Der unwahrscheinliche Traum des Federer-Gegners

Der Ungar Marton Fucsovics galt als Supertalent und Lebemensch. Dass er nun in Melbourne sein Idol fordern kann, hatte er nicht zu hoffen gewagt.

«Mit jedem Match spiele ich besser»: Marton Fucsovics erlebt in Australien einen erstaunlichen Höhenflug.

«Mit jedem Match spiele ich besser»: Marton Fucsovics erlebt in Australien einen erstaunlichen Höhenflug. Bild: Keystone

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Als die Auslosung des Australian Open feststand, merkte Marton Fucsovics rasch: Falls er drei Partien gewinnen würde, bestand eine gute Chance, dass er im Achtelfinal auf Roger Federer treffen würde. Genau dies war schon lange sein Traum: Einmal in einem Grand-Slam-Turnier gegen den Schweizer zu spielen, der neben Marat Safin das grosse Idol seiner Jugend war und irgendwie immer noch ist. Und nun ist es in der Nacht auf Montag (nicht vor 5 Uhr MEZ) in Melbourne tatsächlich so weit.

Dabei standen die Chancen für Fucsovics nicht gut. Immerhin hatte der im Februar 26 Jahre alt werdende Ungare vor Melbourne noch nie eine Partie an einem Grand-Slam-Turnier gewonnen. Das ist eher überraschend, immerhin galt er als eines der weltgrössten Talente seines Jahrgangs. 2010 hatte er in Wimbledon das Juniorenturnier gewonnen und war die Nummer 1 dieser Rangliste geworden, wie zwölf Jahre vor ihm Federer.

Gemäss ungarischen Quellen fehlte es Fucsovics nicht an Talent, sondern an Disziplin. Er soll lieber Partys gefeiert haben als an seiner Karriere zu arbeiten. Die Änderung geschah, als er vor zwei Jahren mit dem vor ihm letzten ungarischen Top-100-Spieler zu arbeiten begann, Attila Savolt. «Ihm und seiner Erfahrung habe ich sehr viel zu verdanken. In den letzten sechs Monaten spiele ich das beste Tennis meiner Karriere», sagte Fucsovics, nachdem er am Samstag nach Rado Albot und Sam Querrey auch den Argentinier Nicolas Kicker besiegt hatte, mit einem glatten 6:3, 6:3, 6:2.

«Das ist meine beste Woche der Karriere», sagt der Budapester, für den die Schweiz einen besonderen Stellenwert hat. Er spielte letzten Sommer Interclub für die Grasshoppers, und Federer nutzte seine Anwesenheit, um Ende Juli und Anfang August mit ihm einige Male zu trainieren.

Die Swiss Indoors als Meilenstein

Wichtig waren für seine Karriere dann im Herbst auch die Swiss Indoors: Dort erreichte Fucsovics als Qualifikant erstmals die Viertelfinals auf der ATP-Tour, und dort lieferte er auch Marin Cilic einen grossen Kampf (6:7, 7:5, 6:7). Erst im vergangenen Jahr kletterte der FC-Barcelona-Fan auch erstmals in die Top 100, inzwischen steht er auf Rang 80. «Vor dem Australian Open erreichte ich in Canberra den Final eines Challenger-Turniers und spielte dort schon gut. Als ich hier ankam, war ich sehr fokussiert, und mit jedem Match spiele ich besser», sagt er.

Er sei froh, dass er Fucsovics vom letztjährigen Training in Zürich her kenne, sagte Federer nach dem Sieg über Richard Gasquet. «Er ist ein total netter Kerl, der hart arbeitet. Ich bin froh für ihn, dass er eine gute Phase hat. Er ist stark und spielt sehr gut von der Grundlinie. Und er mag schnelle Beläge.»

Fucsovics muss nicht weit suchen, um jemanden zu finden, der ihm sagen kann, wie es ist, in Melbourne gegen Federer zu spielen: Attila Savolt, sein Coach, traf 2002 am Australian Open auch auf Federer und hielt sich mit einem 2:6, 5:7, 4:6 achtbar. «Wenn er daran glaubt, dass er ihn schlagen kann, hat er eine Chance», sagt Savolt vor Fucsovics grösstem Auftritt. «Wenn er diese Partie aber nur als Kirsche auf der Torte betrachtet und Spass haben will, wird das nichts.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.01.2018, 11:49 Uhr

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