«Djokovic liebt Federers Aggressivität»

Der siebenfache Grand-Slam-Champion Mats Wilander warnt Roger Federer davor, gegen Novak Djokovic im Australian-Open-Halbfinal zu stürmisch zu agieren. Djokovic selbst hofft auf den Zauber des Davis Cup.

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Für Roger Federer ist der Davis Cup ein Störfaktor in der Saisonplanung. Federers morgiger Halbfinalgegner Novak Djokovic hat aus dem Nationen-Wettkampf dagegen Kraft für den Sturm auf seinen zweiten Majortitel gezogen. «Den Davis Cup zu gewinnen und den Sieg mit der ganzen Nation zu feiern, war sehr speziell für mich», sagt der serbische Tennisheld. «Dieser Erfolg hat mir in den Wochen danach enormes Selbstvertrauen verliehen.»

Was das für Djokovic' Spiel bedeutet, bekam in den Viertelfinals des Australian Open der Weltranglistensechste Tomas Berdych zu spüren. Abgesehen von der Startphase des zweiten Satzes, als er 1:4 in Rückstand geriet, war Djokovic bei seinem 6:1, 7:6, 6:1-Triumph in allen Belangen überlegen. «Ich habe einen der besten Matches in den vergangenen Monaten gespielt», konstatiert die Nummer 3 des ATP-Rankings zufrieden.

Mats Wilander, der in den Achtzigern sieben Grand-Slam-Turniere gewann und heute als Experte für den TV-Sender Eurosport tätig ist, ist sicher, dass Djokovic auch für Federer ein äusserst unangenehmer Gegner sein wird: «Federer muss aufpassen. Er spielt im Moment äusserst aggressiv, und genau das liebt Djokovic.» Eine überstürzte Aufgabe der Grundposition kann gegen den Serben fatale Folgen haben, da dieser von der Grundlinie aus wie kaum ein anderer Spieler die Entscheidung in einem Ballwechsel herbeiführen kann. Für Wilander ist Federer dennoch leicht favorisiert, die Wettanbieter sehen den Schweizer (Quote 1,4:1) sogar deutlich vor Djokovic (2,6:1).

«Dafür habe ich bitter gebüsst»

Djokovic weist gegen Federer eine Bilanz von 6:13 Siegen auf und hat die letzten drei Duelle mit dem Schweizer allesamt verloren. Davor setzte sich der Australian-Open-Champion von 2008 aber ausgerechnet in den US-Open-Halbfinals nach zwei abgewehrten Matchbällen 5:7, 6:1, 5:7, 6:2, 7:5 durch. Djokovic glaubt, dass er sein Erfolgsrezept gegen Federer auch in Melbourne in einen Sieg ummünzen kann: «Ich liebe die Atmosphäre und die Bedingungen hier, alles ist möglich.»

Federer erinnert sich bis heute ungern an den letztjährigen US-Open-Halbfinal: «Ich habe gut genug gespielt, um zu gewinnen. Aber ich war mental ein wenig verwirrt. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass ich schnell alles klarmachen müsse, um Kraft für einen eventuellen Final gegen Rafael Nadal zu sparen. Dafür habe ich bitter gebüsst.»

Die kapitale Bedeutung der ersten Games

Federer und Djokovic kennen einander nach 19 Duellen in- und auswendig. Djokovic macht deshalb kein Geheimnis aus seiner taktischen Marschrichtung für den Match gegen den Titelverteidiger aus der Schweiz: «Roger ist der aggressivste Spieler auf der Tour, also muss man gegen ihn Geduld haben, Varianten einstreuen und ihn aus der Komfortzone vertreiben.» Djokovic' besonderes Augenmerk gilt der Startphase: «Man muss Federer so viel wie möglich laufen lassen und ihm den unbedingten Siegeswillen demonstrieren.»

Erstellt: 26.01.2011, 15:51 Uhr

Federer - Djokovic im Live-Ticker

Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet am Donnerstag ab 9.30 Uhr live über den Australian-Open-Halbfinal zwischen Roger Federer und Novak Djokovic.

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