«Ich bin Frau für zwei Tage»

Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt erklärt nach dem 3:2-Sieg über Deutschland, wieso er sich die Fingernägel rot lackiert.

Heinz Günthardt beglückwünscht Belinda Bencic zu ihrem zweiten Sieg. Interessantes Detail: sein kleiner Fingernagel.

Heinz Günthardt beglückwünscht Belinda Bencic zu ihrem zweiten Sieg. Interessantes Detail: sein kleiner Fingernagel. Bild: Jens Meyer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was wird Ihnen bleiben von diesem Fed-Cup-Wochenende in Leipzig?
Ein solches Wochenende ist immer sehr intensiv. Es gibt so viele verschiedene Eindrücke. Ganz sicher bleibt mir, wie Belinda Bencic in ihrem zweiten Einzel auftrat gegen Angelique Kerber. Wie sie es fertigbrachte, den Match so zu drehen, damit genau so gespielt wurde, wie sie es gern hat. Was aber auch absolut beeindruckend war: Wie Martina Hingis nach den ersten 20 Minuten Doppel gespielt hat. Wie sie zeigte, wie Doppel aussehen sollte.

Wie empfinden Sie Ihren Captainjob? Ist er anstrengend?
Physisch ganz sicher nicht. Psychisch schon. Denn ich versuche, ein möglichst gutes Umfeld zu gestalten. Man ist immer darum besorgt, dass alles funktioniert, die Stimmung gut ist, dass nicht unnötig Energie verpufft wird.

Wie dosieren Sie sich während eines Spiels?
Gar nicht. Ich bin noch fit genug, um ein Spiel durchzustehen, ohne einzuschlafen. (lacht)

Zum Glück! Aber die Frage zielt mehr darauf: Wie viele Informationen geben Sie einer Spielerin während der Seitenwechsel?
Wenn man 100 Dinge sagt, geht das Wichtige unter. Die Kunst ist es, dass man all die Dinge, die einem im Kopf herumschwirren, auf eine klare Botschaft reduziert. Wenn man spielt, ist das instinktiv. Da bleibt maximal ein Gedanke hängen. Es bleibt, wenn ich einer Spielerin sage, nachdem ich alles durchgedacht habe: «Die Gegnerin serviert dem Breakball zur Vorhand.» Ob es dann richtig ist, ist ein anderes Thema.

Wo haben Sie Ihren Jubel bei gewonnenen Punkten gelernt?
Der ist nicht gelernt, der ist instinktiv. Schon 1992, als ich Coach von Steffi Graf war, benahm ich mich nicht gross anders. Damals war ich einfach weiter weg vom Platz.

Die deutsche Teamchefin Barbara Rittner sagte: «Wenn die Schweizer zusammenbleiben, können sie den Fed-Cup gewinnen.» Wie sehen Sie das?
Wir sind ein starkes Team. Wir sind sehr ausgeglichen. Wir haben vier gute Einzel und ein gutes Doppel. Wir sind eine harte Nuss für alle. Wir haben keinen Superstar wie Serena Williams vorneweg. Aber wir sind sehr zäh. Gegen uns muss man wirklich jeden Punkt holen. In Polen spielte Timea fantastisch. Hier war sie noch nicht so in Form, dann sprang halt Belinda in die Bresche. Das macht uns aus.

Nun geht es im Halbfinal gegen Tschechien. Wie sehen Sie diese Begegnung?
Die Tschechinnen haben in den letzten fünf Jahren viermal gewonnen. Das zeigt, wie gut sie sind. Aber auch diese Hürde können wir uns nehmen.

Die tschechische Teamleaderin Petra Kvitova spielt sehr gerne auf schnellen Courts. Wird man also eher eine langsame Unterlage wählen?
Das werden wir uns sicher überlegen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder geht man von seinen Stärken aus. Oder man analysiert die Schwäche des Gegners und richtet die Platzwahl darauf aus. Aber da kann man sich auch vergreifen. Im Davis-Cup vergriffen sich die Schweizer einmal gegen die Amerikaner (2012), als sie in Freiburg Sand wählten. Man muss alle Faktoren analysieren. Auch die Höhe ist einer. Es ist ein grosser Unterschied, ob man auf 200 oder 600 Metern spielt.

Kann mit dem Fed-Cup in der Schweiz eine ähnliche Euphorie entstehen wie beim Davis-Cup?
Ich hoffe es. Ich glaube, dass die Öffentlichkeit mitbekommen hat, dass wir im Halbfinal stehen. Und soviel ich weiss, wird das Schweizer Fernsehen diesen Halbfinal auch übertragen. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass ein Hype entstehen kann, dass es medial breit abgedeckt wird. Und es passt auch wunderbar zu den politischen Diskussionen ums Thema Frau, dass man den Fed-Cup bei uns angemessen würdigt.

Sie liessen sich nach dem Sieg drei Fingernägel rot lackieren. Wie kommt das?
Das ist eine Tradition seit Schweden (im Februar 2015). Seitdem werde ich von unseren Frauen pro Punkt mit einem roten Nagel beglückt. Ich bin Frau für zwei Tage.

Sie lassen die Nägel zwei Tage rot?
Vermutlich nicht. Ich glaube, die Farbe muss weg vor der Heimreise. Es sieht ja wohl schon seltsam aus, wenn ich am Flughafen mit roten Fingernägeln den Zoll passiere. (lacht) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2016, 06:45 Uhr

Artikel zum Thema

Verblüffende Reife einer 18-Jährigen

Kommentar Belinda Bencic bewies in Leipzig erneut, dass sie keine Angst vor grossen Namen hat. Mehr...

Bencic überzeugt – Kerber zu stark für Bacsinszky

In Leipzig spielt das Schweizer Fed-Cup-Team um ein Halbfinal-Ticket. Nach den ersten beiden Einzeln heisst es 1:1. Mehr...

High Noon in der Leipziger Messe

Bencic, Bacsinszky und Hingis fordern im Fed-Cup-Viertelfinal Deutschland mit Melbourne-Siegerin Kerber. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Blogs

Sweet Home Die Mittsommer-Party kann steigen

Mamablog Mutterschaft als Spiel

Die Welt in Bildern

Symbole der Hoffnung: 1'500 Tauben wurden vom englischen Künstler Duke Riley mit LED-Lichtern bestückt und bei Thamesmead in den Nachthimmel befreit. Sie symbolisieren die Brieftauben des Ersten Weltkrieges. (20. Juni 2018)
(Bild: John Stillwell/AP Photo) Mehr...