«Man muss sich im Leben für etwas entscheiden»

Belinda Bencic und ihr Vater Ivan über die Anfänge ihres Erfolges, eine etwas andere Kindheit und ihr Ziel am French Open.

Immer fokussiet: Nach der bisher durchzogenen Saison, will Bencic beim French Open in Paris in die Erfolgsspur zurück. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

Immer fokussiet: Nach der bisher durchzogenen Saison, will Bencic beim French Open in Paris in die Erfolgsspur zurück. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

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«Die Zukunft des Schweizer Spitzentennis ist weiblich.» Es war dies der Schlusssatz von Moderator und SRF-Tennisexperte Stefan Bürer bei der Talkrunde anlässlich der Swiss-Indoors-Business-Club-Veranstaltung im Grand Casino Basel. Ein Anlass, dessen Rein­erlös traditionellerweise vollumfänglich einer sozialen Institution zugutekommt – in diesem Jahr der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung SPV.

Während bei vergangenen Events gestandene Sportler-, Polit-, oder Showgrössen wie Ottmar Hitzfeld, Jörg Schild oder die deutsche Schauspielerin Veronica Ferres auf dem Sofa Platz genommen hatten, waren am Dienstag die bordeauxroten Sessel für das Schweizer Tenniswunderkind Belinda Bencic und ihren Vater Ivan reserviert.

Ein Wunderkind, bei dem auch Organisator und Swiss-Indoors-Turnierdirektor Roger Brennwald leuchtende Augen bekam und schwärmte: «Die Amazone Belinda Bencic hebt sich von den anderen ab, indem sie den Aufschlag statt den Augenaufschlag sprechen lässt.»

Doch mit Tennisexperte Stefan Bürer diskutierten die 18-Jährige und ihr Vater danach ganz nüchtern über:

Die momentane Formbaisse nach der erfolgreichen letzten Saison:

Belinda Bencic: «Es ist nicht einfach. Man kann das nicht mit letztem Jahr vergleichen. Da musste ich bei den grossen Turnieren noch durch die Qualifikation und konnte mich dementsprechend akklimatisieren und in einen Rhythmus spielen. Jetzt treffe ich schon in den ersten Runden auf die guten Gegnerinnen. Aber da muss ich jetzt halt durch und mich bewähren.»

Die Zusammenarbeit mit Melanie Molitor:

Ivan Bencic: «Als Belinda vier Jahre alt war, habe ich ihr die ersten Bälle zugeworfen und im nahe gelegenen Tennisclub ein paar Mal gespielt. Ich erkannte bei ihr ein gewisses Talent, war mir aber nicht sicher, in welchem Ausmass dieses vorhanden war. Ich bin ja ein ehemaliger Eishockey- und kein Tennisspieler. Doch ich wollte eine erste Standortbestimmung und griff dabei zum Telefon, um Melanie Molitor, die Mutter und ehemalige Trainerin von Martina Hingis, anzurufen. Das hat zwar Überwindung gebraucht, doch es hat sich ausgezahlt. Denn Tennis ist Kommerz. Und das war auch der Hauptgrund, warum ich mich an Melanie Molitor und nicht an irgendeine andere Tennisschule gewandt habe. Mir war bewusst, dass es Melanie Molitor finanziell nicht nötig hatte, mit uns zu trainieren – ihre Meinung zu Belinda war daher sehr objektiv und ehrlich.

Die Zusammenarbeit mit Manager Marcel Niederer:

Ivan Bencic: «Marcel Niederer ist ein ehemaliger Eishockeykollege von mir. Als Belinda sechs Jahre alt war, habe ich ihn einmal dazu eingeladen, sich ein Tennismatch von ihr anzuschauen. Daraufhin entschloss er sich, das Management für uns zu übernehmen. In einem Sport wie Tennis ist es wahnsinnig, so etwas zu wagen. Man weiss ja nie, wie lange eine Sechsjährige Freude daran hat. Doch das Sportlerherz überwog. Und durch die Zusammenarbeit mit Marcel Niederer konnten wir in einem solchen Masse Sponsoren generieren, dass der finanzielle Druck für uns wegfiel.»

Das Gefühl, die Kindheit verpasst zu haben:

Belinda Bencic: «Dieses Gefühl hatte ich eigentlich noch nie. Trotz meinem Beruf habe ich immer noch viele gute Kolleginnen. Klar, ich kann nicht so viel in den Ausgang wie meine Freundinnen. Dafür aber habe ich durch meinen Sport die Gelegenheit, die Welt zu bereisen und viele neue Orte zu entdecken. Man muss sich im Leben für etwas entscheiden, und ich habe mich für das Tennis entschieden.»

Der Ablöseprozess von den Eltern mit 18 Jahren:

Stefan Bürer: «Gibt es Momente, in denen der Vater nervt?» Belinda Bencic: «Ja, wenn er sagt, dass ich jetzt mal das Handy weglegen soll, dabei ist er die ganze Zeit damit beschäftigt. Aber ansonsten haben wir es immer noch sehr gut miteinander. Klar gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber die halten sich momentan noch in Grenzen.»

Das Ziel beim French Open:

Stefan Bürer: «Sagen Sie jetzt bitte nicht, dass Sie von Match zu Match schauen.»
Belinda Bencic: (überlegt) «Diesen Gefallen kann ich Ihnen nicht machen – denn ich schaue von Spiel zu Spiel.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.05.2015, 15:53 Uhr

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