Federer bekommt Hilfe

Stan Wawrinka brachte die Schweiz in Lille mit einer Glanzleistung gegen Tsonga in Führung. Federer unterlag Monfils klar – scheint aber nun wieder bereit für Grosses. Nach dem ersten Tag steht es 1:1.

Der Davis-Cup konnte den angeschlagenen Roger Federer am ersten Finaltag noch nicht beflügeln. Fotos: Keystone

Der Davis-Cup konnte den angeschlagenen Roger Federer am ersten Finaltag noch nicht beflügeln. Fotos: Keystone

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Es war noch nicht einmal 19 Uhr, als das Programm des ersten Tages in Lille bereits beendet war. Nur 4:10 Stunden hatten die zwei Einzel gedauert und unerwartet klare Resultate gebracht. Zuerst dominierte Stan Wawrinka mit Jo-Wilfried Tsonga (ATP 12) Frankreichs bestklassierten Spieler in 2:24 Stunden und kam – auch nach eigenen Worten – zu seinem besten Sieg im Davis-Cup. Danach erlitt ein verhalten spielender ­Roger ­Federer gegen einen entfesselten Gaël Monfils (19) in nur 1:46 Stunden seine erste Dreisatzniederlage im Davis-Cup.

«Ich war schrecklich nervös vor der Partie und hatte schlecht geschlafen», sagte Wawrinka nach dem 6:1, 3:6, 6:3, 6:2. «Durch Federers Rückenverletzung war der Druck auf mich noch grösser geworden.» Dazu sei er auf einen Gegner getroffen, der sich «wie ein Kranker» wochenlang vorbereitet hatte.

«Aber ich bin nicht umsonst die Nummer 4 der Welt», hatte der Lausanner im Sieger­interview auf dem Court vor den 27'432 Zuschauern gesagt – der grössten Masse, die je einen offiziellen Tennismatch verfolgt hat. Tsonga anerkannte neidlos, dass der inzwischen viel erfahrenere Schweizer besser gewesen war. Der offensiv ­aus­gerichtete Wawrinka wurde nur einmal gebreakt, zum 1:3 im 2. Satz. «Ich hatte gedacht, dass ich mehr Schwierigkeiten haben würde, weil ich so wenig Zeit zur Umstellung hatte», sagte er.

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Federer erlitt darauf eine Niederlage mit Seltenheitswert: Nie zuvor hatte er im Davis-Cup so klar verloren, er hatte in den zehn Jahren seit dem Halbfinalspiel gegen Lleyton Hewitt in Melbourne ohne­hin nur eine Partie als Verlierer ­beendet, 2012 in Freiburg gegen den Amerikaner John Isner (USA). Dass er ausgerechnet im grössten Auftritt seine bitterste Niederlage erlitt, hatte zwar viel mit dem Gegner zu tun. Doch rasch wurde offensichtlich, dass die Folgen der in London gegen Wawrinka erlittenen Rückenverletzung noch zu gross waren.

Im Unterschied zu normalen Turnieren, wo er sich gegen schlechter klassierte Gegner an die Bedingungen gewöhnen kann, traf er allerdings auf einen hervorragend vorbereitet und beseelt spielenden Weltklassemann. «Das war eine der drei besten Partien meiner Karriere», sagte Monfils (ATP 19) und scherzte, eine davon sei ­gewesen, als er erstmals seinen Vater besiegt habe. Im Verlauf der Partie war zu erkennen, wie Federer sich steigerte und sich spätestens im 3. Satz befreite von der Angst, sein Rücken könnte sich wieder bemerkbar machen. «Wie ein Geist» habe ihn diese zu Beginn verfolgt, sagte er.

Federer/Wawrinka im Doppel?

So paradox es tönen mag: Selbst nach dieser resultatmässig brutalen Niederlage zog Federer ein positives Fazit. «Wir ­haben zwei Sachen erreicht: Wawrinka zeigte einen Supermatch, und meinem Rücken geht es besser.» So zeichnete sich denn am Abend etwas ab, mit dem niemand mehr gerechnet hatte: Dass zum Doppel Wawrinka und er antreten werden.

Die Olympiasieger von 2008 ­haben zwar ihre letzten vier Einsätze im Davis-Cup verloren. Aber sie dürften die beste Option sein, zumal sie sich schon an die Atmosphäre in dieser riesigen Arena gewöhnt sind. Das gemeldete Duo Chiudinelli/Lammer kann bis eine Stunde vor Spielbeginn aus­gewechselt werden. Bei den Franzosen werden Gasquet/Tsonga erwartet.

Auch für den Sonntag sind Änderungen möglich, und nach Tsongas Leistung würde es nicht überraschen, wenn er durch Richard Gasquet ersetzt würde.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.11.2014, 01:01 Uhr

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