Goldenes Teamwork

Die Gründe, weshalb sich Roger Federer und Stan Wawrinka den Traum von der Davis-Cup-Trophäe erfüllen konnten.

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Stan Wawrinka hatte einen Wunsch, als für ihn nach dem US Open 2013 noch die undankbare Aufgabe anstand, die Schweiz im Davis-Cup-Abstiegsspiel gegen Ecuador in der Weltgruppe zu halten. Nein, er wollte nicht, dass ihm dies Roger Federer abnahm. Sondern, dass dieser zu ihm sagen würde: Gewinn diese Begegnung, und nächstes Jahr bin ich voll dabei. Sein Wunsch ging in Erfüllung.

Über Jahre war der Romand mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust in die entlegensten Winkel der Erde gereist, auch wenn er müde und angeschlagen war. In diesem Jahr nun stellte sich auch Federer ganz in den Dienst dieses Wettbewerbs, der eigentlich ein Anachronismus ist im modernen Profizirkus, wo jeder nur für sich schaut und seine Entourage um sich schart. Doch gerade deshalb, weil er jeweils für eine Woche aus Einzelsportlern Teamkollegen macht, ist der Davis-Cup so reizvoll.

Federer und Wawrinka, die so unterschiedlichen Ausnahmesportler, lebten das im Verlauf dieses Jahres. Diese Trophäe ist deshalb so schwer zu gewinnen, weil sich der Davis-Cup übers ganze Jahr erstreckt, durch individuelle Höhen und Tiefen hindurch. Nur wer da zusammensteht, kommt schadlos durch.

Als Wawrinka im April im Viertelfinal gegen Kasachstan vor eigenem Publikum so nervös war, dass er kaum mehr einen Ball traf und die Schweizer 1:2 in Rückstand gerieten, stand ihm Federer bei, redete ihm am Samstag spät lange zu, baute ihn wieder auf. Und so kriegte der Romand die Kurve gerade noch. In Lille war es genau umgekehrt. Federer reiste mit Rückenschmerzen an, war demoralisiert. Doch seine Teamkollegen und insbesondere Wawrinka waren in diesen schwierigen Tagen für ihn da.

Die erste Partie zum Aufwärmen

Der Waadtländer wusste, wie es um Federer bestellt war, dass dieser seine erste Partie zum Aufwärmen brauchen würde, also er seinen Auftaktmatch gegen Jo-Wilfried Tsonga gewinnen müsste. Wawrinka tat es überzeugend und riss Federer im Doppel mit. Und der war nun am Sonntag wieder so weit genesen und eingespielt, dass er gegen Richard Gasquet sein gewohntes Rendement erreichte.

Vor dem Davis-Cup-Final war viel von den angeblichen Dissonanzen zwischen den beiden Schweizer Topspielern die Rede gewesen nach einem Zwischenruf in London von Federers Frau Mirka, in Lille wussten dies die beiden sofort zur Seite zu schieben. Federer und Wawrinka, das war im Verlauf dieses Jahres ein goldenes Teamwork. Ein Teamwork über den Röschtigraben hinaus. Und was dieser Erfolg auch mit sich bringt: Sie, die Einzelsportler, dürfen für einmal erleben, wie sich eine gemeinsame Meisterfeier anfühlt.

Der lange, lange Weg zum helvetischen Tennis-Wunder: Lesen Sie im Multimedia-Special, was den heutigen Triumph beim Davis-Cup-Final erst möglich machte.

Erstellt: 23.11.2014, 16:07 Uhr

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