Federer bis 40? «Undenkbar ist es nicht»

In 79 Minuten stürmt der Schweizer in den Viertelfinal. Nach dem Expresssieg spricht Federer darüber, wie sehr er es geniesst, schmerzfrei zu sein – und was das bei ihm auslöst.

Blitz-Sieg: Federer hat nach 79 Minuten bereits Feierabend. (Quelle: SRF)

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Wer in New York schnell unterwegs sein will, nimmt am besten die Expresszüge, die nur an wenigen Stationen halten. Nachdem er in seinen ersten beiden US-Open-Matches eher gemächlich unterwegs gewesen war, jeweils den ersten Satz abgegeben hatte, stieg auch Roger Federer auf den Expresszug um: Gegen Daniel Evans (ATP 58) gab er in 80 Minuten nur fünf Games ab, gegen David Goffin (15) stürmte er zu einem 6:2, 6:2, 6:0 in 79 Minuten. Im Finish hatte man das Gefühl, dass sich der Belgier danach sehnte, dass es bald vorbei sei.

Ob er verletzt gewesen sei, wollte später ein französischer Journalist wissen. «Nicht, dass ich wüsste», sagte Goffin. Im Gegenteil, er habe sich im Training exzellent gefühlt. Und in Cincinnati hatte er sich kürzlich ja bis in den Final gespielt. Doch von Federer wurde er zum Statisten degradiert. «Bei ihm geht alles so schnell, er lässt dich nicht spielen. Du fühlst dich schlecht gegen ihn, so verschlägst du plötzlich einfache Bälle.» Zudem sei es auch nicht einfach, vor 20 000 Zuschauern zu spielen, die alle hoffen würden, dass der andere gewinnt. «Dann wird ­jeder Ball plötzlich zehnmal schwieriger als sonst.»

Der nächste alte Bekannte

Weiter geht es für Federer am Dienstag gegen einen weiteren alten Bekannten: gegen Grigor Dimitrov (ATP 78). Nachdem der Bulgare in den letzten Monaten dreimal gegen Stan Wawrinka verloren hatte, zeigt er in New York endlich wieder ein gutes Turnier. Federer hat gegen den 28-Jährigen, der ähnlich spielt wie er, alle sieben Duelle gewonnen, dabei nur zwei Sätze ab­gegeben. Er steigt als grosser ­Favorit in die Partie.

Es wird Federers 56. Grand-Slam-Viertelfinal sein, was ein weiterer Rekord ist, der seine Langlebigkeit unterstreicht. Es darf angenommen werden, dass er die nächste Saison noch voll durchspielt. Aber ist es denkbar, dass er auch mit 40 noch auf der Tour ist? So wie einst der unverwüstliche Jimmy Connors? «Undenkbar ist es nicht», sagt er. «Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht für möglich gehalten. Aber sobald es dir wieder gut geht, denkst du, du kannst ewig spielen.»

Seit er in Montreal 2017 im Endspiel gegen Alexander Zverev plötzlich wieder den Rücken gespürt habe, habe er keinen grösseren Rückschlag mehr gehabt. «Ich hatte immer mal wieder kleinere Dinge, aber nichts, das meine Karriere bedrohte. Und wenn du dich so fühlst, bekommst du auch wieder mehr Vertrauen in deinen Körper.»

Autofahren als Problem

Es habe Zeiten gegeben, da habe er nicht ohne Sorgen für eine längere Zeit ins Auto sitzen können. «Für eine längere Autofahrt musste ich den Sitz schräger stellen, damit ich nicht über eine Stunde in der 90-Grad-Position war und danach eine halbe Stunde stretchen und Übungen machen musste, um überhaupt wieder normal laufen zu können.»

Er betrachte es als Privileg, wenn er sich über längere Zeit gut fühle. «Dann kannst du auch weiter vorausplanen. Du bist nicht am Werweissen: Bin ich dann fit oder nicht?» Nach Wimbledon machte sich Federer auch erstmals ernsthaft darüber Gedanken, ob er 2020 an den Olympischen Spielen in Tokio dabeisein möchte. «Nach Rio hörte ich, die Leute seien da nicht so richtig hinter den Spielen gestanden. Das gab mir zu denken. Aber ich glaube, in Tokio wird es wieder besser sein.»

Olympiaentscheidung vertagt

Die Entscheidung wegen Olympia hat er einstweilen vertagt, sein ganzer Fokus gilt dem US Open. Und da hat er sich in Form gespielt. Er sei nicht gross beunruhigt gewesen nach den ersten zwei Matches, weil er gewusst habe, dass alles okay sei – auch körperlich. «Und wenn das so ist, kann ich auch befreiter aufspielen, mich auf die Taktik konzentrieren. Und den freien Tag geniessen.» Wie am Montag.

Erstellt: 01.09.2019, 20:06 Uhr

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