Hoffnung trotz Debakel

Stan Wawrinka unterlag Novak Djokovic am Saisonfinale in London 3:6, 0:6. Seine Halbfinalchancen sind aber weiterhin intakt.

Halbfinal noch möglich: Gewinnt Wawrinka gegen Cilic ist er unter den letzten vier.

Halbfinal noch möglich: Gewinnt Wawrinka gegen Cilic ist er unter den letzten vier. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Hoffnung der Zuschauer, in der 02-Arena endlich in den Genuss eines packenden Gruppenspiels zu kommen, zerschlugen sich auch am Mittwochabend rasch. Alle sieben Partien zuvor waren in zwei Sätzen entschieden worden, und auch Stan Wawrinka schien nur kurz in der Lage, Novak Djokovic zumindest zu bedrängen. Der Waadtländer ging nach zwei umstrittenen Games 2:0 in Führung. Doch was kam, war ernüchternd, kurz und schmerzlos.

Wawrinka sollte nur noch ein Game gewinnen, nach 65 Minuten stand ein 3:6, 0:6 auf dem Skoreboard. Djokovic hatte dabei doppelt so viele Punkte gewonnen (62:31) und ihm gleich fünfmal den Aufschlag abgenommen, dreimal ohne Punktverlust. Im zweiten Satz, der nur 25 Minuten dauerte, gewann die Nummer 4 der Welt noch ganze sieben Punkte.

Gegen Cilic klar favorisiert

Der Lausanner hat aber trotzdem immer noch gute Chancen, wie vor einem Jahr die Halbfinals zu erreichen. Er trifft im dritten Gruppenspiel morgen auf Marin Cilic, der gegen Tomas Berdych gestern nur vier Games gewann, nachdem er Djokovic schon 1:6, 1:6 unterlegen war. Gegen den US-Open-Sieger führt Wawrinka 7:2 und hat die einzigen Duelle seit drei Jahren 2014 in Monte Carlo und Cincinnati relativ klar gewonnen. Falls Djokovic auch Berdych schlägt, wovon ausgegangen werden kann, könnte sich Wawrinka sogar eine knappe Niederlage leisten, dank seines 6:1, 6:1 über Berdych.

Djokovic ist zwar theoretisch noch nicht sicher unter den letzten vier, doch der letzte Schritt wird für ihn nur noch Formsache sein. Klar ist auch, dass er nun höchstens noch einen Sieg benötigt, um sich die erste Weltranglistenposition für das Jahresende zu sichern.

Der Serbe zeigte auf dem Weg zum 29. Sieg in Serie an einem Hallenturnier, was ihn so stark macht: Reflexe, schnellen Beine und, vor allem, seine Returnstärke. Wawrinka kam nur zu wenigen Servicepunkten, und als Folge davon begann er früh zu forcieren – bis sein Spiel komplett zerfiel.

Nach der 2:0-Führung brach er in einer Art ein, wie man es selten gesehen hat: Er gewann nur einen der nächsten 17 Ballwechsel, wurde zweimal in Folge ohne Punktgewinn gebreakt und verlor den ersten Satz in 40 Minuten. Zur Ernüchterung der Fans ging es in diesem Takt weiter, Wawrinka verlor weiter Game um Game. Seine erst zweite Niederlage der Saison gegen einen Top-10-Spieler (bei sieben Siegen) nahm die Form eines Debakels an.

Dennoch ist auch in der Gruppe A nach zwei Spieltagen immer noch nichts entschieden. Berdych, der gegen den Lausanner in seinem ersten Match selber chancenlos gewesen war, wahrte sich eine Halbfinalchance mit dem klaren Erfolg über den schwachen Cilic und sagte danach diplomatisch: «Mit einer solchen Leistung hätte er das US Open nie gewonnen.»

Federers Aufschlag-Theorie

Roger Federer, der Cilic am US Open überraschend im Halbfinal selber in drei Sätzen unterlegen war, hatte eine mögliche Erklärung für die Flut klarer Ergebnisse: Die Spielbedingungen seien in London so langsam, dass Servicespezialisten wie Cilic oder Raonic (und auch Wawrinka, wie sich nun zeigte) viel einfacher zu breaken seien als anderswo. «An diesem Turnier hatten die grossen Aufschläger meist etwas Mühe. Die Kickaufschläge springen eben nicht so hoch ab.» Servicebälle, die über Schulterhöhe retourniert werden müssten, seien viel schwieriger als Bälle, die weiter unten zurückgespielt werden könnten. Im Frauentennis, wo der Aufschlag viel weniger ins Gewicht fällt als bei den Männern, sind denn klare Resultate auch regelmässig viel häufiger.

Dies ist allerdings ein schwacher Trost für die Zuschauer, die an diesem Turnier für jeden einzelnen Match neue Tickets kaufen müssen. Wenigstens bekommen sie dafür stets auch noch ein Doppel zu sehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2014, 23:04 Uhr

Artikel zum Thema

Auch als Veteran siegt es sich spielend

Novak Djokovic, der heute Abend auf Wawrinka trifft, ist durch seine Vaterschaft näher an Federer gerückt. Mehr...

Roger Federer ist in London auf Halbfinalkurs

Federer hat sein zweites Spiel beim ATP-Finale gegen Kei Nishikori mit 6:3, 6:2 gewonnen. Weil Andy Murray gegen Milos Raonic in zwei Sätzen siegte, ist der Schweizer aber noch nicht für die Halbfinals qualifiziert. Mehr...

Berdych schlägt US-Open-Sieger Cilic

Tennis Tomas Berdych kommt an den ATP-Finals in London beim 6:3, 6:1 gegen Marin Cilic zu seinem ersten Sieg. Gewinnt Stan Wawrinka am Abend gegen Novak Djokovic, wäre der Romand vorzeitig in den Halbfinals. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Blogs

Geldblog So streng ist der PK-Vorbezug limitiert

Outdoor Bremst du noch oder stehst du schon?

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Eingewickelt in Bananenblätter: Ein «Schlammmensch» nimmt auf den Philippinen am Taong Putik Festival teil. (24. Juni 2019)
(Bild: Ezra Acayan) Mehr...