«Der Saisonstart war trotzdem sehr gut»

Coach Magnus Norman war mit Stan Wawrinka auch nach der Niederlage gegen Raonic zufrieden. Auch weil er ihre Gründe kennt.

Unterschiedliche Aussichten: Auf Milos Raonic (links) wartet der Viertelfinal, auf Stan Wawrinka die vollständige Gesundung und Erholung. Foto: Mast Irham (Keystone)

Unterschiedliche Aussichten: Auf Milos Raonic (links) wartet der Viertelfinal, auf Stan Wawrinka die vollständige Gesundung und Erholung. Foto: Mast Irham (Keystone)

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Seit fast drei Jahren arbeitet der Schwede Magnus Norman mit Stan Wawrinka. Der 39-Jährige, einst Paris-Finalist und die Nummer 2 der Welt, führte den Lausanner zu zwei Grand-Slam-Siegen und zu einer erstaunlichen Konstanz an diesen grössten Turnieren. 12 Grand Slams ­haben die beiden nun schon gemeinsam bestritten, in Melbourne verpasste der aktuelle French-Open-Champion erst zum dritten Mal in dieser Phase die ­Viertelfinals. Bei Norman war trotzdem keine grosse Enttäuschung spürbar, kurz nach der Partie in der Players Lounge.

Ist diese Niederlage gegen Milos Raonic ein Rückschlag? Immerhin ist Wawrinka zehn Ränge vor dem Kanadier klassiert, er war 2014 hier Turniersieger, 2015 ein Halbfinalist und hatte zuvor alle vier Partien gegen ihn gewonnen.
Ich betrachte dieses Turnier nicht als Rückschlag, denn ich schaue das aus einer anderen Warte an. Alle wissen, dass Raonic letztes Jahr verletzt war, dass er schon in den Top 5 stand und nun extrem stark in die Saison gestartet ist mit dem Sieg in Brisbane. Er spielt grosses Tennis, vor allem wenn sein Vertrauen so gross ist wie jetzt. Er servierte nicht nur ausgezeichnet, sondern hielt auch von der Grundlinie sehr gut mit. Wir wussten, dass es schwierig wird. Ich will nichts an seiner Leistung schmälern – aber man muss auch sehen, dass die letzten Tage Stan viel Energie gekostet haben. Er reagierte etwas langsam.

Wie schlimm waren denn die Folgen des Virus wirklich, den er sich vor dem Turnier zugezogen hatte?
Fieber hatte er zwar keines. Aber es dauerte ziemlich lange, wollte einfach nicht verschwinden. Vor allem sein Hals war betroffen, man hörte es ja seiner Stimme an. Wir taten, was wir konnten, und ­trainierten, so gut es eben ging. Er versuchte wirklich alles, das möglich war.

Waren Sie nicht etwas enttäuscht von der Art, wie rasch er die ersten beiden Sätze verlor?
Er war eben einen Sekundenbruchteil langsamer als üblich. Normalerweise ist Stan explosiver, vor allem in den ersten zwei, drei Schritten. Im Training am Morgen hatte er den Ball noch sehr gut geschlagen. Im dritten und vierten Durchgang fand er seinen Weg wieder. Aber leider war er im fünften nicht mehr fähig, Raonic mehr zu fordern.

Im zweiten Satz schien er zwischendurch die Lust verloren zu haben, empfanden Sie das ebenso?
Ja, da liess er sich etwas gehen. Es wäre halt schön gewesen, wenn er das Break bestätigt hätte und mit einem 3:0 zum Seitenwechsel hätte gehen können. Stattdessen wurde er gebreakt, und ­wenig später kam auch noch das 2:4.

Sein Saisonstart ist damit nicht gleich gut wie in den letzten beiden Jahren. Wie beurteilen Sie die ­vergangenen Wochen?
Für mich ist das immer noch ein sehr ­guter Jahresanfang: zuerst der Titel in Chennai, nun dieser Achtelfinal und fünf Sätze gegen Raonic . . . damit bin ich glücklich, damit kann ich leben.

Am nächsten Grand-Slam-Turnier, in Roland Garros, wird er als Titelverteidiger antreten. Könnte ihn das in den nächsten Wochen belasten?
Paris ist noch weit weg, bis dann wird noch sehr viel Tennis gespielt. Ich erwarte, dass er wieder in Topform sein wird, wenn er sich körperlich ganz erholt hat. Er hat diese Saison schon viele Matches gespielt und hatte eine gute Vorbereitung, von dem her stimmt alles.

Erwarten Sie, dass er dieses Jahr wieder einen Grand-Slam-Titel holt?
Unser erstes Ziel ist die Qualifikation für das Saisonfinale der besten acht, wie immer. Der Rest wird sich zeigen.

Wawrinka selber war nicht sonderlich enttäuscht, weil er das Gefühl hatte, dass er alles gegeben habe.
Natürlich ist man enttäuscht, wenn man verliert. Aber über die Art, wie er verlor, bin ich nicht enttäuscht, denn er gab, was er an diesem Tag zu geben hatte. Wir haben bisher erst kurz miteinander gesprochen, aber ich bin überzeugt, dass ich ihn nicht gross aufbauen oder trösten muss. Denn ich denke, dass er sich nichts vorwerfen muss.

Wie geht es nun weiter?
Wir werden die nächsten Wochen noch genau besprechen. Geplant ist, dass ich in Indian Wells und Miami im März ­wieder dabei bin, das dürften wir auch so durchziehen. Vorher spielt er noch Turniere in Marseille und Dubai. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2016, 23:26 Uhr

Wawrinka-Coach Magnus Norman. Foto: PD

Wawrinka

Zwei Gegner waren zu viel

Schon sechsmal hat Stan Wawrinka in seiner Karriere einen 0:2-Satzrückstand aufholen und noch gewinnen können. Im Achtelfinal gegen Milos Raonic glückte ihm das nicht, er verlor in 3:44 Stunden 4:6, 3:6, 7:5, 6:4, 3:6. «Ich wollte nicht vom Platz, ohne alles gegeben zu haben», sagte der Vaudois, dessen Fünfsatzbilanz weiterhin positiv ist (22:19). «Raonic spielte sehr gut, machte viel Druck, und ich war einfach nicht gut genug. Er gab mir zwar einige Chancen, die ich nutzen konnte, doch im fünften Satz fand ich die richtigen Lösungen nicht mehr.»

Er sei zwar enttäuscht, «aber mehr nicht», so Wawrinka weiter, «denn ich gab, was ich an diesem Tag zu geben hatte». Sonderlich überrascht sei er von Raonic nicht gewesen: Er habe gewusst, wie stark dieser spielen könne, und momentan zehre dieser von seinem grossen Selbstvertrauen. Er dagegen blicke wegen seiner Viruserkrankung auf zehn schwierige Tage zurück: «Es ist hart, sich zu erholen und gleichzeitig ein Grand-Slam-Turnier zu spielen.» Trotzdem fand er an seiner Leistung viel Positives. «Ich war überrascht, dass ich noch in den fünften Satz kam.»

Raonic trifft im Viertelfinal auf Gaël Monfils. Er ist gegen den Franzosen, der sich bei einem spektakulären Sturz die Hand blutig schlug, klar favorisiert. Wawrinka (4) ist neben Rafael Nadal (5) erst der zweite Vertreter der Top 8, der seiner Setzung bis zu den Viertelfinals nicht gerecht wurde. Andy Murray blieb gegen Bernard Tomic ebenso ohne Satzverlust wie David Ferrer, sein nächster Widersacher, gegen John Isner. Der Spanier hat als Einziger im Turnier noch keinen Satz verloren. (rst)

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