Der verhinderte Brite fordert Federer

Weshalb Roger Federers Startgegner Aljaz Bedene seit diesem Jahr wieder für Slowenien spielt.

Aljaz Bedene ist Roger Federers erster Gegner am Australian Open 2018.

Aljaz Bedene ist Roger Federers erster Gegner am Australian Open 2018. Bild: Arun Sankar K./Keystone

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Roger Federers Startgegner vom Dienstag hat Ende 2017 seinen persönlichen Brexit vollzogen. Nachdem Aljaz Bedene unter grosser medialer Aufmerksamkeit 2015 die Nationalität gewechselt und fortan für Grossbritannien gespielt hat, tritt die Nummer 51 seit Anfang Jahr ­wieder für Slowenien an. «Letztlich war es nicht meine Entscheidung, sondern die des internationalen Verbandes», kommentierte er vor dem Australian Open in Melbourne gegenüber BBC. Der Internationale Tennisverband (ITF) hatte Bedene nicht erlaubt, für Grossbritannien Davis-Cup zu spielen, womit er auch keine Chance gehabt hätte, 2020 die Olympischen Spiele in Tokio zu bestreiten. Dieser Preis war ihm zu hoch. Die Zeit mit Grossbritannien sei «eine grossartige Reise mit einem schlechten Ende» gewesen, so ­Bedene. «Ich wollte wirklich für Grossbritannien Davis-Cup spielen.»

Kein schlechtes Gewissen

Der slowenische Verband hatte sich inzwischen aber stark darum bemüht, seine abgesprungene Nummer 1 zur Rückkehr zu bewegen. So wurde der langjährige Davis-Cup-Captain Blaz ­Trupej durch Miha Mlakar ersetzt, einen Freund ­Bedenes, und als Assistent von diesem kam Andraz Bedene, der Zwillings­bruder, dessen Tenniskarriere nur bis Rang 840 der Welt gereicht hatte. Beim britischen Verband (LTA), der den Real-Madrid- und Ronaldo-Fan finanziell stark unterstützt hatte, zeigte man in einem Communiqué zumindest vordergründig Verständnis für den Entscheid.

Ein schlechtes Gewissen wegen seines zweiten Nationalitätenwechsels habe er nicht, obwohl er für Grossbritannien einen Treueschwur abgelegt hatte, sagte Bedene. Der 28-Jährige ist in Ljubljana zur Welt gekommen, hat dann neun Jahre in England gelebt und Ende März 2015 die britische Staatsbürgerschaft angenommen. Er war die Nummer 2 des ­Landes hinter Andy Murray, doch sein Traum, für seine Wahlheimat im ­Davis-Cup anzutreten, zerschlug sich. Denn die ITF hatte 2015 blöderweise eine neue Regel eingesetzt, nach der Spieler in diesen Wettbewerben nur noch eine Nation repräsentieren dürfen. Bedene hatte für Slowenien vor einigen Jahren drei Davis-Cup-Einzel bestritten. Sein Versuch, die Starterlaubnis für Grossbritannien auf dem Rechtsweg zu erlagen, scheiterte.

Oft noch in London

Bedene zog nun aus Hertfordshire, wo er die letzten sechs Jahre gelebt hatte, zurück nach Slowenien, wo seine Frau Kimalie für ihre Karriere als Sängerin bessere Perspektiven sieht. Er behält seinen britischen Pass, arbeitet auch weiter mit dem britischen Coach Nick Cavaday und ist auch immer noch häufig in London anzutreffen.

Eine grosse Lücke im britischen ­Tennis hinterlässt er nicht, zumal er das Land ohnehin nicht repräsentieren durfte. An 18 Grand-Slam-Turnieren kam er erst zu 7 Siegen, in Melbourne ist er nach fünf Teilnahmen noch immer sieglos, wobei er vor drei Jahren gegen Novak Djokovic bloss neun Games gewann.

Federer und die Schuhbändel

Auch auf der ATP-Tour ist Bedene noch nicht gross in Erscheinung getreten. Er stand erst in zwei kleinen Endspielen und verlor beide; auf der zweitklassigen Challenger-Tour dagegen holte er schon 14 Titel. Ihm könnte indes entgegen­kommen, dass Federer noch nie auf ihn traf und sich der 19-fache Grand-Slam-Sieger gelegentlich etwas schwertut mit ihm unbekannten Gegnern.

Fragt man aber britische Journalisten, ob der Aussenseiter der Nummer 2 gefährlich werden könnte, schütteln diese nur den Kopf oder machen Sprüche wie diesen: «Nur, wenn er Federer die Bändel der Schuhe zusammenbindet.»


Nach dem Wimbledon-Sieg überkommen Roger Federer die Gefühle: Als er seine Kinder auf der Tribüne sieht, kommen ihm die Tränen. (Juli 2017) Video: Tamedia/wimbledon.com

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2018, 21:43 Uhr

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