In Lateinamerika wird Federer als «Seine Majestät» gefeiert

Seine Schautournee zeigt, dass der Schweizer auch abseits der grossen Tenniswelt populärer denn je ist.

Ist die grosse Attraktion: Roger Federer in Lateinamerika.

Ist die grosse Attraktion: Roger Federer in Lateinamerika. Bild: Keystone

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In Chile wurde ihm am Dienstag von 16'000 Zuschauern ein Rockstar-Empfang mit Lichtshow bereitet. In Buenos Aires rührten ihn die «Olé-Olé»-Sprechchöre, eine Videobotschaft von Diego Maradona und die Ovationen der 15'000 im Parque Roca zu ­Tränen. Und wie schon in Chile begrüssten ihn auch in Bogotá, Kolumbien, wo er am frühen Donnerstag landete, die Medien als «Su Majestad», seine Majestät, oder «Mr. perRFection».

Federers zweite Südamerika-Tournee übertrifft an Intensität und Begeisterung sogar noch seine erste aus dem Jahr 2012. Dabei schien das Timing nicht ideal, werden doch Chile und Kolumbien dieser Tage und Wochen von heftigen sozialen Unruhen erschüttert. Den Auftritt in Santiago de Chile gestaltete er denn auch als Kurztrip: Von Buenos Aires aus flogen er und Alexander Zverev nach Chile, wo sie, unter grössten Sicherheitsmassnahmen, nur einige Stunden verweilten und bald nach dem Schaukampf zurück nach Argentinien flogen.

Nostalgie und 10 Millionen

Die ersten Tage in Südamerika wurden für Federer dabei zu einer nostalgischen und emotionalen Angelegenheit. Schon während eines Fernsehinterviews mit dem argentinischen Sender «TyC Sports» wurden ihm etliche Videobotschaften eingespielt, etwa vom früheren FCB-Spieler Delgado, seinem früheren Rivalen David Nalbandian, seinem ersten Gegner auf der ATP-Tour, Lucas Arnold oder von Gabriela Sabatini. Andere Sportstars, wie Riquelme, Batistuta, Crespo, Del Potro oder den früheren chilenischen Spitzenspieler Fernando Gonzalez traf er persönlich.

Dass Federer für seine insgesamt fünf Exhibitions gegen Zverev gemäss der argentinischen Zeitung «La Nacion» mit ungefähr 10 Millionen Dollar fürstlich entschädigt wird, scheint dort kaum jemanden zu stören. «Er ist der beste Botschafter, ein Philanthrop, der den Leuten, die ihn interviewen, Wasser serviert», schrieb die gleiche Zeitung. «Er ist einer der Beatles oder der Rolling Stones, ein Beethoven mit Racket.»

Hilfe bei der Berufswahl: Roger Federer bietet seinen Fans so einiges. Bild: Epa/Keystone

Wie es seine Art ist, relativiert Federer den Personenkult, reagiert darauf mit Dankbarkeit und versucht, den Fans, Medien und Organisatoren möglichst viel zurückzugeben – auch jenem Fan, der ihn bat, doch bitte für ein Foto still zu stehen und dem er darauf gleich mehrere Posen bot. «Ich fühle mich unglaublich willkommen und privilegiert, mit 38 Jahren eine solche Begeisterung auszulösen», sagte er. Er fühle sich geehrt, so erfolgreich zu sein, dass er sogar im Gespräch als einer der grössten Tennisspieler sei. Dieses Attribut könne aber auch einmal Rafael Nadal gehören, fügte er bei.

Tokyo-Gold nicht das grosse Ziel

Auch in Bezug auf 2020 gab sich Federer eher bescheiden. «Das grosse Ziel ist nicht, in Tokio Einzelgold zu gewinnen», hielt er fest. «Das Ziel ist es, die Schweiz zu repräsentieren und irgendeine Medaille zu holen.» Erstmals sprach er konkret von der Möglichkeit, mit Belinda Bencic auch im Mixed anzutreten. 2016 in Rio hatten beide gefehlt, gleich wie Stan Wawrinka.

Die hektischste Phase der Schautournee steht Federer noch bevor. Nachdem der dritte Match gegen Zverev in Bogotá wegen der Massenproteste und der verhängten Ausgangssperre abgesagt wurde, sind die beiden am Samstag in Mexiko-Stadt im Einsatz – in der Stierkampfarena «Plaza de Toros» mit 42'000 Plätzen. Gleich danach geht es zurück nach Quito (Ecuador), wo am Sonntagabend die fünfte und letzte Partie ansteht.


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Erstellt: 23.11.2019, 15:26 Uhr

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