eindruck gehabt, dass Wawrinkas Beine noch ­etwas müde gewesen seien vom Freitag. «Aber dann begann er sich besser zu ­bewegen. Der zweite und der dritte Satz waren viel besser, und dass er sich im vierten nach dem Break zurückkämpfte, war unglaublich.» Die Erfahrung von Melbourne habe ihm dabei geholfen: «Er war zwar auch nervös, aber er wusste, was auf ihn zukommt.»

Norman gab sich grosse Mühe, sich nicht in den Vordergrund zu rücken. Zum Zitat Mats Wilanders, er sei derzeit der beste Coach im Tennis, schüttelte der 39-Jährige den Kopf. «Ich glaube nicht, dass das stimmt. Stan arbeitet seit Jahren hart. Er hatte viele gute Trainer, seit er sehr jung war. Alles, was er investiert hat, zahlt sich nun aus. Ich kam erst vor zwei Jahren dazu und half ihm bei ­einigen kleinen Dingen, die nun einen grossen Unterschied machten. Aber die grosse Arbeit wurde erledigt, als er jung war.» Er wisse aus seiner Akademie, wie wichtig jene Zeit sei.

Kein «One-Slam-Wonder» mehr

Das Label, ein «One-Slam-Wonder» zu sein, habe Wawrinka nun abgeschüttelt, sagte Norman zufrieden. Und was ist für ihn noch möglich im Alter von 30? «Ich bin mir sicher, dass er noch ein paar Jahre auf diesem Niveau spielen kann. Denn Fitnesscoach Pierre Paganini macht einen ausgezeichneten Job.» Und dann erinnerte sich Norman noch kurz an letztes Jahr, als Wawrinka in Paris in Runde 1 an Guillermo Garcia-Lopez ­gescheitert war. «Gerade kürzlich hatten wir es davon», sagte er lächelnd. ­«Danach gingen wir am Abend um 23 Uhr Burger essen bei McDonald’s». Champagner gabs wohl nicht dazu.

Es ist vollbracht: Wawrinkas stiller Jubel. Foto: Reuters

Erstellt: 07.06.2015, 23:37 Uhr

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