Grandioser Wawrinka demontiert Murray

Der Romand Stanislas Wawrinka stürzt Andy Murray nicht nur vom Thron des US Open, er deklassiert ihn 6:4, 6:3, 6:2.

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New York ist auch bekannt für seinen Broadway, wo täglich unzählige Shows aufgeführt werden. Doch die spektakulärste Vorstellung wurde gestern nicht in Manhattan geboten, sondern im Stadtteil Queens, oder genauer: im Arthur Ashe Stadium. Stanislas Wawrinka schlug Titelverteidiger Andy Murray in seinem Viertelfinal nicht nur, er deklassierte ihn. Die über 22'000 Zuschauer rieben sich an diesem sonnigen Nachmittag die Augen, so einseitig war diese Partie. Der Aussenseiter bestimmte die Ballwechsel vom ersten Punkt an mit seiner Wucht, liess den Wimbledon-Champion gar nie ins Spiel kommen.

Nach dem ersten Satz zerschmetterte Murray sein Racket, danach wirkte er je länger, desto verzweifelter. Und Wawrinka gelang es, sein hohes Niveau über mehr als zwei Stunden zu halten – bis das 6:4, 6:3, 6:2 feststand. «Es war ein verrückter Match für mich», sagte der Romand danach im Platzinterview. «Vor dem letzten Game schossen mir tausend Dinge durch den Kopf. Und ich rang ­darum, weiter konzentriert zu bleiben.» Es gelang ihm. Nach einem 0:30 gewann er die letzten vier Punkte.

Der erste Satz als Schlüssel

Der erste Durchgang sei der Schlüssel gewesen, analysierte der Sieger. «Es war sehr windig, die Bedingungen waren nicht einfach. Diesen ersten Satz zu gewinnen, half sehr.» So, wie er das angekündigt hatte, spielte Wawrinka von ­Beginn weg aggressiv, setzte er Murray unter Druck. Dieser hielt anfänglich noch gut dagegen, musste bei 4:5 dann aber die ersten Breakbälle abwehren. Fünf ­parierte er in einem Marathongame, das über 15 Minuten dauerte, beim sechsten beging der Schotte den Fehler.

Seine Körpersprache dürfte seinem Coach Ivan Lendl, der die Partie wie gewohnt mit stoischer Miene verfolgte, danach nicht gefallen haben. Die Weltnummer 3 liess die Schultern hängen und schüttelte immer wieder den Kopf, wenn Wawrinka ein schöner Punkt gelungen war. Im zweiten Satz schaffte dieser das Break zum 4:2, im dritten zum 2:1 und 5:2. Und gegen einen der besten Returnspieler liess Wawrinka selbst ­keinen einzigen Breakball zu.

Am Samstag gegen Djokovic

Nächster Gegner des Lausanners ist Novak Djokovic. Der Serbe setzte sich gegen Russen Michail Juschni 6:3, 6:2, 3:6, 6:0 durch und erreichte damit seinen 14. aufeinanderfolgenden Grand-Slam-Halbfinal. Auch aufgrund der Direktbegegnungen ist die Weltnummer 1 gegen Wawrinka favorisiert, es steht 12:2 und Djokovic hat die letzten 11 Partien gewonnen. Allerdings hatte er in der letzten Partie am Australian Open viel Glück auf seiner Seite und siegte erst nach 5:02 Stunden mit 12:10 im fünften Satz. Wawrinka spricht heute häufig davon, dass diese Partie ihn dennoch substanziell weiterbrachte.

Die Partie zwischen Wawrinka, den die Schweizer Fans schon kommenden Freitag in Neuenburg im Davis-Cup-Einsatz sehen können, und Djokovic findet am Samstag statt. Den zweiten Halbfinal bestreiten Rafael Nadal und Richard Gasquet.

Das US Open markiert damit einen neuen Höhepunkt in der Karriere des Romands, der in den vergangenen zwei Jahren auf hohem Niveau zu stagnieren schien. Aber vielleicht täuschte auch der Eindruck. Er ist kein Mann für markante Leistungssprünge, sondern ein harter Arbeiter, der sich langsam, aber sicher verbessert. Und der immer wieder ­etwas Zeit braucht, um seine Fortschritte zu bestätigen. So brauchte er sechs ­Anläufe, bis er an einem Grand-Slam-Turnier erstmals einen Achtelfinal gewann – in Flushing Meadows 2010 gegen Sam Querrey. Gegen Murray reüssierte er nun in seinem vierten Major-Viertel­final. Sein beeindruckender Weg zeigt: Auch kleine Schritte führen ans Ziel.

Erstellt: 05.09.2013, 19:38 Uhr

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