Er kämpft am US Open auch abseits des Courts

Nur rund 14 Prozent des Umsatzes fliessen im Tennis an die Spieler. Der Kanadier Vasek Pospisil möchte das ändern.

«Als mein Honeymoon vorbei war, erfuhr ich von der Gier und Kontrolle der Turniere über die Spieler»: Vasek Pospisil. Foto: AP

«Als mein Honeymoon vorbei war, erfuhr ich von der Gier und Kontrolle der Turniere über die Spieler»: Vasek Pospisil. Foto: AP

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Vasek Pospisil suchte sich das richtige Turnier aus, um den ersten Sieg auf der ATP-Tour in diesem Jahr zu feiern. Nachdem er die Weltnummer 9 Karen Chatschanow eliminiert hatte, platzierte er sein Anliegen medienwirksam. Ein Stichwort eines Journalisten genügte, und es sprudelte nur so heraus aus dem 29-Jährigen. Ohne Punkt und Komma redete er über seinen Kampf für bessere Bedingungen der weniger privilegierten Spieler und mehr Transparenz im Welttennis, in dem so viel Geld fliesst.

Der Kanadier, nach einer Rückenoperation wegen einer Diskushernie auf Rang 216 abgerutscht, hatte bereits Anfang ­August mit einem Meinungsartikel im «Globe and Mail» für Aufsehen gesorgt. Darin beschrieb er, welche Opfer seine Familie, die aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammt, auf sich nehmen musste, damit er den Weg einer Profikarriere einschlagen konnte. Und wie er, als er es geschafft hatte, erkennen musste, dass nicht alles so glamourös ist, wie er gedacht hatte. Und mit welch harten Bandagen um Geld und Einfluss gekämpft wird.

«Als meine Phase des Honeymoons vorbei war, begann ich von älteren Spielern von der Gier, der Macht und der Kontrolle zu hören, die die grossen Turniere über die Spieler haben», schrieb er. «Und ich begann, die Dinge mit anderen Augen zu sehen,die Businessmeetings und das Geflüster über die grossen Deals, die hinter den Kulissen gemacht werden.»

Die Top 100 als Zäsur

So bewarb sich Pospisil vergangenes Jahr um einen Platz im zehnköpfigen Spielerrat, dem nun auch wieder Roger Federer und Rafael Nadal angehören. Sein Anliegen ist, dass die Spieler mehr Einfluss bekommen und ein grösseres Stück vom Kuchen. Natürlich hätten die Top 50 ein gutes Leben, aber bereits jene ausserhalb der Top 100 müssen kämpfen, um nicht Geld zu verlieren. Pospisil rechnete im «Globe and Mail» vor: «2018 verdienten die Spieler zwischen den Rängen 51 und 100 im Schnitt 583 235 Dollar Preisgeld (vor Abzug von Steuern und allen Ausgaben). In der NHL verdienten letzte Saison über 450 Spieler mehr als eine Million. In der NHL beträgt die Umsatzbeteiligung 50 Prozent. Zudem sind alle Ausgaben der Spieler gedeckt.»

Ein wichtiger Unterschied: In der NHL werden die Hockeycracks von der Spielergewerkschaft vertreten, der nächste Arbeitsstreit zeichnet sich schon ab. Die Tennisspieler hingegen haben keine Gewerkschaft und somit keine einheitliche Stimme. Die Gründung einer solchen ist ein Ziel von Pospisil. Die Frage ist: Sind die Spieler unabhängige Unternehmer? Oder Angestellte der ATP-Tour? Jedenfalls ist ihr Lebensunterhalt von der ATP und den Grand Slams abhängig. Um solche Fragen zu ­beantworten, kommen schnell Anwälte ins Spiel.

70 bis 100 Unterschriften

Pospisil geht davon aus, dass im Tennis nur gerade 14 Prozent des Umsatzes an die Spieler fliessen. Nicht einmal ein Drittel dessen, was in anderen grossen Sportarten wie eben in der NHL ausgeschüttet wird. Das würde er gern ändern. Die Frage ist, mit welcher Vorgehensweise. Gemäss dem Kanadier hätten 2012 fast alle Spieler das Australian Open boykottieren wollen, um eine höhere Umsatzbeteiligung zu erwirken. Eine Ausnahme sei ein sehr profilierter Spieler gewesen. Er meint Federer. Der möchte zwar auch bessere Bedingungen für die Spieler, aber er unterhält auch gute Beziehungen zu Tennis Australia, das an seinem Laver-Cup beteiligt ist.

Aktuell kursiert unter den Spielern eine von Pospisil lancierte Petition, gemäss der von den Grand Slams und den ATP-Turnieren eine Profitbeteiligung für die Spieler gefordert wird. Pospisil soll schon zwischen 70 und 100 Unterschriften gesammelt haben. «Auch grosse Namen haben unterschrieben», sagte er am Dienstag. Die Grand Slams verschliessen sich aber vorerst einem Dialog.

In Flushing Meadows wird nicht nur auf den Courts gekämpft, sondern auch daneben.

Erstellt: 29.08.2019, 10:34 Uhr

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