Leise Stimme des Erfolgs

Dimitri Zavialoff brachte Stan Wawrina in die Top 10 und Timea Bacsinszky in den Paris-Halbfinal. Er zeige nur Wege auf, sagt er.

Erfolgsduo: Coach Dimitri Zavialoff mit Bacsinszky. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Erfolgsduo: Coach Dimitri Zavialoff mit Bacsinszky. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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«Nein, es ist schon okay hier», sagt Dimitri ­Zavialoff an diesem heissen Tag in ­Wimbledon, als ihm die Sonne auf den Kopf brennt. Ihm, der es sonst vorzieht, im Schatten zu sein. Im Schatten seiner Spieler. Der 39-jährige Elsässer passt mit seiner zurückhaltenden, fast scheuen Art nicht recht in den schrillen Tennis­zirkus – und ist vielleicht gerade deshalb die Stimme des Erfolgs bei ­Timea ­Bacsinszky geworden. Wenn er spricht, hält er sich nicht bei Vorhand oder ­Volley auf. Es sind fast schon philosophische Betrachtungen. «Man muss akzeptieren, dass jeder Tag Neues bringt», sagt er. «Wenn man zu sehr an seinen Vorstel­lungen festhält, schafft man es nicht, das Beste aus ­jedem Tag zu machen.»

Im Frühling 2013 trainierte Zavialoff ein paarmal mit Bacsinszky, ohne feste Absichten. Als sie nach Paris entschied, ihre Karriere nochmals zu lancieren, fragte sie ihn an, ob er sie coache. «Mich interessierte, sie dabei zu unterstützen, ihr Tennis und sich selbst wieder zu entdecken», sagt er. «Zu schauen, wie weit sie kommen könnte.» Sie ist weit gekommen. Von Rang 270 auf 15. Und Zavialoff ist überzeugt, dass ihr Potenzial noch längst nicht ausgereizt ist. «Es gibt noch viele Dinge, an denen wir arbeiten ­können.» In Wimbledon daran, ihr den Reiz des Rasentennis zu vermitteln.

Die Verbindung zu Wawrinka

Seine Aktivkarriere beendete Zavialoff mit 20. «Ich war nicht gut», sagt er. «Ich hatte ein Ranking im Doppel, im Einzel überstand ich nie die Qualifikation an ­einem Future.» Also der dritthöchsten Turnierstufe. «Es war eine gute Entscheidung, nicht mehr der Protagonist zu sein, sondern anderen zu helfen.» Er kam an die Bob-Brett-Akademie in ­Cadro bei Lugano, gab daneben auch dem neun Jahre jüngeren Stan Wawrinka Tennislektionen. Die Familien Zavialoff und Wawrinka hatten sich vor Geburt ­ihrer Kinder gekannt, irgendwann legten die Wawrinkas die sportliche Zukunft von Stanislas in die Hände Dimitris. Die beiden verschoben ihre Trainingsbasis zusehends nach ­Spanien, wo das Wetter und die Turnierdichte günstig waren.

Dann hält Zavialoff ein und sagt bestimmt: «Nicht zu viele Fragen zu Stan, bitte! Ich arbeite nun seit zwei Jahren mit Timea, es läuft gut. Ich habe mehr Lust, über sie zu reden. Stan hat zwei Grand Slams gewonnen. Aber er hat nun andere Leute, die sehr gut sind. Die ­Arbeit, die ich mit ihm gemacht habe, hat ihm geholfen. Es war eine Etappe. Aber das ist schon lange her.» Vor fünf Jahren, nach einem Erstrunden-Aus in Wimbledon, gab Wawrinka in einem Communiqué die Trennung bekannt. Sie scheint noch heute zu schmerzen, auch wenn Zavialoff betont, sie würden ­weiter Kontakt pflegen, alles sei okay.

«Klarer im Kopf, wenn sie spielt»

Also zurück zu Bacsinszky. Schmunzelnd sagt Zavialoff, langweilig sei es ihm mit ihr noch nie geworden. Sie bringe so viel Energie und so viele Ideen mit. Sein Job ist es, dies zu kanalisieren. Der Unterschied zu früher sei wohl der: «Sie hat ihren Frieden gefunden, ist so klarer im Kopf, wenn sie spielt. Eine grosse Kämpferin war sie schon immer.» Zudem habe Konditionstrainer Beni Lindner von Swiss Tennis mit ihr einen exzellenten Job gemacht.

Seine Philosophie sei, ihr Wege aufzuzeigen, sagt Zavialoff. «Ob sie sie nimmt, muss sie entscheiden. Ich habe gelernt, dass es keinen Sinn macht, jemanden zu etwas zu zwingen, das ihm widerstrebt.» Mit dieser Einstellung widerspiegelt er das Gegenteil dessen, was ihr Vater Igor ­repräsentierte. Der Erfolg hat Zavialoff recht gegeben. Kann Bacsinszky sogar ein Major-Turnier gewinnen? Er sagt: «Der Halbfinal in Paris war nicht gestohlen. Aber nur Timea kann auf diese Frage eine Antwort geben. Auf dem Court.»

Erstellt: 02.07.2015, 00:13 Uhr

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