Diese Tipps gibt Roger Federer dem Schweizer Tennis-Nachwuchs

Fünf talentierte Schweizer im Alter von 15 und 16 wollen sich auf die Spuren von Roger Federer begeben – und dieser sagt ihnen, was sie tun sollen.

Er ist ihr aller Vorbild: Roger Federer verrät seine Tipps an die nächste Schweizer Tennis-Generation. (Video: Tamedia/Fabian Sanginés)

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Als die Schweizer U-14 im August 2017 im tschechischen Prostejov unter der Ägide von Michael Lammer Team-Weltmeister wurde, war Roger Federer gerade in Montreal und schaute via Live­stream zu. «Ich sagte zu Michi, sie sollten in die Kamera winken, wenn sie gewonnen haben», erzählt er und lächelt spitzbübisch. «Das haben sie dann auch getan.»

Jener Erfolg war ein Silberstreifen am Horizont nach mageren Jahren im Nachwuchs der Schweizer Männer. Bereits vor vier, fünf Jahren sprach Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach davon, es komme eine Generation talentierter Junioren nach. Damals waren sie 12, jetzt sind sie 15 oder 16. Und beim Verband demonstrierte man das Vertrauen in sie, indem man sie schon früh zu Kaderspielern machte, was mit erheblicher finanzieller Unterstützung einhergeht.

Wie Federer, der einst mit 14 nach Ecublens wechselte, sind vier von ihnen bereits nach Biel gezogen, trainieren und wohnen im nationalen Leistungszentrum. Nur der Zürcher Jeffrey von der Schulenburg trainiert dezentral. Ist es eine glückliche Fügung, dass die Jahrgänge 2002 und 2003 nach vielen mageren Jahren gleich so viele Talente umfassen? Headcoach Yves Allegro bejaht, sagt aber auch: «Es ist mein Ziel, Gruppen zu bilden, damit sich die Jungen gegenseitig pushen. Auch wenn nicht alle genau gleich stark sind.»

Schon ein Erstklässler kostet pro Jahr 10'000 Franken

Nach der Team-WM der U-14 war der dortige Teamleader Jérôme Kym in Schweizer Tenniskreisen in aller Munde, tauchten in Medien bereits erste Vergleiche mit Federer auf. Zuletzt brillierte der Berner Dominic Stricker an Juniorenturnieren in Spanien. «Diese Konkurrenzsituation ist enorm positiv», ist Strickers Vater Stephan überzeugt. «Wenn sich einer ausruht, ziehen die anderen sofort vorbei.» Im November steht die nächste Delegationsreise an, nach Israel.

So weit diese Schweizer Talente noch vom Profizirkus entfernt sind, sie haben auch schon eine beträchtliche Wegstrecke hinter sich. Manche Karriere kommt gar nicht erst in Fahrt, weil den Eltern das Geld fehlt. Tennis ist ein teurer Sport. Wer sein Kind gezielt fördern wolle, müsse schon bei Erstklässlern pro Jahr mit 10 000 Franken Ausgaben rechnen, sagt Vater Stricker. «Und die steigen dann kontinuierlich an, bis zu 80 000 Franken. Als Normalverdiener kannst du das nicht finanzieren.»

Weil er seinem Sohn den Traum vom Tennisprofi ermöglichen wollte, suchte Stricker Sponsoren und bat Freunde und Arbeitskollegen um finanzielle Unterstützung. Zudem stockte seine Frau ihr Pensum von 30 auf 60 Prozent auf. «Tennistraining ist ein Business geworden», hat Stricker feststellen müssen. «Viele Trainer und Tennisschulen arbeiten nur noch profitabel. Alles wird verrechnet.»

Allegro sieht das Problem auch, sagt aber: «Ich bin der Meinung, dass die Kinder in der Schweiz viel zu viele Privatlektionen haben und viel zu wenig Tennis spielen. Michael Lammer und ich hatten nie Privatstunden, bis wir nach Ecublens kamen. Aber es wurde viel mehr Tennis gespielt in den Clubs. Wenn ein 45-Jähriger einer 11-Jährigen Privatlektionen gibt, ist das nicht kindergerecht. Wenn du ein paar Kinder auf dem Platz hast und die richtigen Übungen machst, bekommen sie genauso viel mit. So kannst du schon einmal 50 Prozent der Kosten sparen.»

