«Federer muss die Initiative an sich reissen, variabel spielen»

Der TV-Experte Heinz Günthardt glaubt an die Chance des Schweizers im Halbfinal von Roland Garros: Federer kann Djokovic schlagen, wenn er richtig spielt.

Die Angriffstaktik als Schlüssel zum Erfolg: Roger Federer im Viertelfinalspiel gegen den Franzosen Gaël Monfils.

Die Angriffstaktik als Schlüssel zum Erfolg: Roger Federer im Viertelfinalspiel gegen den Franzosen Gaël Monfils. Bild: Keystone

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Heinz Günthardt, was für ein Spiel erwarten Sie zwischen Roger Federer und Novak Djokovic?
Federer wird versuchen, die Ballwechsel ähnlich kurz zu halten wie gegen die anderen in diesem Turnier. Wie gegen Monfils wird er die Bälle sehr früh nehmen und auf kurze Bälle ans Netz vorrücken. Djokovic hingegen wird probieren, genau das zu verhindern. Sein Ziel wird es sein, Federer immer wieder in längere Duelle zu verwickeln.

Was ist das Rezept für Federer? Die Offensive suchen, variieren?
Natürlich. Es gibt zwischen diesen beiden keine grossen Geheimnisse mehr. Früher servierte Federer um einiges besser. Doch Djokovic hat in dieser Beziehung gewaltig aufgeholt, und das ist ein Grund, wieso er in den letzten Monaten so stark gespielt hat. Die Taktik ist eigentlich klar. Federer muss die Initiative an sich reissen, variabel spielen, auch mal einen zweiten Aufschlag angreifen. Er darf sich nicht zurückdrängen lassen. Wenn die beiden wie zwei Maschinen von hinten spielen, hat Djokovic die besseren Waffen. Aber wenn es ein Match wird, in dem die Ballwechsel nicht allzu lange dauern, hat Federer gute Chancen.

Könnte es für ihn ein Vorteil sein, dass die Partie auf Sand stattfindet? Dass er da mehr Zeit hat, sein Spiel aufzuziehen?
Eigentlich nicht. Denn es ist schwieriger auf Sand, den Ball früh zu nehmen als auf Hartplatz. Aber es ist auch so, dass Djokovic gerne das Tempo des Gegners mitnimmt. Und das ist einfacher auf schnellen Belägen. Deshalb waren seine Resultate auf diesen Unterlagen auch lange besser als auf Sand.

Welche Lehren kann Federer aus dem verlorenen Halbfinal in Melbourne ziehen?
Im Duell zuvor am Masters in London, das Federer gewonnen hatte, war es ihm gelungen, von Beginn weg die Ballwechsel zu diktieren. So bekam Djokovic keinen Rhythmus. In Melbourne schaffte er das nicht. Auch, weil Djokovic eine bessere Länge in seinen Bällen hatte und stärker aufschlug. Ich bin gespannt auf die Verhältnisse. Der Wind könnte wieder eine Rolle spielen, es könnte entscheidend sein, wer mit ihm besser zurechtkommt.

Sehen Sie einen psychologischen Vorteil für Djokovic?
Ganz sicher ist er der Favorit. Das ist ein Novum, wenn er an einem Grand-Slam-Turnier gegen Federer spielt. Es wird interessant zu beobachten sein, wie er mit dieser Rolle umgeht.

Was muss im Kopf eines Spielers vorgehen, der 43-mal in Serie gewonnen hat?
Ganz sicher geht man die Spiele entspannter an, weil man davon ausgehen darf, dass man gut spielen wird. Wenn man sich aufs eigene Spiel verlassen kann, macht man sich ein paar Gedanken weniger. Und das führt dazu, dass man frischer im Kopf ist. Doch frisch sollte Djokovic ohnehin sein nach vier Tagen Pause.

Was macht er so gut? Eigentlich hat sein Spiel ja nichts Spektakuläres?
Was die Schläge betrifft, ist er nicht so spektakulär. Aber seine Athletik ist spektakulär. Im Moment bewegt sich wahrscheinlich keiner besser als er.

Auch Rafael Nadal nicht?
Es ist nicht der gleiche Laufstil. Nadal wirkt zeitweise schneller, dafür ist Djokovic beweglicher.

Djokovic ist die designierteNummer 1. Wie sehen Sie die Spitze in absehbarer Zukunft?
Klar ist: Die Top 4 sind die Besten, egal auf welchem Belag. Das wurde in Roland Garros bestätigt. Drei dieser vier sind noch sehr jung, dazu kommt Federer, der die ältere Generation vertritt. Aber so, wie er sich hier in Paris bewegt, ist er sicher auch noch in den nächsten zwei Jahren in dieser Spitzengruppe dabei.

Erstellt: 03.06.2011, 15:23 Uhr

Der ehemaliger Schweizer Tennisspieler gewann insgesamt fünf Einzelturniere und 22 Doppelturniere. Nach seiner aktiven Karriere wurde Günthardt Tennistrainer und betreute Steffi Graf bis zum Ende ihrer Laufbahn. Günthardt kommentiert für die Fernsehsender SF und Eurosport Tennisspiele. (Bild: Keystone )

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