Die Wende nach dem tiefen Fall?

Belinda Bencic verlor in 12 Monaten 120 Ränge, wechselte ihr Umfeld aus und geht neue Wege. Nun soll die Wende zum Guten kommen.

Sieht sich wieder im Aufschwung: Belinda Bencic. Foto: Clive Brunskill (Getty Images)

Sieht sich wieder im Aufschwung: Belinda Bencic. Foto: Clive Brunskill (Getty Images)

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Ein kleines «Yes», eine geballte Faust, ein Blick in ihre Ecke, wo Physiotherapeut, Sparringspartner, Testcoach und einige Freundinnen klatschen. 6:4, 6:1 schlägt Belinda Bencic an diesem Abend im zweitgrössten Stadion von Indian Wells Tsvetana Pironkova (WTA 63). Keine grosse Geschichte, würde man denken, immerhin hat sie die Bulgarin auch in den drei vorangegangenen Duellen besiegt. Doch bei Bencic ist eben nichts mehr, wie es war, als sie weltweit als zukünftige Nummer 1 gefeiert wurde.

«Es ist schon eine Erleichterung, wieder einmal gewonnen zu haben», gibt sie in der Players Lounge zu – es ist ihr erster Sieg auf der WTA-Tour seit fünf ­Monaten (Wuhan). «Solche Partien brauche ich, denn mir fehlen das Vertrauen und die Matchpraxis.» Hinter der einstigen Seriensiegerin liegt ein beispielloser Abstieg. Vor einem Jahr kam sie als Nummer 8 nach Indian Wells, seither wurde sie von 120 Gegnerinnen überholt. In diesen zwölf Monaten erlitt sie in 18 Turnieren 14 Erstrundenniederlagen, zuletzt sechs in Folge (die drei Siege am Hopman-Cup und im Fed-Cup zählen nicht für die Weltrangliste).

«Muss mir alles erarbeiten»

Bencic befindet sich mitten in einer sechswöchigen Testphase, während der sie mit Coach Maciej ­Sinowka unterwegs ist. Der Pole arbeitete unter anderem schon mit Mirjana Lucic-Baroni (gegen die sie in Acapulco verlor) und Coco Vandeweghe. Sein Vorname werde «Matschei» ausgesprochen, sie nenne ihn aber «Magic», sagt Bencic. Wunder erwartet sie von ihm aber keine. «Ich muss mir alles wieder erarbeiten. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen.»

Die Ostschweizerin spricht positiv über den neuen Mann, der noch keine Interviews gibt. «Schon in Acapulco lief es gut, auch wenn es bitter war, dass ich gegen die Nummer 1 knapp verlor», erzählt sie. Sie habe viel an der Fitness gearbeitet, «wir gingen jeden Tag laufen. Das Ziel ist, dass ich mich wieder besser bewege.» Sie arbeite und investiere viel, müsse aber geduldig sein. «Ich muss daran glauben, dass es sich irgendwann auszahlt, und hoffe, dass Indian Wells ein Start sein könnte.» Ihre Ranglistenposition vereinfacht die Rückkehr nicht. Bencic muss vorerst entweder kleinere Turniere oder Qualifikationen bestreiten – sofern sie nicht, wie übernächste Woche in Miami, eine Wildcard erhält.

In Florida kommt ihr entgegen, dass das Turnier der Agentur IMG gehört, von der sie inzwischen betreut wird. Den Amerikanern verdankt sie auch den neuen Kleidervertrag mit Nike: In Indian Wells tritt sie erstmals in ihrem neuen, farbenfrohen Outfit an – dafür sind neben dem «Swoosh» die anderen Sponsorenlogos verschwunden, wie es bei dieser Marke üblich ist. «Extrem glücklich» sei sie über diesen Vertrag, sagt sie und strahlt: «Jedes Mädchen träumt ­davon, bei Nike zu sein.»

Viele Neues, aber kein Neustart

Obwohl so vieles neu ist, könne man aber nicht von einem Neuanfang sprechen, betont die einst weltbeste Juniorin. Dass ihr Vater weniger bei ihr sei, habe sich abgezeichnet. Er sei an dieser Entscheidung mitbeteiligt gewesen: «Er erwartete nicht, dass wir ein Leben lang zusammen reisen, und hat gesehen, dass es das Beste ist. Aber er wird auch weiterhin an einige Turniere kommen.» ­Gemäss der zweifachen Turniersiegerin hat sich gar nicht so viel geändert. Sie und ­Sinowka hätten regen Kontakt mit Ivan Bencic, «meine ­Eltern werden auch nach Miami kommen, worüber ich mich sehr freue». Zu Hause werde sie weiterhin mit ihrem Vater trainieren.

An der Suche eines Testcoaches war IMG ebenfalls beteiligt. «Wir schauten, wer verfügbar ist, und er war derjenige, der auf mich am positivsten wirkte und von dem ich erwartete, dass er mich am meisten pushen würde.» Bencic liess ­Sinowka gegen Pironkova auch auf den Platz kommen – worauf sie den zweiten Satz 6:1 gewann. Falls sie ihn fest verpflichtet (wonach es aussieht), hiesse das aber nicht, dass sie nicht mehr bei Melanie Molitor trainieren werde, stellt sie klar: Einen mitreisenden Coach brauche sie ja nur, weil die Mutter von Martina Hingis nicht an Turniere reise. «Ich hoffe, dass ich wieder zu ihr gehen und Tipps ­holen kann.» Was sie bei ihr gelernt habe, sei unbezahlbar. «Das machte mich stark, daran glaube ich weiter.»

Geburtstagsfeier ist zweitrangig

Vieles deutet darauf hin, dass Bencic die Talsohle erreicht hat, dass es nun wieder aufwärtsgehen wird, zumal sie in den kommenden Monaten kaum Punkte zu verteidigen hat. Sie scheint ihre Karriere wieder in den Griff zu bekommen – rechtzeitig zum heutigen 20. Geburtstag. Das Feiern ist aber zweitrangig: Ein Sieg gegen die ­Holländerin Kiki Bertens (WTA 20) wäre das schönste Geschenk.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2017, 21:43 Uhr

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