Das Schweizer Schulsystem ist nicht «sportorientiert»

Die andere grosse Frage, die sich Eltern stellt, ist die nach der Vereinbarkeit von Schule und Tennis. Der 18-jährige Zürcher Henry von der Schulenburg schnupperte in diesem Jahr bei den Juniorenkonkurrenzen in Wimbledon und am US Open erstmals Grand-Slam-Luft. In New York startete er in der Qualifikation und gewann vier Partien. Das machte Lust auf mehr. Doch er wird nicht Tennisprofi werden. Er stammt aus einer Akademikerfamilie, seine Eltern lernten sich in Yale kennen, und er wird ab nächsten Sommer in Harvard studieren und Tennis spielen. «Sie haben eine gute Mannschaft», sagt Mutter Nina. «Aber die akademischen Anforderungen daneben sind hoch.»

Henrys zwei Jahre jüngerer Bruder Jeffrey ist im Tennis talentierter, er wurde bereits 2017 ins A-Kader berufen. Aber die Schule fällt ihm nicht ganz so leicht. Wie Henry besucht er das Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl in Zürich. Alles unter einen Hut zu bringen, sei schwierig, sagt er. Manchmal habe er bis zwei, drei Uhr morgens gelernt und sei dann um sechs Uhr wieder aufgestanden, um ins Tennistraining zu gehen. In diesem Jahr konnte er nun bei der Schule ein reduziertes Pensum absolvieren. Doch nach den Weihnachtsferien muss er wissen, ob er wieder voll zur Schule gehen oder sie wechseln möchte. Für den 16-Jährigen ist aber klar: Er möchte eine Matura.

Yves Allegro weist darauf hin, dass es von allen Schweizer Tenniscracks, die es in die Top 100 geschafft hätten, nur College-Absolvent George Bastl gelang, die Mittelschule abzuschliessen. «Das Schulsystem in der Schweiz ist nicht sportorientiert», sagt er. «Oder genauer: nicht tennisorientiert. Denn du musst schon früh Turniere im Ausland spielen, um im ITF-Ranking nach vorne zu kommen.» Und diese Absenzen wiegen schwer. Zumal man in der Schweiz noch nicht so weit sei wie in anderen Ländern, was das Online-Schooling betreffe.

Nicht wie im Internat – alle sind freiwillig hier

Bei Swiss Tennis ist man bemüht, den Jungen schulische Lösungen in Biel zu ermöglichen oder zumindest Sprachkurse anzubieten, um auch ihren Kopf zu beschäftigen. «Sie können ja nicht zehn Stunden am Tag trainieren», bemerkt Allegro. Diesen Donnerstag etwa stand Medienschulung auf dem Programm. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst», sagt Allegro. «Aber es ist bei uns nicht so wie in einem Internat, in das die Eltern ihre Kinder schicken. Alle sind aus freiem Willen hier, sie sind Spitzensportler und haben ein klares Ziel.»

Was das Tennis betrifft, sei die Grundausbildung mit 15, 16 in groben Zügen abgeschlossen, sagt Allegro. «Jetzt wird individualisiert, geht es darum, die Stärken und den Spielstil zu entwickeln.» Der Walliser möchte, dass von dieser Gruppe ab Roland Garros 2019 die ersten an den Junioren-Grand-Slams spielen. Wem er am meisten zutraut, da will er sich nicht festlegen. «Meine Vision ist, dass drei dieser fünf einmal für die Schweiz Davis-Cup spielen.»

Und welche Tipps hat Federer für sie? «Wichtig ist in diesem Alter, dass man sich vorstellt: Was macht der Russe? Der Spanier? Der Amerikaner? Der Brasilianer? Du solltest dich nicht nur mit dem messen, mit dem du das Zimmer teilst. Oder dem, der gerade vor dir ist.» Die Tenniswelt ist gross. Man müsse sich bewusst sein, wie wichtig diese Jahre seien, ohne die Freude am Tennis zu verlieren, fügt der 37-Jährige an. Federer wird den Weg der Jungen weiterverfolgen – in der Hoffnung, dass das Schweizer Männertennis nach ihm und Wawrinka weiterlebt.

Erstellt: 27.10.2018, 23:32 Uhr

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