«Er hat das Spiel, Federer zu schlagen»

Ab 14 Uhr spielt der Schweizer im Wimbledon-Viertelfinal gegen Kevin Anderson. Ein früherer Profi räumt dem Südafrikaner Chancen ein.

Kevin Anderson steht erstmals im Wimbledon-Viertelfinal. Foto: Reuters

Kevin Anderson steht erstmals im Wimbledon-Viertelfinal. Foto: Reuters

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Als Wayne Ferreira 1994 gegen Patrick McEnroe in Basel die Swiss Indoors gewann, war Roger Federer gerade als Balljunge im Einsatz. Inzwischen ist der Südafrikaner 46-jährig, lebt in South Carolina, hat zwei Kinder und vertreibt in mehreren Ländern Maschinen, die der Luft das Wasser entziehen. Zurzeit weilt er gerade in Wimbledon, wo er das Legendenturnier bestreitet und heute aufmerksam den Viertelfinal zwischen Federer und Kevin Anderson verfolgen wird.

«Kevin spielt momentan ausserordentlich gut und schätzt die Chance, jetzt gegen Roger spielen zu können», ist Ferreira überzeugt. «Die Aufgabe ist zwar schwierig, aber er hat das Spiel, ihn zu schlagen. Er muss einfach daran glauben, gut in die Partie starten und hervorragend servieren. Denn die Returns sind nicht seine Stärke.»

Ferreira war 2003 in Melbourne der letzte südafrikanische Grand-Slam-Halbfinalist, bevor Anderson letztes Jahr am US Open ins Endspiel vorstiess, das er gegen Rafael Nadal klar verlor. «Seit eineinhalb Jahren spielt er hervorragend», sagt Ferreira, «und nun weiss er auch, dass er Grand-Slam-Endspiele erreichen kann. Das hat er sich früher nicht zugetraut.» In Wimbledon steht Anderson als 32-Jähriger dank seinem ersten Sieg über Gaël Monfils erstmals im Viertelfinal.

Hoffen auf Federer - Nadal

Ferreira ist mit Anderson, der in Florida lebt, befreundet und reist noch immer häufig nach Südafrika. Trotzdem sagt er: «Wann immer Roger spielt, ist er mein Favorit. Und ich würde zu gerne hier einen Final zwischen ihm und Nadal sehen.» Dazu kommt, dass Ferreira auch eine enge Beziehung zu Federers Eltern hat. Denn Lynette Federer, die in Südafrika aufwuchs, war in den frühen 90er-Jahren für die Basler Swiss Indoors tätig, wo sie Turnierausweise ausstellte.

Video: Grosses Wimbledon-Comeback vor einem Jahr

2012 war der letzte Triumph im All England Club, endlich hatte es für Federer wieder geklappt.

«Ich wusste damals, dass sie aus Südafrika kommt, und sprach immer wieder mit ihr», erinnert sich Ferreira. Er habe in seinem Basler Endspiel auch gewusst, welcher Balljunge ihr Sohn war. «Er war ein netter Kerl, und jetzt ist er ein grossartiger Mann.» Auch Federer erinnert sich gut an den Spieler Ferreira. «Ich war ein Fan von ihm. Und er war neben Marc Rosset einer jener Spieler, die mich auf der Profitour willkommen hiessen.»

«Das sage ich keinem»

Ferreira und Federer trainierten oft zusammen und traten 2001 dreimal gegeneinander an. Der Südafrikaner gewann zwei dieser Duelle und ist einer der wenigen, die mit einer positiven Bilanz gegen den Grand-Slam-Rekordsieger abtraten. «Doch das sage ich keinem. Und damals hatte er auch noch keine Topspin-Rückhand.» Die beiden traten in jenem Jahr in Wimbledon auch gemeinsam im Doppel an, wo sie in der 3. Runde aufgaben. «Roger hatte Pete Sampras geschlagen und wollte sich aufs Einzel konzentrieren», erinnert sich Ferreira. Es sollte ihr einziges Doppelturnier bleiben.


Federer steht in Wimbledon im Viertelfinale. Video: SRF


Er habe schon damals gedacht, dass Federer einige Majortitel holen würde, sagt Ferreira. Doch wie hätte er ahnen können, dass aus dem Balljungen der dominanteste Spieler der Grand-Slam-Geschichte werden würde? Schon zum 53. Mal steht Federer heute in einem Major-Viertelfinal, 43 davon hat er gewonnen.

Das Duell mit Anderson sei für ihn nicht speziell, obwohl er auch selber einen südafrikanischen Pass habe, sagt Federer. «Ich kenne ihn vor allem aus der ­gemeinsamen Zeit im Spielerrat der ATP.» Er hat 12 seiner 15 Viertelfinals in Wimbledon gewonnen und bewältigte den Weg dorthin zum vierten Mal, ohne gebreakt zu werden. Und nur dreimal hat er dafür weniger Zeit benötigt. Für seine vier Siege reichten ihm 6:08 Stunden, ­Anderson brauchte über vier Stunden mehr. Und auch Rafael Nadal musste zwei Stunden länger kämpfen, obwohl der Spanier sogar zwei Games weniger ­bestritt als Federer.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2018, 11:16 Uhr

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Der 46-jährige Südafrikaner gewann 15 Titel, war einst die Nummer 6 und kennt Federer seit 24 Jahren.

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