Federer fegt Murray weg

Federer war schon vor dem 3. Match am ATP-Finale für die Halbfinals qualifiziert – und dominierte Murray 6:0, 6:1.

Zuschauen, wie der Gegner rennt: Roger Federer war Andy Murray in allen Belangen überlegen. Foto: EQ Images

Zuschauen, wie der Gegner rennt: Roger Federer war Andy Murray in allen Belangen überlegen. Foto: EQ Images

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Nach den ersten vier Spieltagen mit lauter Zweisatzsiegen kam am Donnerstag Bewegung ins Saisonfinale. Es begann damit, dass Milos Raonic wegen ­eines Muskelanrisses im Oberschenkel den Platz in seinem dritten Gruppenspiel freigab. Darauf war David Ferrer, der erste Ersatz­spieler, prompt für den ersten Dreisätzer der Woche besorgt. Der Spanier nahm Kei Nishikori gleich den ersten Satz ab – was für Roger Federer, der am Abend spielte, bereits gleich­bedeutend war mit der Qualifikation für die Halb­finals von morgen. Für diese zeichnet sich ein Duell zwischen ihm und Stan Wawrinka ab, während Nishikori auf Novak Djokovic treffen dürfte.

Für den Baselbieter ging es im letzten Round-Robin-Match gegen Andy Murray vor ­allem noch um die Frage, ob er als Gruppensieger oder Zweiter in die Halbfinals geht. Sie war zum Leid­wesen ­vieler Zuschauer, deren Sympathien etwa gleichmässig verteilt waren, nach nur 24 Minuten beantwortet: Völlig entfesselt gewann er den Startsatz 6:0. ­Murray, der einen Zweisatzsieg benötigt hätte, war damit ausgeschieden. Obwohl der Baselbieter insgesamt nur 39 Prozent der ersten Bälle ins Feld brachte, dominierte er auch den zweiten Satz nach Belieben. Die Partie wurde zu ­einer ­Demonstration seiner Vielseitigkeit, seines Ballgefühls, seiner Frische und Inspiration. «Weil ich schon qualifiziert war, spielte ich wohl etwas entspannter als sonst», sagte er.

Erste Führung seit neun Jahren

Wenigstens ersparte Federer der ATP-Nummer 6 die Schmach eines 6:0, 6:0, indem er das zweitletzte Game noch abgab, wobei er dieses nicht mit letzter Konsequenz zu spielen schien. Er könne sich nicht an eine ähnlich klare Niederlage erinnern, sagte der Schotte später, ziemlich gefasst. «Es war hart. Aber körperlich hatte ich keinerlei Probleme.»

Federer erreichte damit nach nur 56 Minuten und als neunter Profi die Marke von 250 Siegen an Hallen­turnieren. Mit seinem 12. Vorstoss in die Halbfinals egalisierte er zudem den Rekord Ivan Lendls an diesem Saison­finale. Nur einmal ist der sechsfache Champion nicht über die Gruppenphase hinaus­gekommen, im Jahr seiner Drüsen­fieber­erkrankung (2008).

Nach dem 33. Duell mit Murray führt Federer in dieser Rivalität nun auch erstmals seit neun Jahren wieder. Er hatte die erste Begegnung 2005 zwar ge­wonnen, war dann aber zurückgefallen. Es hiess 2:6, später 5:8 und 9:11. Nach dem vierten Sieg in der O2-Arena – dem mit Abstand klarsten – führt er nun 12:11.

Nishikori benötigte die Hilfe Federers für den Vorstoss unter die letzten vier: Bei einer Zweisatzniederlage des Schweizers wäre der Japaner ausgeschieden. Gegen Ferrer hatte er dieses Jahr schon die drei vorangegangenen Duelle gewonnen, alle ebenfalls in drei Sätzen. Mit dem jüngsten Sieg ­ver­besserte der erste Asiate an diesem Final­turnier seine Saisonbilanz in entscheidenden Durchgängen auf 21:2. Auf ­diesen hervorragenden Wert ange­sprochen, sagte Nishikori, dass er dies vor allem seiner mentalen Stärke zu verdanken habe. «Ich bemühe mich einfach, voll da zu sein, die Konzentration hochzuhalten.» Natürlich müsse man auch körperlich fit sein, «aber wichtiger ist das Mentale».

Raonic im Pech

Raonic, der nach zwei Einsätzen noch sieglos dastand, hatte sich erst kurz vor der Partie zum Rückzug entschlossen. Es sei im ersten Satz gegen Murray geschehen, erklärte er zu seiner Verletzung. «Die Ärzte fanden heraus, dass ich einen kleinen Riss im Oberschenkel habe, der eine etwa fünf auf drei Zentimeter grosse Fläche mit Schwellungen und Blutungen ergab», so der Kanadier. «Zuerst hatte es sich wie ein Krampf angefühlt, doch ich merkte bald, dass es ­etwas anderes sein musste.» Seine Enttäuschung sei gross, aber es wäre ein Hochseilakt gewesen, wenn er trotzdem gespielt hätte, gab er zu. «Im schlimmsten Fall hätte ich eine Pause von sechs bis acht Wochen riskiert.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2014, 00:03 Uhr

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