Hoffnungsträger aus dem hohen Norden

Der 19-jährige Henri Laaksonen wurde in Finnland geboren, wohnt aber in Biel – und spielt für die Schweiz.

Will sich in der Schweiz durchsetzen: Der 19-jährige Henri Laaksonen.

Will sich in der Schweiz durchsetzen: Der 19-jährige Henri Laaksonen. Bild: Keystone

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Er spricht weder Französisch noch Italienisch und auch nur einige Brocken Deutsch. Und dennoch ist er wohl die grösste Schweizer Tennishoffnung für die Zeit nach Roger Federer und Stanislas Wawrinka. Henri Laaksonen ist 19-jährig, geboren im südfinnischen Lohja. In der Kleinstadt wuchs er auf, ging zur Schule und drosch jahrelang auf den gelben Filzball. Doch seit drei Jahren weilt er in der Schweiz – und spielt nun unter rot-weisser Flagge.

Laaksonens Mutter ist Finnin, sein Vater, ein gewisser Sandro Della Piana, ist Schweizer. Der heute 43-Jährige versuchte sich einst selbst als Profispieler, war die Nummer 325 der Welt. Als er 1991 in Finnland ein Turnier spielte, lernte er Laaksonens Mutter kennen. Die Wege trennten sich indes rasch wieder. Laaksonen sagt, sein Vater habe ihn mehrmals besucht; mittlerweile treffen sie sich oft in Schaffhausen, wo Della Piana eine Tennisschule führt. «Wir verstehen uns gut, ab und zu gibt er mir Tipps», erklärt der Doppelbürger. Zum Verhältnis seiner Eltern hingegen mag er sich nicht äussern.

Basis in Biel

Derzeit weilt Henri Laaksonen in Australien. In Down Under bestreitet er Challenger-Turniere. Bis Ende Jahr will die Weltnummer 648 unter die besten 300 vorrücken, um 2013 die Qualifikationen der Grand-Slam-Events bestreiten zu können. Die Basis dafür legt er in Biel, wo er wohnt und im nationalen Leistungszentrum trainiert. Vom Verband wurde er ins A-Kader selektioniert. Die hiesigen Rahmenbedingungen seien besser als jene in seiner Heimat, meint Laaksonen, welcher vor seinem Wechsel nach Biel auch Akademien in Deutschland und Frankreich besichtigt hatte. «In Finnland gibt es weniger geeignete Trainingspartner, weniger gute Coaches und weniger Turniere. In der Schweiz dagegen stimmt alles.»

Nationaltrainer Roland Burtscher erwähnt, Laaksonen habe in den letzten zwei Monaten einen entscheidenden Schritt vorwärts getätigt. «Ich will ihn nicht zu früh loben, aber Henri hat nun realisiert, dass er mehr drauf hat als andere.» Ähnlich sieht es Davis-Cup-Spieler Marco Chiudinelli: «Noch im vergangenen April war ich skeptisch gewesen, was sein Niveau betrifft. Zuletzt hat er mich im Training aber erstmals überzeugt, er hat sich enorm verbessert.»

Fünf Sätze im Davis-Cup

Laaksonen seinerseits erklärt, er sei mental reifer geworden. Er habe gelernt, mit dem Druck umzugehen. «Mir ist bewusst, dass viele in mir den Hoffnungsträger sehen.» Mit seinen Erfolgen als Junior sorgte er für Aufsehen: 2008 gewann er den U-16-Europameister-Titel, 2009 erreichte er am French Open den Halbfinal.

Im Seeland fühlt sich Laaksonen wohl; er mag die Stadt, geht aber selten aus. Er sagt, sein Leben spiele sich hauptsächlich im Tenniszentrum ab. Heimweh hat er fast nie, mit der helvetischen Kultur hat er sich rasch arrangiert. «Hier ist es wärmer als in Finnland, und man braucht nicht so oft Schneeketten», erzählt er mit einem Schmunzeln. «Ich fühle mich mittlerweile als echter Schweizer.»

In Zukunft will er für die Schweiz Turniere gewinnen und bald dem Davis-Cup-Team angehören. Dies wird der Reglemente wegen frühestens im kommenden Jahr möglich sein. Im Mannschaftswettbewerb hat Laaksonen nämlich bereits gespielt – für Finnland. Beim Debüt 2009 gegen Tenniszwerg Monaco gewann er sein Einzel in fünf Sätzen. «Von den finnischen Fans wurde ich gefeiert. Das hat Lust auf mehr gemacht.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2012, 08:41 Uhr

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