«Jetzt schuldet er Paris etwas»

Die Absage von Roger Federer trifft das French Open. Allerdings nicht ganz unvorbereitet.

Netzangriffe von Roger Federer auf Sand gibt es dieses Jahr gar nicht.

Netzangriffe von Roger Federer auf Sand gibt es dieses Jahr gar nicht. Bild: Keystone

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Das kurze Communiqué war ein Schock für Millionen Tennisfans weltweit. Die Tatsache, dass Roger Federer ab dem 28. Mai beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Paris nicht an den Start gehen wird, brachte am Montagabend die sozialen Medien zum Überlaufen. Enttäuschung überall, Verständnis meistens, so der allgemeine Tenor.

Ein Schock ist die Absage auch für die Organisatoren. Wie sie das überall weltweit wäre. Ein Forfait Federers reduziert die Strahlkraft des Events automatisch, in diesem Stadium seiner Karriere noch viel mehr als früher. Der 35-Jährige ist die Lichtgestalt, niemand sonst generiert ähnlich viel Interesse, dahinter folgt mit Respektabstand Rafael Nadal.

Der Turnierdirektor ist riesiger Federer-Fan

In Paris ist die Enttäuschung auch aus persönlichen Gründen besonders gross. Turnierdirektor Guy Forget ist ein erklärter Fan Federers. Der ehemalige Top-Ten-Spieler und langjährige Doppelpartner von Jakob Hlasek hatte in den letzten Monaten kritischen Stimmen immer wieder entgegnet, er sei von der Teilnahme des Baselbieters überzeugt. Sehr gross war die Überraschung aber allgemein nicht, sagt Julien Reboullet, Tennisexperte bei «L’Equipe», jedenfalls geringer als im Vorjahr: «Damals hat er erst kurz vorher abgesagt, jetzt zwei Wochen vorher und wir konnten das nicht ausschliessen. Natürlich ist es enorm schade, dass Roger nicht dabei ist. Es ist aber ein logischer Entscheid, und dadurch wird die Enttäuschung gemindert.»

Finanziell hält sich der Schaden im Rahmen. Das Turnier wird vor «guichets fermés» ausgetragen, die Nachfrage nach Tickets für die mittlerweile viel zu kleine Anlage im Bois de Boulogne übersteigt das Angebot bei weitem. Auch für die Schwarzmarkthändler ist der Schaden «überschaubar», da ihren Aktivitäten in den letzten Jahren zunehmend der Riegel geschoben wurde.

Die Formkrise vieler Mitfavoriten

Bleibt das sportliche Gewicht. Das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres präsentiert sich so arm an überragenden Figuren wie schon lange nicht mehr. Bei den Frauen war nach der schwangerschaftsbedingten Absage von Serena Williams und der Formkrise von Angelique Kerber, Karolina Pliskova oder Garbine Muguruza damit zu rechnen, bei den Männern ist dies eher ungewohnt.

Nachdem sich Andy Murray, Novak Djokovic und Stan Wawrinka in den letzten Wochen weit von Grand-Slam-Rendement zeigten, fällt nun also auch noch der Spieler weg, der in diesem Jahr als bisher einziger ein dauerhaftes Gegenmittel gegen Rafael Nadal fand. Allerdings wäre Federer ohne Matchpraxis auf Sand kaum ein ernsthafter Herausforderer und Titelkandidat gewesen. Julien Reboullet glaubt, dass das Turnier dennoch attraktiv bleibt: «Die Hauptfrage ist natürlich die, ob Nadal den zehnten Titel holt. Aber Geschichten wird es, wie immer an Grand Slams, viele geben.» Für die Franzosen stellt sich vor allem eine Frage: Gewinnt 34 Jahre nach Yannick Noah an selber Stätte wieder einmal ein Franzose eines der grossen vier Turniere? Die Chancen stehen schlecht.

Seit 2015 nicht mehr in Paris

Paris und Roger Federer, das bleibt derweil keine grosse sportliche Liebesgeschichte, obwohl «Rodgeur» immer wieder glaubhaft versichert, dass es ihm an der Seine gut gefällt. In keiner anderen Tennis-Metropole konnte er vergleichsweise weniger Erfolge feiern. Aus 17 Starts in Roland Garros und 12 beim Indoor-Turnier in Paris-Bercy resultierte nur je ein Sieg. Seit November 2015 ist er nicht mehr in der Stadt angetreten. Die Hoffnung, dass sich dies bald ändert, ist da. «Jetzt schuldet er Paris etwas», sagt Reboullet lachend.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2017, 15:20 Uhr

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