Eine Federer-Strasse? Mehrere, bitte!

Simon Graf, Journalist des «Tages-Anzeigers», bloggt für Sie vom Australian Open. Heute über die Bahnhofstrasse und Roger Federer.

Roger-Federer-Allee statt Bahnhofstrasse: Noch hat der Schweizer Tennisstar keine eigene Strasse – die Bahnhofstrasse gibt es dagegen 1368-mal in der Schweiz.

Roger-Federer-Allee statt Bahnhofstrasse: Noch hat der Schweizer Tennisstar keine eigene Strasse – die Bahnhofstrasse gibt es dagegen 1368-mal in der Schweiz.

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Bei Swiss Tennis in Biel klingelt derzeit ständig das Telefon. Auslöser ist, natürlich, Roger Federer. Zumindest indirekt. Dass es in Biel eine Roger-Federer-Allee geben soll, die am nationalen Tenniscenter vorbeiführt, bewegt die Gemüter. Das Büro von Präsident René Stammbach würde wohl dann an der Roger-Federer-Alle 1 liegen – keine schlechte Anschrift. Der Maestro selber, so ist zu erfahren, ist dem Ansinnen gegenüber positiv gestimmt. Bis jetzt gibt es erst eine Briefmarke, aber noch keine Strasse, die den Weltstar verewigt.

Ein Vorstoss von Anwohnern in Münchenstein, wo er aufwuchs, einst mit seinen Kollegen Fussball und Strassentennis spielte, wurde dort vom Gemeinderat abgelehnt. Mit der Begründung, eine Roger-Federer-Allee bringe keinen Nutzen. Zudem seien bisher noch keine lebenden Personen mit Strassennamen geehrt worden, weil man nie wisse, wie sich das Leben berühmter Persönlichkeiten weiter entwickle. Das Schild musste also wieder abmontiert werden.

Es gibt in der föderalistischen Schweiz keine einheitliche Regelung, was die Benennung von Strassen betrifft. Die Bieler Initiative ist jedenfalls clever. Denn eine Roger-Federer-Strasse bringt sehr wohl einen Standortvorteil. Wer möchte nicht gerne an der Strasse wohnen, die nach ihm benannt ist? Ein Dorf oder eine Stadt bekommt so selber etwas vom Glanz des berühmtesten Schweizers ab. Und er darf das als Anerkennung für seine grandiosen Leistungen sehen – eine Win-Win-Situation. In Zürich wird es, so ist zu hoffen, noch lange keine Roger-Federer-Strasse geben. Denn hier wird strikte keinen lebenden Personen auf diese Weise gehuldigt. Der Köbi-Kuhn-Platz in Wiedikon ist offiziell nicht als solcher registriert. Der ZSC-Lions-Platz in Oerlikon übrigens auch nicht.

Der Bieler Vorstoss könnte durchaus eine Welle von Um- oder Neubenennungen auslösen. Oder sogar die Änderung von Regelungen, damit jeder Ort seine Roger-Federer-Strasse bekommen kann. Nebst dem freien Steuerwettbewerb haben wir also vielleicht auch bald den freien Namenswettbewerb. Es wird interessant zu beobachten sein, wer nach Biel alles nachzieht. Und in 100, 200 Jahren werden bestimmt unzählige Strassenschilder unsere Nachfahren an den grossen Tenniskünstler erinnern.

Einen Rekord wird der Mann, der dieser Tage in jedem Spiel eine neue Bestmarke aufzustellen scheint, aber nicht brechen, so gut er auch spielt: jenen der meisten Strassennamen in der Schweiz. Führend ist die Bahnhofstrasse – sie kommt in unserem Land 1368-mal vor.

Erstellt: 26.01.2011, 13:51 Uhr

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