«Einer Gehirnwäsche unterzogen»

Am 10. Mai kommt der kontroverse Dokumentarfilm über die Williams-Schwestern in die Kinos. Er zeigt Serena und Venus, bevor sie berühmt wurden – und in ihren dunkelsten Stunden.

Der Trailer zum Film über die Williams-Schwestern. Video: Youtube.


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Wer an Serena und Venus Williams denkt, dem kommen zunächst einmal ihre aussergewöhnlichen Erfolge in den Sinn. 22 Grand-Slam-Titel und zwei Olympiagoldmedaillen haben die beiden im Einzel gewonnen. Dazu kommen 13 gemeinsame Major-Triumphe im Doppel. Geplant war diese Erfolgsgeschichte, noch ehe Serena und Venus zur Welt kamen. Von ihrem Vater Richard Williams, der seine Strategie in einem 78-seitigen Manuskript niederschrieb und später mit eiserner Hand umsetzte.

«Meine Eltern haben mir immer erklärt, dass ich einmal die Nummer 1 der Welt sein würde. Ich wurde einer Gehirnwäsche unterzogen», sagt Venus, die ältere der beiden Williams-Sisters heute. Im Film ist auch zu sehen, wie Williams senior seine Töchter in deren Kindertagen auf dem Tennisplatz drillt. Das Ziel, aus ärmlichen Verhältnissen ganz nach oben zu kommen, stets vor Augen.

Angst, dass Venus wütend werden könnte

Wegen der angeblich zu negativen Darstellung des Vaters sei es zu heftigen Irritationen zwischen dem Filmemacher-Duo Michelle Major/Maiken Baird und dem Williams-Clan gekommen, vermeldete die «Los Angeles Times». Major äusserte sich dazu nicht detailliert, räumte aber gegenüber «USA Today» ein, sie habe sich stets davor gefürchtet, dass Venus Williams wütend werden und die Dreharbeiten einstellen lassen könnte. Zudem habe sie sich um das Wohlbefinden der Athletin gesorgt. Diese habe auf sie phasenweise einen depressiven Eindruck gemacht.

Dass Serena und Venus, die den Zeugen Jehovas angehören, den Kameraleuten keinen Einblick in ihr religiöses Leben geben wollten, bedauern die Macher des Films. «Ich hätte sie sehr gern in der Kirche gefilmt, um zu sehen, was ihnen ihre Religion bedeutet und wie diese sie geformt hat», so Majors Dokumentationspartnerin Maiken Baird.

Diskussionen über den Mord an der Halbschwester

Vor einem anderen brisanten Thema schreckten die Williams-Sisters aber nicht zurück: So zeigt der Film, wie sie sich tränenreich über den Tod ihrer Halbschwester Yetunde Price im Jahr 2003 unterhalten. Diese wurde während einer Autofahrt mit ihrem Freund von Pistolenschüssen so schwer verletzt, dass sie wenig später im Krankenhaus starb. Die Polizei geht davon aus, dass der Freund das eigentliche Ziel des Täters aus einer kalifornischen Gang war.

Dass der Williams-Film so viel Leid zeigt, liegt auch daran, dass er zu einem grossen Teil während der Saison 2011 abgedreht wurde. Damals hatten die beiden Tennisstars mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Bei Venus wurde am US Open das sogenannte Sjögren-Syndrom diagnostiziert, eine Autoimmunkrankheit, bei der es sogar beim Essen zu starken Schmerzen kommen kann. Serena erlitt im Frühling eine Lungenembolie, die eine Folge ihrer langwierigen Fussverletzung aus dem vorhergehenden Jahr war.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.04.2013, 12:55 Uhr

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