Hingis lächelt und verliert

Beim zweiten Comeback hagelt es für Martina Hingis Niederlagen. Vorerst will die frühere Nummer 1 der Tenniswelt trotzdem weitermachen

Beliebt, aber zurzeit wenig erfolgreich: Martina Hingis.

Beliebt, aber zurzeit wenig erfolgreich: Martina Hingis. Bild: Keystone

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Zu behaupten, Martina Hingis sei bei ihrer Rückkehr auf die Profitour freundlich empfangen worden, wäre untertrieben. Überall, wo sie in den vergangenen Wochen im Doppel an der Seite von Daniela Hantuchova auftrat, füllte sie die Tribünen. Und am US Open ist Court 17, der gut 3000 Zuschauer fasst, eigentlich zu klein für sie, deren Glanz früherer Tage immer noch strahlt. Alle Sitze sind besetzt, draussen bilden sich Warteschlangen, als sie an diesem Freitag nach 17 Uhr als Erste entschlossenen Schrittes in die Arena tritt und vom Stadionmoderator marktschreierisch angepriesen wird.

Es ist ein eher älteres Publikum, das sich hier eingefunden hat. Viele dürften sich noch erinnern, wie die «Swiss Miss» mit ihrem Spielwitz verzückte und lächelte, derweil sie ihre Gegnerinnen auf dem falschen Fuss erwischte. Das Lächeln hat sie immer noch, der Sport, der sie weltbekannt und zur Millionärin machte, macht ihr immer noch Spass. Das ist ihr anzusehen. Und als sie und die lange, dürre Hantuchova gegen die Italienerinnen Vinci/Errani, das beste Frauendoppel, im zweiten Satz besser ins Spiel kommen, braust tosender Applaus durch die Arena. Hingis hält gut mit in den Grundlinienduellen mit Sara Errani, der Weltnummer 5 im Einzel, platziert ihre Volleys geschickt. «Weiter so, Martina!», tönt es von den Rängen.

Tagelang gewartet, nach ein paar Stunden ist alles vorbei

Doch es geht nicht weiter so. Hingis gibt bei 4:3 ihren Aufschlag ab, und als sie bei 5:6 gegen den Matchverlust servieren muss, wird sie von ihrer Nervosität überwältigt. Ein Doppelfehler bei 15:15. Einer bei 30:30. Sie atmet tief durch und konzentriert sich, doch der Ball segelt zwei weitere Male ins Netz. Viel Zeit, ihre Enttäuschung zu verarbeiten, hat sie nicht. Eine gute Stunde später geht es weiter mit dem Mixed mit dem Inder Mahesh Bhupathi, mit dem sie bei ihrem ersten Comeback das Australian Open 2006 gewann. Diesmal setzt es ein 6:7, 6:7 gegen Lindstedt/Chan ab. Wegen des Regens hatte sie tagelang warten müssen, nach ein paar Stunden ist alles vorbei.

«Manchmal hat sie gewirkt wie der Champion alter Tage», schreibt der Reporter der Nachrichtenagentur AP. «Manchmal wie ein alter Champion.» Das trifft es ziemlich gut. Ihr Spielverständnis und ihre Paradeschläge sind immer noch da - vor allem mit dem Volley und der Rückhand überzeugte sie -, doch ihr Aufschlag ist ein grosses Handicap. Mehr noch als früher. Und ihr fehlt noch etwas die Matchpraxis auf Profiniveau und die Abstimmung mit Hantuchova. «Es wäre schön, wenn wir einmal richtig in ein Turnier reinkommen könnten», bedauert sie. «Wir sind nahe dran.» In fünf Starts haben sie nur drei Spiele gewonnen, weitergehen soll es vorerst Mitte September in Tokio und Peking.

Auf die Frage, wie es mit dem Einzel aussehe, verdreht Hingis nur ihre Augen und sagt: «Lasst mich damit in Ruhe! Dann müsste ich ja wieder viel mehr machen, vier Stunden pro Tag trainieren wie die anderen.» Das will sie nicht, und das erlaubt ihr wohl auch ihr Körper nicht.

«Sie hatten mich noch viel schlechter erwartet? Danke»

In der internationalen Pressekonferenz gibt sie schnippische Antworten. Zur Bemerkung eines Journalisten, ihr Niveau sei ziemlich hoch gewesen, sagt sie: «Sie hatten mich noch viel schlechter erwartet? Danke, ich habe einen grossen Fan hier.» Hingis spielt auch mit 32 noch gerne und gut Tennis. Und ans Verlieren mag sie sich auch noch nicht gewöhnen.

Erstellt: 01.09.2013, 04:50 Uhr

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