Federer vs. Murray: Wie war das damals?

Sie spielen heute in Zürich den Match for Africa. Ihre Rivalität lebt von grossen Partien – da kommt auch einmal ein «Hör verdammt noch mal auf» über die Lippen.

Wie die Zeit vergeht: Andy Murray (18) und Roger Federer (24) bei der Siegerehrung 2005 in Bangkok.

Wie die Zeit vergeht: Andy Murray (18) und Roger Federer (24) bei der Siegerehrung 2005 in Bangkok.

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Erinnern Sie sich an das Jahr 2005? Als es noch keine Smartphones gab. Als der amerikanische Präsident noch George und die Bundesräte Samuel und Christoph hiessen. Als Roger Federer mit 24 bereits sechsfacher Grand-Slam-Sieger war. In diesem Jahr stand er auch im Endspiel von Bangkok. Dort traf er auf einen 18-jährigen Schotten, den die Kommentatoren «Andrew» Murray nannten. Es war das erste Duell zwischen den beiden, 24 sollten noch folgen.

Heute Abend, 12 Jahre später, treffen der Baselbieter und die aktuelle Weltnummer 1 wieder aufeinander. Ein grosses Ereignis, will man behaupten. Und doch stellt man sich die Frage: Ist diese Partie wirklich so grossartig? Der Match im Hallenstadion ist ja «nur» eine Exhibition im Rahmen der Stiftung des Schweizers. Und die Freundschaft zwischen den beiden wurde noch nie richtig zelebriert. Die Beziehung zwischen Murray und Novak Djokovic ist um einiges bekannter (der Schotte war sogar Trauzeuge des Serben an dessen Hochzeit).

Die Rivalität zwischen Federer und Murray hat auch nicht den Legendenstatus wie die zwischen Federer und Nadal. Dennoch: Der Schweizer und der Schotte begegneten sich (fast) immer mit Respekt – und werden mit ihrer Rivalität ebenfalls in die Annalen des Tennis eingehen.

«Wir werden in Zukunft noch viel von dir sehen»

«Es war mir eine Ehre», sagte Andy Murray nach dem ersten Spiel am Netz Roger Federer ins Ohr. Gerade hatte der 18-jährige Schotte seinen ersten ATP-Final verloren. «Es war ziemlich beängstigend, gegen einen Typ wie Roger zu spielen, gegen den Besten aller Zeiten», sagte er nach der 3:6-, 5:7-Niederlage 2005 in Bangkok. «Ich habe allerdings auch viel Selbstvertrauen bekommen.»

Die Premiere: Vor 12 Jahren spielten Federer und Murray erstmals gegeneinander. Video: Youtube.

Murrays Talent war Federer bereits damals bewusst: «Andy wird ein sehr guter Spieler, für ihn war das bereits eine grosse Erfahrung. Er macht es für mich ziemlich schwer.» Die Aussage bewahrheitete sich bereits beim nächsten Aufeinandertreffen – Murray gewann es, 2006 in Cincinnati. «Das habe ich nicht einmal selbst erwartet», sagte der Schotte nach seinem Coup, «es ist schon etwas speziell.» Federer blieb nüchtern: «Die Jungen spielen an einzelnen Tagen wirklich stark, aber können sie das auch die ganze Woche hindurch?»

Wie es schien, konnte Murray seine starken Leistungen nicht nur in einzelnen Partien, sondern auch an ganzen Turnieren abrufen. Am US Open 2o08 standen beide im Endspiel – diesmal aber mit dem besseren Ende für Federer. «Wir werden in Zukunft noch viel von dir sehen», versprach der Baselbieter dem jungen Schotten nach seinem fünften US-Open-Triumph.

«Ich kann heulen wie Roger»

Wieder bekam die damalige Weltnumer 2 recht. Denn vier Duelle später war Andy Murray plötzlich der Angstgegner des Schweizers, hatte er doch alle vier Begegnungen gewonnen. Es kam auch erstmals Kritik von Federer auf. Murray spiele einen zu passiven Stil und warte nur auf Fehler des Gegners, so könne er es nicht weit schaffen. In den Aussagen steckte wohl auch die Enttäuschung des Baselbieters.

2010 drehte sich der Spiess, als Federer Murray am Australian Open erneut in einem Grand-Slam-Final bezwang. «Ich kann heulen wie Roger, es ist eine Schande dass ich nicht wie er spielen kann», sagte Murray bei der Siegerehrung unter Tränen. Der Champion versicherte dem Schotten weiterhin, dass seine Zeit kommen werde.

Die emotionale Rede von Murray nach der Niederlage im Wimbledon-Final. Video: Youtube.

Tränen flossen auch 2012 im Final von Wimbledon. Wieder war Murray kurz davor, der erste britische Grand-Slam-Sieger nach Fred Perry vor 76 Jahren zu sein. Wieder stand ihm Federer vor der Sonne. «Ich komme dem Triumph näher», sagte der desillusionierte Schotte beim Interview. «Roger war für seine 30 immer noch zu gut.» Doch es war ein Drehmoment in Murrays Karriere. Einen Monat später kam es zur Revanche. Murray demontierte Federer im Olympiafinal von London in drei Sätzen, einen Monat danach triumphierte er in New York.

«Hör verdammt noch mal auf»

Die Spiele wurden nun nochmals intensiver. Hitzig war vor allem der Australian-Open-Halbfinal 2013, der den einzigen Ausraster in der Rivalität zwischen Federer und Murray symbolisiert. «Hör verdammt noch mal auf», schrie der Schweizer in Englisch sichtlich genervt übers Netz, als Murray ihn passierte. Der Schotte lächelte provokativ zurück – und gewann die Partie. Nach dem Spiel sagte Federer: «Das war nichts Wildes. Wir haben uns nur abgecheckt.»

Australian Open 2013: Die wohl hitzigste Partie ihrer Rivalität. Video: Youtube.

2014 gelang in Australien die Revanche. Damals diskussionswürdig war ein Moment, als Federer den Ball nur knapp erreichte und dabei einen Winner schlug. «Roger wollte, dass das Video von der Szene nicht gezeigt wird, weil es zu kontrovers war, doch wenn ich ausraste, werden diese Videos schnell verbreitet», lamentierte der Schotte.

Weniger umstritten, aber nicht minder denkwürdig war Federers Sieg ein Jahr später im Wimbledon-Halbfinal. Das letzte Duell zwischen den beiden liegt bereits eineinhalb Jahre zurück (Cincinnati 2015), im Head-to-Head liegt Federer 14 zu 11 vorne.

Ihr bisher letztes Aufeinandertreffen an einem Grand-Slam-Turnier: Wimbledon 2015. Video: Youtube.

Das Spiel im Hallenstadion wird zwar nicht zum Head-to-Head dazugezählt, dennoch könnte der Show-Match ein Spektakel für die Tennisfans werden. Auch wenn Federers und Murrays Rivalität nicht von Wortgefechten, sondern von Respekt geprägt wird – ihre Spiele haben immer eine eigene Dynamik. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.04.2017, 11:22 Uhr

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