«Ich möchte die Frauen inspirieren»

Sania Mirza, die neue Doppel-Partnerin von Martina Hingis, über ihre Rolle als Wegbereiterin in Asiens Sport.

Drei Turniersiege zum Start: Neben Hingis (rechts) wurde die 28-jährige Mirza rasch die Nummer 1 im Doppel. Foto: Mic Smith (Keystone)

Drei Turniersiege zum Start: Neben Hingis (rechts) wurde die 28-jährige Mirza rasch die Nummer 1 im Doppel. Foto: Mic Smith (Keystone)

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Viele in Asien betrachten Sie als Ikone des Feminismus, als Vorbild für die Rechte der Frauen. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?
Ich habe immer versucht, für meine Rechte und das, woran ich glaube, einzustehen, auch für die Gleichberechtigung. Ich bin Botschafterin der United ­Nations im südlichen Asien für die Rechte der Frauen. Das ehrt mich. Ich hoffe, dass ich Frauen und Mädchen inspirieren und meinen Teil zur Gleichberechtigung ­beitragen kann.

Wie schwierig ist es, in Indien professionelle Tennisspielerin zu sein?
Als ich vor 22 Jahren begann, war Sport noch keine Option für Frauen. Inzwischen ist das anders, wird auch für Frauen eine Sportkarriere in Betracht gezogen. Ich machte vieles durch in meiner Karriere und meinem Leben, kämpfte dauernd gegen Widerwärtigkeiten – als Frau in einem Sport, der so global ist, in über 200 Ländern betrieben wird. Aber jeder hat sein eigenes Los, ­jeder seine eigene Geschichte.

Sie sind seit Jahren eine der populärsten Sportlerinnen Asiens, allein auf Twitter haben Sie 2,6 Millionen Anhänger. Hat diese Popularität für Sie auch Schattenseiten?
Ich habe die Wahl getroffen, so gut wie möglich zu werden in einer globalen Sportart. Das bringt, wenn man es schafft, Popularität einfach mit sich. Und wenn du von etwas das Gute nimmst, musst du auch das Schlechte akzeptieren. Natürlich gibt es Druck, hast du kein Privatleben, gibt es ­Geschichten. Trotzdem fühle ich mich gesegnet, in meiner Position zu sein. Das ist nur wenigen gegönnt.

Sie gehören als Muslimin in Indien zu einer Minderheit. Hat das Ihnen die Karriere erschwert?
Ja, ich bin Muslimin, aber das ist kein Thema für die Öffentlichkeit. Der Glaube ist für mich etwas sehr Persönliches.

Viele Leute betrachten Sie auch als politische Brückenbauerin, weil Ihr Ehemann aus Pakistan stammt, einem Land, mit dem Indien in jüngerer Vergangenheit grosse Probleme hatte.
Die Story war ganz einfach: Wir verliebten uns und heirateten. Ich heiratete ihn nicht, weil er aus Pakistan stammt. ­Einige dachten, wir würden die politische Lage der beiden Länder verändern, aber darum ging es uns nie . . . (lacht) Wir sind ganz normale Leute.

Inzwischen sind Sie seit fünf Jahren verheiratet, und Ihr Mann ist selber ein Profisportler, im Cricket. Ist es kompliziert, so zu leben?
Eine Ehe kann ohnehin herausfordernd sein, und wenn es sich dabei auch noch um zwei Sportler handelt, die auf ­hohem Niveau aktiv sind und separat um die Welt reisen, wird es noch komplizierter. Aber damit müssen wir klarkommen; die Planung ist nicht einfach, aber sehr wichtig. Gelegentlich können wir uns ­gegenseitig besuchen. Momentan bereitet er sich in Pakistan auf ein Spiel gegen Zimbabwe vor.

Sie haben Ihre Einzelkarriere 2012 bereits als 25-Jährige beendet. Was gab damals den Ausschlag?
Ich hatte innerhalb von vier Jahren drei Operationen, zwei am Knie und eine am Handgelenk. Ich war nicht mehr in der Lage, auf meinem besten Niveau zu spielen, konnte auch nicht richtig trainieren. Ich war zwar noch die Nummer 70, aber ich wusste, dass ich besser sein könnte (ihre Bestmarke war Rang 27). Es war ein harter Entscheid, aus heutiger Sicht ­jedoch der richtige. Das Doppel ist viel einfacher zu verkraften.

Nun haben Sie mit Martina Hingis eine Schweizer Partnerin, und nach nur drei Turnieren mit ihr wurden Sie die Nummer 1 im Doppel, als erste Inderin. Wie viel Anteil geben Sie ihr dafür?
Ich hatte vorher schon gute Jahre. Ich beendete 2014 stark und war die Nummer 5, als wir begannen. Ich hatte eine Aussenseiterchance, die Nummer 1 zu werden, und dachte, Ende Jahr könnten wir vielleicht das beste Doppel sein. Dann gewannen wir zum Auftakt gleich zwei der grössten Turniere (Indian Wells und Miami), was eher selten ist. Wir ­harmonierten sofort. Klar, Martina kennt alles und half mir in den schwierigen Momenten. Es war dann aber nicht leicht, ein Turnier im Wissen zu beginnen: Du musst es gewinnen, um die Nummer 1 zu werden. Wir schafften es in Charleston, trotz harter Partien.

Wie viel stärker können Sie und Hingis noch werden?
Natürlich wollen wir besser werden, deshalb trainieren wir auch jeden Tag, um die Schwächen auszumerzen. Wir können sicher noch solider werden, ­wobei es uns schon ziemlich gut läuft.

Sie haben sich den erklärten Traum der Nummer 1 bereits erfüllt. Was ist das nächste Ziel?
Wir möchten das beste Team sein und Grand Slams gewinnen. Ich hoffe, das gelingt dieses Jahr, und falls nicht, im nächsten, sofern wir dann noch weiterspielen. Und ich versuche, das Jahr als Nummer 1 zu beenden.

Was wissen Sie über die Schweiz?
Ich war nur einmal dort, um das Zürcher Turnier zu spielen. Aber ich war verletzt und verlor sogleich. Natürlich fällt ­einem sofort Schokolade ein, wenn man an die Schweiz denkt. Und Roger Federer. Und Skifahren.

Erstellt: 07.05.2015, 00:27 Uhr

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WTA-Turnier. Achtelfinals: S. Williams (USA/1) s. Asarenka (WRuss) 7:6 (7:5), 3:6, 7:6 (7:1). Scharapowa (Russ/3) s. Garcia (Fr) 6:2, 4:6, 7:5. Wozniacki (Dä/5) s. Radwanska (Pol/9) 6:3, 6:2. Kvitova (Tsch/4) s. Pawljutschenkowa (Russ) 6:1, 6:4. Wozniacki (Dä/5) s. Radwanska (Pol/9) 6:3, 6:2.


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