«Es ist unmöglich, Roger zu ersetzen»

Doppelspezialist Eric Butorac ist Präsident des ATP-Spielerrats und damit Nachfolger Roger Federers. Der Amerikaner erzählt, wie er sich in der Wahl durchgesetzt hat und was er bewirken will.

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Nachdem Roger Federer angekündigt hatte, das Amt als Präsident des zehnköpfigen ATP-Spielerrats niederzulegen, erklärten Stan Wawrinka und der Franzose Gilles Simon öffentlich, ihn beerben zu wollen. Gewählt wurde dann am US Open Eric Butorac. Eric wer? Butorac ist 33-jährig, verheiratet, Doppelspezialist und in dieser Sparte die Nummer 19 der Welt. In der geheimen Wahl vereinigte er mehr Stimmen auf sich als Wawrinka und Simon. «Ich habe viel Erfahrung, als Doppelspieler verstehe ich auch die Bedürfnisse und Probleme der schlechter rangierten Profis. Zudem habe ich als Vizepräsident zwei Jahre lang eng mit Roger zusammengearbeitet», zählt er im Gespräch die Hauptpunkte auf, die für ihn gesprochen haben.

Die Stimme der Arbeiter

Butorac ist bewusst, dass er in riesige Fussstapfen getreten ist. «Es ist unmöglich, Roger zu ersetzen. Ob du die Nummer 1000 oder die Nummer 1 bist – niemand kommt ihm bezüglich Image oder Repräsentierung unseres Sports auch nur nahe. Deshalb habe ich einen anderen Ansatz: Ich gebe mein Bestes, ohne ihn kopieren zu wollen. Ich bin mehr die Stimme der Arbeiterschicht unter den Tennisprofis.» Butorac will für seine Berufskollegen stets ein offenes Ohr haben. So könne er etwas tun, was Federer wegen seiner vielen Verpflichtungen nicht möglich gewesen sei: «Ich nehme mein Telefon jedes Mal ab. Spieler, die in der Weltrangliste nicht zu den Top 50 gehören, würden Roger kaum anrufen. Bei mir getrauen sie sich.» Der Aufwand, den Butorac betreibt, ist enorm. Pro Saison finden fünf, sechs offizielle Sitzungen des Spielerrats und einige Meetings in kleineren Gruppen statt, dazu kommen informelle Treffen, Abendessen, Diskussionen per E-Mail. «Durch den Aufstieg zum Präsidenten hat sich die Verantwortung verzehnfacht», sagt er.

Lob für den Vorgänger

Besteht nicht die Gefahr, dass seine Leistungen durch das grosse Engagement leiden? Er denke nicht, sagt er. Es tue ihm gut, zwischen Trainings und Matches den Verstand zu benutzen. «Klar, ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen. Doch was ich als Präsident des ATP-Spielerrats mache, ist viel bedeutender als mein eigenes Tennis.» Butorac ist über Vorgänger Federer des Lobes voll. «So grossartig er in der Öffentlichkeit rüberkommt, in der Realität ist Roger noch viel besser. Er hat sich stets intensiv um die Zukunft des Tennis gekümmert. Es ist ihm ein echtes Anliegen, dass der Sport nach seinem Rücktritt besser dasteht.» Dass an den Grand-Slam-Turnieren mehr Preisgeld nach einem faireren Schlüssel verteilt wird, bezeichnet Butorac als wichtigste Errungenschaft der Federer-Ära im Spielerrat. «Erstmals haben die Vertreter der Grand-Slam-Turniere überhaupt mit uns über das Preisgeld geredet. Roger hat uns Gehör verschafft.» Und schon bald sind die Verhandlungen mit den Turnierdirektoren der Masters-1000-Events abgeschlossen. Auch sie sollen den Hauptdarstellern ein grösseres Stück des Einnahmekuchens abgeben.

Bilder von den Nebenplätzen

Für ein anderes Anliegen setzt sich Eric Butorac derzeit intensiv ein. Er strebt an, dass künftig von allen Partien – auch von jenen, die auf Nebenplätzen stattfinden – Aufnahmen gemacht und verbreitet werden, zumindest als Livestreams im Internet. «Das wäre für unser Produkt sehr nützlich. Nehmen wir Jarkko Nieminen als Beispiel. Vielleicht zehn seiner Partien werden pro Jahr im TV gezeigt – wenn er gegen Federer, Nadal oder Djokovic antritt. Obwohl er viele Spiele gewinnt, sehen ihn die finnischen Zuschauer fast nur verlieren.» Sollte Butorac Probleme haben, die Anliegen der Profis durchzusetzen, kann er weiterhin auf Federers Unterstützung zählen. Die beiden stehen nach wie vor in Kontakt. «Roger will trotz Rücktritt noch informiert sein. Und er sagte mir, wenn ich Hilfe benötige, sei er da.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.11.2014, 09:59 Uhr

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