Für Hingis schliesst sich der Kreis

Mit fast 37 Jahren gewinnt die Schweizerin ihre Grand-Slam-Titel 24 und 25. Ob sie weitermacht, lässt sie offen.

Auf Anhieb harmoniert: Latisha Chan (links) und Martina Hingis feierten in New York ihre gemeinsame Grand-Slam-Premiere. Foto: Elsa (Getty)

Auf Anhieb harmoniert: Latisha Chan (links) und Martina Hingis feierten in New York ihre gemeinsame Grand-Slam-Premiere. Foto: Elsa (Getty)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als die Siegerehrung des Frauendoppels vorbei war, ergriff Martina Hingis nochmals das Mikrofon. Man musste befürchten, nachdem sie zuletzt Fragen nach der Zukunft stets offen beantwortet hatte, sie richte eine Abschiedsbotschaft ans Publikum. Aber sie wollte sich einfach noch bei Latisha Chan und ihrem Team bedanken, darunter ihrem Partner Harald Leemann. Der Sportarzt, den sie am Fed-Cup in Luzern im April 2016 kennen gelernt hat und der auch Tennis spielt, begleitet sie seitdem an die grossen Events.

Nach dem Silber mit Timea Bacsins­zky in Rio 2016 war dieses New Yorker ­Wochenende für Hingis ein weiteres sportliches Highlight: am Samstag der ­Titel im Mixed mit Jamie Murray, gestern der im Doppel. Mit den Grand-Slam-­Siegen 24 und 25 hat sie Steffi Graf (23) hinter sich gelassen – die Deutsche triumphierte 22-mal im Einzel und einmal im Doppel. Bei Hingis gesellen sich zu ihren 5 Major-Titeln im Einzel 13 im Doppel und 7 im Mixed. 15-jährig war sie, als sie mit Helena Sukova erstmals in Wimbledon triumphierte. Ihr Einzelsieg am US Open jährte sich nun zum 20. Mal. Inzwischen 36, hat sie immer noch eine exzellente Reaktion am Netz und beim Return. Und die Übersicht besitzt sie sowieso.

Makellose Bilanz mit Murray

In ihrer dritten Karriere als Doppelspezialistin ist aber auch ein gutes Gespür bei der Wahl ihrer Tennispartner gefragt. Und da lag sie nun zweimal richtig. Mit ­Jamie Murray hat sie alle zehn ­Matchs und in Wimbledon und New York gewonnen, mit Latisha Chan feierte sie schon sechs Titel plus jetzt die Grand-Slam-­Premiere. Das Duo eilte in Flushing Meadows zum Triumph, gab keinen Satz ab. Auch der Final gegen die Tschechinnen Lucie Hra­dec­­ka und Katerina Siniakova war eine Demonstration. Beim 6:3, 6:2 lief im zweiten Satz auch Chan zu Hochform auf, zeigte spektakuläre Volleys.

Hingis war auf die Taiwanerin aufmerksam geworden, als sie am Australian Open mit den Chan-Schwestern trainierte. Latisha war auf ihrer Seite, und sie harmonierten auf Anhieb. Die 28-Jährige hat, ähnlich wie Sania Mirza, kraftvolle Grundschläge und eine Präferenz für die Vorhandseite. Das Problem war, dass Chan mit ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Angel spielte. Doch als Hingis anfragte, kamen die Chans überein, dass dies eine einmalige Gelegenheit sei.

Es sei allein schon ein Traum gewesen, mit Hingis zu spielen, der sie früher am Fernseher zugeschaut habe, sagte Latisha Chan. «Unser Sieg in New York macht es noch schöner.» Sie hatten ­zuvor bereits in Indian Wells, Miami, ­Madrid, Rom, Eastbourne und Cincinnati gewonnen und sich als Erste fürs WTA-Masters in Singapur qualifiziert.

«Sie ist einfach ein Champion»

Mixed wird nur an den Grand Slams, an Olympia und am Hopman-Cup gespielt. Ob man Hingis und Murray nochmals zusammen sieht, ist also offen. Der Schotte lobte sie in den höchsten ­Tönen: «Sie ist einfach ein Champion. Das sieht man ­daran, wie sie unter Druck spielt. Und sie hat ein ganz feines Händchen und die Gabe, fast immer den ­richtigen Schlag zu wählen.»

Eigentlich Komplimente genug, um Hingis wenigstens dazu zu bringen, sich nochmals gut zu überlegen, ob sie 2018 wirklich nicht weiterspielen möchte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2017, 23:06 Uhr

Artikel zum Thema

«Lieber die Nummer 1 als das US Open»

Roger Federer bietet sich die Chance, nach fünf Jahren wieder die Nummer 1 zu werden. Nun spricht er darüber, wie viel ihm das bedeuten würde. Mehr...

Stephens im Eiltempo zum US-Open-Titel

Sloane Stephens setzt sich im rein US-amerikanischen Final des US Open gegen Madison Keys mit 6:3, 6:0 durch. Für ihren Sieg braucht sie knapp eine Stunde. Mehr...

Nadals riesiges Problem

Auf dem Papier ist Rafael Nadal eigentlich schon US-Open-Sieger 2017. Doch da ist auch noch Kevin Anderson, der sich in der Form seines Lebens befindet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Das «Ende der Nation» ist nah

Die Macht des Staates schwindet. Erfolgreiche Unternehmer definieren heute ihre eigenen Regeln. Was können wir von ihnen lernen?

Kommentare

Blogs

Geldblog Solar-Aktien sind hoch spekulativ
Beruf + Berufung Warum die besten Jobs nie ausgeschrieben sind

Paid Post

DSLR-Kamera gewinnen

Halten Sie besondere Momente mit einer Spiegelreflexkamera von Canon für immer fest.

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...