Der «Stalker» ist ein Komiker

Simon Graf, Journalist des «Tages-Anzeigers», bloggt für Sie vom Australian Open. Heute über Eigenartiges an Presskonferenzen.

Gestörtes Verhältnis: Maria Scharapowa bezeichnete einen Journalisten als Stalker.

Gestörtes Verhältnis: Maria Scharapowa bezeichnete einen Journalisten als Stalker. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Pressekonferenzen an Tennisturnieren können eine recht eintönige Sache sein. Man spricht darüber, ob die Vorhand funktioniert hat, ob sich die Umstellungen beim Service ausbezahlt haben, und natürlich, dass man den nächsten Gegner nicht unterschätzen dürfe. Wobei man den Spielerinnen und Spielern nicht absprechen darf, dass sie sich durchaus Mühe geben, Antworten zu geben, die Sinn machen und mit denen die Journalisten etwas anfangen können. Roger Federer zählt auch da zur Elite, er versucht sich stets in die Position des Fragenden hineinzuversetzen, und ihm fällt zu fast alles etwas Brauchbares ein.

Natürlich leben die Pressekonferenzen nicht nur von den Befragten, sondern auch von den Fragern. Und auch der Phantasie der Journalisten sind manchmal Grenzen gesetzt. Zuweilen provozieren gerade die dümmste Fragen die spannendsten Antworten. Für etwas Aufruhr sorgte nun der neuseeländische TV-Journalist James McOnie, der Maria Scharapowa (und andere) mit ungewohnten Fragen herausfordern will. Der füllige Mann mit Wuschelkopf ist ein Komiker, der für die Sportshow «The Crowd Goes Wild» arbeitet, die einen witzigen Zugang zur Sportwelt sucht.

McOnie allerdings spaltet die Geister. Mein australischer Journalistenkollege bezeichnet ihn als «Idiot», der sich nur auf Kosten der Stars profilieren wolle. Und seine australischen Kollegen würden ihn gezielt ignorieren, um ihm keine Publizität zu bieten. Der Zusammenstoss McOnies mit Scharpowa wurde nun aber von Onlineportalen um die ganze Welt dankbar aufgenommen. Und dass sie ihn, allerdings mit einem Schmunzeln, als «Stalker» bezeichnete, gab der Story etwas Würze.

Die Begegnung der beiden begann ganz harmlos, Anfang Januar beim Turnier in Auckland. McOnie fragte sie, ob sie schon shoppen gewesen sei. Und er bot seine Hilfe dafür an. Scharapowa zeigte Humor und fragte, wie denn sein Geschmack sei. «Ausgezeichnet», gab er zurück. «Aber offenbar gibt es hier nicht so viele Coiffeurgeschäfte, oder?», witzelte die Russin in Anspielung auf seine wilde Frisur. «15:0 für Scharapowa», gab sich McOnie vorerst geschlagen.

Der Komiker hatte in Auckland zudem der späteren Siegerin Greta Arn vor dem Final geraten, nach gelungener Mission beim Handshake zur Verliererin zu sagen: «Hasta la vista, baby!» Die Deutsche verzichtete darauf. Auch Federer erhielt nach seinem Startsieg in Melbourne (harmlose) McOnie-Fragen: «Wie geht es den Zwillingen? Wie ist ihre Hand-Augen-Koordination?» Scharapowa findet ihn nun aber gar nicht mehr lustig, und man darf davon ausgehen, dass der Mann mit zu kleinem Jackett und Stirnband nicht mehr bei ihren Pressekonferenzen zugelassen wird.

Darüber, welche Sanktionen gegen ihn ergriffen werden, informiert das PR-Office am Australian Open nicht. Es gebe zu ihm nichts mitzuteilen, wird man auf Nachfrage informiert. Natürlich will das Turnier vermeiden, dass sich die Stars von McOnie belästigt fühlen. Und dass man in negative Schlagzeilen gerät. Ein Stalker ist der Neuseeländer jedenfalls definitiv nicht. Und etwas Witz kann bei allem ernsthaften Analysieren von Breakbällen und Aufschlagquoten nicht schaden, oder?

Erstellt: 18.01.2011, 07:56 Uhr

Artikel zum Thema

Scharapowa und der Stalker

Maria Scharapowa hat am Australian Open nicht nur mit ihren Gegnerinnen zu kämpfen. Die Russin fühlt sich von einem merkwürdigen Journalisten belästigt. Mehr...

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Blogs

Sweet Home 10 günstige Wintergerichte

Mamablog Wutanfälle sind so ... gesund

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...