Heimturnier brüskiert Federer

Swiss-Indoors-Chef Roger Brennwald zieht mit Infront Ringier einen Sportvermarkter bei. Der lokale Weltstar und sein Management wurden ausgebootet.

Sieht keinen Grund, mit den Swiss Indoors oder ihrem neuen Partner einen Vertrag einzugehen: Roger Federer.

Sieht keinen Grund, mit den Swiss Indoors oder ihrem neuen Partner einen Vertrag einzugehen: Roger Federer. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So tönt eine Absage. Als ­Roger Federer, der heute im Final (14.30/SRF 2) gegen den Belgier David Goffin den sechsten Titel in Basel anstrebt, am späten Freitagabend gefragt wurde, ob er bereit wäre, mit sich über einen neuen Vertrag mit den Swiss Indoors ­reden zu ­lassen, atmete er erst tief durch, überlegte, und sagte: ­«Gespräche gibt es nicht mehr ­viele von meiner Seite. Ich habe keinen Grund, Gespräche zu suchen. Es ist, wie es ist.»

Nur Stunden zuvor hatte der 68-jährige Turnierchef Roger Brennwald über den Abschluss ­einer langfristigen Partnerschaft mit Infront Ringier informiert. Die führende Schweizer Sportmarketing-Agentur soll in die «konzeptionelle Ausrichtung» einbezogen werden, und, vor allem, einen neuen Titelsponsor oder andere ­finanzkräftige Partner finden. Am liebsten einen, wie es 17 Jahre lang Davidoff war. Seit die Firma 2010 aussteigen musste, weil sie in der Tabakbranche aktiv ist, hat sich die finanzielle Situation des teuersten jährlich stattfindenden Schweizer Sportanlasses, der mit einem Budget von noch 18 Millionen operiert, negativ entwickelt.

Als Federer, es war fast Mitternacht, auf den Zuzug von Infront Ringier angesprochen wurde, legte seine Reaktion nahe, dass diese Entwicklung für ihn neu war. ­Gebeten, sie zu kommentieren, sagte er: «Das ist ihre Entscheidung, und ich hoffe, es bringt etwas. Das muss sich noch zeigen. Das Wichtigste ist, dass das Turnier Erfolg hat und die Zuschauerzahlen hoch bleiben. Das ist für mich das Wichtigste und der Grund, warum ich hier spiele.» Diesen Satz hörte man von ihm oft: Er spiele in Basel, wo er sich vom Turnier unfair behandelt fühlt, nur noch wegen der Fans.

Suche nach Partnern

Am Nachmittag hatte Marc Walder, CEO des Medienunternehmens Ringier und wie Verwaltungsratspräsident Michael Ringier an diesem Tag in der Halle, noch betont, wie wichtig auf der Suche nach Partnern ein gutes Einvernehmen mit Federer sei. Und dass er, ein früherer Tennisprofi, selber das Gespräch mit dem 17-fachen Grand-Slam-Sieger suchen werde. Walder verheimlichte auch nicht, dass Ringier gern noch stärker in die Swiss Indoors involviert wäre. Und selbst Brennwald gab zu, dass es nachteilig sei, Federer zwar im Turnier, aber ihn nicht mehr als Vertragspartner zu haben, um ihn für PR-Aktivitäten, Auftritte bei Sponsoren etc. einsetzen zu können.

Federers Reaktion machte ­wenig später aber klar, dass er am jetzigen vertragslosen Zustand nichts mehr zu ändern gedenkt, obwohl selbst vorstellbar ist, dass der 33-Jährige noch mehrere Jahre am für ihn wichtigsten ATP-500-Turnier spielen wird. Sie ­widerlegte aber auch, was die Swiss Indoors in einer Medienkonferenz am 25. April verkündet hatten: dass mit Federer alles wieder in Ordnung sei und man sich gefunden habe, über die Details aber nicht informieren könne. Kurz vor dem Turnier kam ja heraus: Falsch, ­Federer ist wie 2013 auch jetzt ohne Vertrag, Verpflichtungen und Antrittsgage am Start. Er habe das Wort Vertrag im Frühling nie in den Mund genommen, rechtfertigte sich Brennwald nun. Das stimmt: Er hatte es nur umschrieben.

