Der alte und der neue Bad Boy des Tennis

Laver-Cup Captain John McEnroe und Nick Kyrgios gehören zu den Stützen des «Teams Welt» in Genf.

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Rundherum wird in den Palexpo-Hallen noch gehämmert, ­geschraubt und gebaut, doch ­davon lassen sich John McEnroe und sein Team bei den ersten Trainings nicht irritieren. Gerade aus dem Flugzeug gestiegen, steht der Captain des «Teams Welt» am Dienstagnachmittag bereits auf dem schwarzen Court, auf dem seine Mannschaft von Freitag bis Sonntag erstmals den ­Laver-Cup gewinnen will.

Der 60-jährige McEnroe war früher der grosse Bösewicht der Tennisszene, im Vergleich zu ­Kyrgios, dem neuen Bad Boy, aber doch eher harmlos. Die zwei scheinen Blutsverwandte zu sein, schon beim ersten Laver-Cup in Prag 2017 bauten sie eine starke Beziehung auf. Während Kyrgios es auf der Tour immer wieder an Einsatz vermissen lässt, ist er im Laver-Cup voll dabei.

Das zeigt sich schon am Dienstag, als der 24-jährige ­Australier (ATP 27) vor seinem ersten Auftritt in der Schweiz im Training engagiert auftritt und jeden Fehler mit Unmutsgesten quittiert. Kyrgios scheint der ­geborene Teamspieler zu sein. «Wenn ich für mich spiele, gebe ich manchmal nicht mein Bestes», sagt er, «aber wenn ich für mein Team spiele, lasse ich alles, was ich habe, auf dem Platz. Auch im Davis-Cup.»

ATP-Sanktion zum Vorteil von Federer

Kyrgios ist neben John Isner und Doppelspezialist Jack Sock der einzige Spieler in McEnroes Team, der schon seinen 3. Laver-Cup bestreitet. Bisher verlief der Anlass für ihn enttäuschend. 2017 vergab er im letzten Match gegen Roger Federer einen Matchball, der das 12:12 bedeutet hätte, womit ein Entscheidungsspiel nötig geworden wäre. 2018 verlor er auch in Chicago gegen Federer (2:6, 3:6). Er hätte danach die entscheidende Partie gegen Novak Djokovic bestritten, wenn nicht Alexander Zverev gegen Kevin Anderson gewonnen und damit für den 13:8-Sieg der Europäer gesorgt hätte.

Weil der Laver-Cup dieses Jahr von der ATP sanktioniert worden ist, wurden die bisher gespielten Einzel nachträglich in die offiziellen Matchstatistiken aufgenommen. Das hat für Federer, der seine vier Einzel alle gewann, zur Folge, dass rückwirkend auch seine Jahresbilanzen von 2017 und 2018 um je zwei Siege aufgebessert wurden – und dass er im Direktduell mit Kyrgios statt 3:1 offiziell plötzlich 5:1 vorne liegt. Zudem erhöht sich dadurch auch die Zahl der Partien, die er nach Matchbällen des Gegners noch gewann, von 21 auf 23 Partien. Denn letztes Jahr hatte er auch Sam Querrey in Chicago nach (drei) abgewehrten Matchbällen noch besiegt.

Am Rand des Turniers wurde gestern derweil bekannt, dass Eurosport dieses Jahr erstmals live überträgt, auch in der Schweiz. Bisher hatte in der Deutschschweiz der Privatsender TV24 die exklusiven Rechte gehalten.

Brisante TV-Situation

TV24 ist zum 3. Mal dabei und hat für Genf schon vor einiger Zeit den häufig für Eurosport kommentierenden Matthias Stach engagiert, zusammen mit Severin Lüthi und Marco Chiudinelli. Das Schweizer Fernsehen war sich vor drei Jahren mit den Organisatoren um Tony Godsick nicht vertragseinig geworden, worauf die Privatsender TV24 und in der Westschweiz Léman Bleu ab 2018 die Rechte kauften.

Erstellt: 18.09.2019, 16:07 Uhr

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