Der Weltbeste gegen den Besten der Geschichte

Was heute Nachmittag im vorweggenommenen French-Open-Endspiel für Novak Djokovic spricht und was für Roger Federer. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live.

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Wenn die Besitzer von Finaltickets ihre Karten gern gegen Billette für einen Halbfinal eintauschen würden, muss dieser schon eine ganz besondere Partie sein. Das Kräftemessen zwischen Novak Djokovic und Roger Federer ist so ein Spiel: Der «beste Spieler der Welt» trifft auf den «besten Spieler der Geschichte». Und für einmal sind die Superlative kein Produkt der Presse, sondern die Einschätzung des fünffachen French-Open-Champions und diesjährigen Halbfinalisten Rafael Nadal. Nadal wird hoffen, dass der in seinen Augen grösste Champion der Tennis-Historie die Oberhand behält. Denn nur Federer kann dem Spanier die Position als Nummer 1 der Weltrangliste noch erhalten. Zieht Djokovic in Roland Garros in den Final ein, egalisiert er nicht nur den Rekord-Saisonstart von John McEnroe (1984/42:0 Siege), sondern stösst gleichzeitig auch Nadal vom Tennis-Thron. Diesem würde dann auch der Turniersieg nichts mehr nützen.

Für die Wettanbieter ist Djokovic mit einer Quote von 1,3:1 der klare Favorit. Weil der Serbe die Bälle mit traumwandlerischer Sicherheit platziert und weil er Federer in diesem Jahr schon dreimal geschlagen hat, unter anderem in den Halbfinals des Australian Open. Marc Rosset, die Schweizer Nummer 1 der Zeitrechnung vor Federer, tippt dennoch auf «King Roger», der mit einer Quote von 3:1 notiert wird. Rosset erklärte in der gestrigen Ausgabe der offiziellen Turnierzeitung, Federer sei psychologisch im Vorteil, weil der Fokus auf Djokovic und Nadal liege und der Baselbieter seit seinem Pariser Titelgewinn vor zwei Jahren ohne historischen Druck antreten könne.

Vater Federer mitten unter den Fans

Mit dem geringeren Druck mag Rosset recht haben, im Fokus steht Federer aber noch immer. Als der 16-fache Major-Sieger gestern Nachmittag auf einem abgeschlossenen Nebenplatz trainierte, standen die Schaulustigen in dreistelliger Zahl auf den Sitzen des benachbarten Courts, um einen Blick auf ihr Idol zu erhaschen. Die meisten von ihnen bemerkten dabei gar nicht, dass sich auch Federers Vater Robert unter ihnen befand.

Was die Zuschauer von Federer zu sehen bekamen, war kein Spektakel, sondern eine überaus konzentrierte Einheit mit seinen Trainern Severin Lüthi und Paul Annacone, einzig unterbrochen durch die Nachfrage von Papa Federer, wann sein Sohn denn am folgenden Tag spielen werde. Nun, Rogers Match ist der zweite auf dem Court Philippe Chatrier und dürfte gegen 16.30 Uhr beginnen. Ein Sieg wäre für Federer zwar noch kein weiterer Meilenstein in seiner Karriere, aber immerhin ein starkes Argument dafür, dass es zu früh war, ihn nach ein paar schwächeren Spielen zum wiederholten Mal aus dem Rennen um die Nummer 1 zu reden.

Das beste Sandplatz-Tennis von Federers Karriere?

Der frühere French-Open-Champion Mats Wilander schrieb in seiner Kolumne für die französische Sportzeitung «L'Equipe» sogar, Federer spiele das beste Sandplatz-Tennis seiner Karriere, besser noch als bei seinem Titelgewinn 2009. Federer selbst geht dem Vergleich aus dem Weg, sagt aber, er sei mit seinem Spiel derzeit überaus zufrieden: «Ich bin beim Service dominant, spüre beim Return keinen Druck und kann den Ball genau dorthin spielen, wo ich ihn haben möchte. Dieses Gefühl hat man nicht immer.»

Ganz ohne Risiko wird Federer gegen Djokovic trotzdem nicht zum Erfolg kommen. Zu gut ist der Serbe auf den Beinen, zu sehr gleicht er damit jenem Rafael Nadal, der in den vergangenen Jahren bis auf 2009 fast jeden Ball zurückbrachte und dem Gegner selbst aus der Defensive noch Rätsel aufgeben konnte. So auch 2008, als Nadal dem grossen Federer im Final gerade einmal vier Games zugestand. Wenn ein Spieler gegen Gummiwand-Athleten wie Djokovic oder Nadal ein Rezept besitzt, ist es aber Federer. Erst recht jetzt, wo sein Ehrgeiz neu entflammt scheint. Vielleicht packt der Maestro sogar einen neuen Zauberschlag aus. Ein Kunststück, wie der Passierball zwischen den Beinen hindurch, mit dem er im US-Open-Halbfinal 2009 gegen Djokovic die Welt begeisterte und Youtube Millionen von Klicks bescherte.

Erstellt: 03.06.2011, 10:10 Uhr

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