Die Leiden des lustigen Lulatschs

Roger Federer ist der grösste Tennisspieler der Geschichte, Ivo Karlovic aber ist der längste. Und das bringt Probleme mit sich.

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Ivo Karlovic verfolgt das Treiben auf der Tennistour aus der Vogelperspektive. Mit seinen 2,08 Metern überragt der Kroate die grossen Stars der Branche um einen Kopf. Roger Federer etwa müsste mit 23 Zentimeter hohen Absätzen auf den Court kommen, um Karlovic auf Augenhöhe zu begegnen – und derartige High Heels finden sich wohl nicht einmal im Schuhkabinett von Slavica Ecclestone, der Ex-Frau von Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone.

Karlovic, der zwei Zentimeter grösser ist als der US-Amerikaner John Isner, bewegt sich denn auf dem Court bisweilen auch, als trage er High Heels und keine Tennisschuhe. Beim Return könne man den Eindruck gewinnen, ein Hobbyspieler wäre am Werk, sagen Spötter über die Nummer 75 der Weltrangliste. Gerade einmal neun Prozent der Return-Games hat Karlovic in seiner Karriere gewonnen, Rafael Nadal kommt als bester noch aktiver Spieler dieser Statistik auf 33 Prozent.

«Es ist hart, rauf und runter zu gehen»

Karlovic hat dafür andere Stärken – selbstredend vor allen Dingen seinen Aufschlag. Er gewinnt gemäss der ATP-Datenbank 91 Prozent aller Service-Games und hat den Gegnern in seiner Karriere schon 7141 Asse um die Ohren gehauen. «Mir gefällt der Gedanke, dass ich stärker bin als die anderen Jungs. Zudem habe ich eine grössere Reichweite und kann von einem höheren Punkt aus aufschlagen», sagte Karlovic dem Reporter, der ihn für das «Deuce Magazine» der ATP porträtierte. «Der grosse Nachteil ist aber, dass ich auch tiefe Bälle spielen muss. Es ist hart, rauf und runter zu gehen, wenn es so weit ist wie bei mir. Auch die Beinarbeit ist schwierig.»

Ein Grossteil der Arbeit ohne Schläger entfällt bei Karlovic deshalb auf die Beine. Der Tennisriese, der wegen seines Gewichts von 104 Kilogramm auch in Sachen Ausdauer kein leichtes Leben hat, weiss überdies um die Wichtigkeit des Stretchings. «Ich dehne sehr viel, um meinen Körper flexibler zu machen und mache eine Menge Übungen für den Oberkörper, um stark zu bleiben», führt er aus. Das Stretching sei für ihn die Voraussetzung, um tiefe Volleys spielen zu können, und es beuge Verletzungen vor.

Der erste Gegner ist 30 Zentimeter kleiner und 40 Kilogramm leichter

In seinem Erstrundenspiel am US Open dürfte Karlovic noch nicht zu sehr beansprucht werden. Der 33-jährige Rechtshänder aus Zagreb trifft auf einen gewissen Jimmy Wang aus Taiwan, die Nummer 182 des ATP-Rankings. Wang ist 30 Zentimeter kleiner und 40 Kilogramm leichter als sein hünenhafter Widersacher, dazu spielte er erst eine Partie in Flushing Meadows, und diese verlor er vor sechs Jahren.

Erreicht Karlovic die zweite Runde, wo voraussichtlich der Franzose Gilles Simon (ATP 17) warten würde, hat er 37'000 Dollar Preisgeld auf sicher, genug, um den Business-Class-Flug zurück nach Europa zu bezahlen. Die Economy Class ist dem Lulatsch mit dem amüsantesten Twitter-Account der Tennisszene verständlicherweise ein Graus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 14:15 Uhr

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