Kyrgios über Djokovic: «Ich ertrage ihn nicht»

Der streitbare Australier rechnet in Rom, wo wegen Regens gestern nicht gespielt wurde, mit der Tennisszene ab.

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Die Publikation des Interviews war gut getimt. Am Tag, an dem in Rom Regen das gesamte Tagesprogramm mit 24 Sechzehntelfinals (inklusive Federer - Sousa und Bencic - Mladenovic) ausfallen liess, veröffentlichte der amerikanische Journalist Ben Rothenberg («New York Times») einen Podcast, in dem Nick Kyrgios 45 Minuten lang schonungslos seine Sicht vertritt.

Am brisantesten sind seine Aussagen über Novak Djokovic. «Er ist krankhaft davon besessen, geliebt zu werden. Er will wie Roger (Federer) sein», so der Australier. «Er will so sehr gemocht werden, dass ich ihn nicht ertrage. Und wie er jubelt, ist so peinlich.» Djokovics Jubelgeste, mit der er mit beiden Armen seine Liebe zum Publikum demonstrieren will, enerviere ihn so sehr, dass er diese vor den Augen des Serben imitieren werde, wenn er ihn das nächste Mal schlage.

Kyrgios hat beide bisherigen Duelle mit der aktuellen Nummer 1 gewonnen, beide 2017. Deshalb hält sich auch sein sportlicher Respekt vor dem Serben in Grenzen: «Er ist nicht der Grösste aller Zeiten, egal, wie viele Grand Slams er gewinnt. Sorry, aber wenn er mich nicht schlagen kann... Und wenn du schaust, wie wenig ich trainiere! Im Vergleich zu ihm ist das nichts.»

Nadals andere Seite

Auch für Rafael Nadal, gegen den er drei von sechs Duellen gewonnen hat, findet der 24-Jährige wenig nette Worte. «Er ist mein Gegenpol. Wenn er gewinnt, ist er immer nett, aber wenn ich ihn schlug, war er immer sehr aggressiv und hat keinen Respekt für mich gezeigt. Und die Leute denken, er muss recht haben, wenn er etwas sagt.» Noch weniger gut ist er auf einen anderen spanischen Linkshänder zu sprechen, Fernando Verdasco. Ihn bezeichnet Kyrgios als «den arrogantesten Kerl aller Zeiten». Ganz anders spricht die Nummer 36 über Andy Murray, der seiner Meinung nach der viel bessere Spieler war als Djokovic. Auch Stan Wawrinka, den er einst in Toronto heftig provoziert hatte, sei okay. Und von Roger Federer schwärmt Kyrgios: «Er ist der Grösste, mit Sicherheit. Sein Talent ist einzigartig. Wie er sich bewegt, wie er sich vorbereitet, wie er das Spiel liest... Und was er auf allen Belägen erreicht hat! Jeder versucht, sein Spiel nach ihm zu modellieren, speziell Tsitsipas.» Dennoch gehe er davon aus, dass Djokovic Federer noch überholen werde in der Zahl der Major-Titel (Federer führt 20:15). Er traut ihm sogar den Grand Slam zu, den Gewinn aller vier grossen Turniere in einem Jahr.

Kyrgios spricht auch deshalb so offen, weil er mit dem Tennis-Circuit wenig anfangen kann. Viele nähmen sich zu wichtig und heuchelten sich Respekt vor, findet er. «Doch es macht keinen Spass, wenn sich alle mögen.» Er selber würde am liebsten anonym in Canberra mit Freunden herumhängen. Er sei zwar talentiert, aber eben nicht gemacht für diese Profitour.

Erstellt: 16.05.2019, 07:52 Uhr

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