Federer, einst Ballboy an diesem Turnier und in Gehdistanz zur Halle aufgewachsen, hatte im Sommer 2010 sogar sein Interesse bekundet, die Swiss Indoors einmal zu übernehmen, falls sie Brennwald denn einst verkaufen sollte – zu dessen Verdruss, wie sich rasch zeigte. Inzwischen hat er mit seinem Manager und Partner Tony Godsick eine eigene Agentur gegründet, Team 8, die unter anderem Grigor Dimitrov und Juan Martin del Potro vertritt und auch in anderen Sportarten aktiv werden wird. Federer hätte mit seiner Zugkraft und seinem Portefeuille an global ausgerichteten Sponsoren den Swiss Indoors neue Perspektiven eröffnet, sind Branchenkenner überzeugt. Diese Türe dürfte nun endgültig zugeschlagen sein nach dem Zuzug von Infront Ringier, der auch einer Zurückweisung von Team 8 gleichkommt.

Die Swiss Indoors sind Brennwalds Show

Brennwald empfand das Interesse des Duos Federer/Godsick nie als Chance, in der Tenniswelt einmalige Synergien zu maximieren – wo sonst spielt der Weltstar zu Hause an einem Weltklasse­turnier? –, sondern vielmehr als Bedrohung für sein Lebenswerk, als Versuch einer unfreundlichen Übernahme. Die Swiss Indoors sind seine Show. Der Selfmade-Promoter hatte sich früher lange als Prophet empfunden, der im eigenen Land nichts gilt. Inzwischen fliegen ihm die Laudatien und Ehrungen aber nur so zu. Auf zwei über 200 Quadratmeter grossen Plakaten auf dem Vorverkaufsturm wird ihm diese Woche für 40 Jahre Treue zur St. Jakobshalle gedankt – auch wenn die Indoors erst zum 39. Mal hier stattfinden, da sie nach der Premiere 1975 noch einmal in Reinach ausgetragen wurden.

Er sei zwar einst wohl der ­Erfinder des Sport-Sponsorings ­gewesen, sagte Brennwald am Freitag auch, gab aber zu, dass er und sein Team in diesem Bereich inzwischen überfordert seien. Doch er lässt weiterhin keine Absichten erkennen, bald in die zweite Reihe zurücktreten zu wollen. «Wir behalten die Zügel selber in der Hand», sagte er mehrfach, um den begrenzten Einflussbereich des neuen Partners zu betonen. ­Vorerst steht die Sanierung der St.-Jakobs-halle an, die über 100 Millionen Franken kosten und über drei Jahre dauern soll. Und schon jetzt bezeichnet er das Turnier 2020, wenn das 50-Jahr-Jubiläum ansteht, als nächstes grosses Ziel.

In einem ­Interview in der «Basler Zeitung» sagte Brennwald aber gestern einen bemerkenswerten Satz: «Es gibt keine Garantie, dass Basel ewig ein ATP-Turnier vom jetzigen Kaliber behalten wird.» Auf Infront Ringier dürfte keine einfache Aufgabe zukommen. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 26.10.2014, 07:49 Uhr

Artikel zum Thema

Federer schafft den Finaleinzug

Der Baselbieter erreicht zum elften Mal den Final der Swiss Indoors: Er bezwang Ivo Karlovic 7:6 (10:8), 3:6, 6:3. Gegen den Belgier David Goffin strebt er nun den sechsten Titel an. Mehr...

Roger Federer bei den Swiss Indoors wieder im Final

Tennis Roger Federer erreicht zum neunten Mal in Folge und zum insgesamt elften Mal den Final der Swiss Indoors. Dort strebt er am Sonntag gegen den Belgier David Goffin den sechsten Titel an. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Michèle & Friends Endlich Pause

Sweet Home 10 sommerliche Kochtricks

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...