Martina Hingis und die schmerzhafte Erkenntnis

Das Kurz-Comeback im Einzel in Polen zog eine Verletzung nach sich. Nun will sich die 34-Jährige ganz aufs Doppel beschränken.

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Martina Hingis hatte sich in den vergangenen Jahren bester Gesundheit erfreut und sich in den letzten zwei Jahren auf der WTA-Tour im Doppel erfolgreich im Proficircuit zurückgemeldet. Der Einsatz vorletzte Woche im Fed-Cup in Zielona Gora, wo die 34-jährige langjährige Weltranglistenerste erstmals seit sieben Jahren wieder zwei Einzel bestritt, änderte das schlagartig: Sie musste sich danach mit einer Adduktoren-Zerrung am rechten Bein zu einem alten Bekannten in die Therapie begeben, dem Zürcher Sportarzt Heinz Bühlmann.

Bühlmann erzählt, was geschah: «Sie ist auf dem Court mit dem Bein hängen geblieben und hat sich eine Zerrung der Adduktoren zugezogen. Das passiert im Tennis gerne, vor allem wenn viel Sand auf dem Court liegt, und ist auch nicht weiter tragisch.» Das hätte zwar auch im Doppel passieren können, mit der psychischen und physischen Belastung im Einzel sei diese Gefahr aber grösser. Hatte Hingis mit ihrem spontanen Einsatz im Einzel sogar mit der Gesundheit gespielt? Bühlmann verneint: «Es war zwar nicht gerade eine Superidee, aber sie hat sich dazu entschieden und auch die Konsequenzen getragen.» Für das nächste Turnier in Madrid (kommende Woche) dürfte Hingis wieder völlig fit sein, glaubt er: «Die Therapie war einfach. Ich erstellte ihr ein Dehnprogramm, in zwei Tagen war das erledigt.»

Ins kalte Wasser geworfen

Über soziale Netzwerke hat Hingis die turbulenten letzten Wochen mit ihrer Metamorphose von der Doppel- zur Einzelspielerin in Polen gut dokumentiert. Sie sei als Doppelspielerin zu ihrem ersten Fed-Cup-Einsatz seit 17 Jahren angereist – vom Team darauf aber ins Einzel befördert worden, erzählt sie da. In Abwesenheit von Belinda Bencic und Stefanie Vögele war sie plötzlich die beste Wahl als Nummer 2 neben Timea Bacsinszky, und sie rechtfertigte die Nomination von Captain Heinz Günthardt mit zwei feinen Auftritten gegen die Radwanska-Schwestern Agnieszka und Urszula, denen nur der krönende Abschluss fehlte.

Am Ende des Wochenendes, das so komplett anders verlief als geplant, gehörte Hingis mit dem Schweizer Team trotzdem zu den Siegerinnen, nachdem Bacsinszky neben ihren zwei Einzeln in extremis auch das Doppel mit Victoria Golubic gewonnen hatte. Doch Hingis bezahlte den Preis für ihren ungewohnten Kraftakt: Als sie gegen Urszula Radwanska am Sonntag 6:4, 5:2 in Führung lag, ging nichts mehr, sie sollte nur noch ein Game gewinnen bis zur bitteren Niederlage und für das Doppel sogar ganz ausfallen.

Erst am Dienstag – neun Tage nach dem Fed-Cup – postete Hingis ein Bild von sich beim Reiten und erklärte: «Endlich bin ich fast ganz erholt vom Fed-Cup und dem Turnier in Stuttgart. Erstmals bin ich wieder auf dem Pferd und auf einem Tennisplatz, nachdem ich die letzten Tage mit meinem Arzt verbracht habe, den ich zuvor acht Jahre lang nicht mehr benötigt hatte.»

Ein Abenteuer, das ihr die Augen öffnete

Die fünffache Grand-Slam-Siegerin und jüngste Nummer 1 des Frauentennis hält auch deutlich fest, dass diese Erfahrung für sie ein Augenöffner gewesen sei und sie ihre Einzeleinsätze nun definitiv auf Schauturniere und kürzere Einsätze in Teamligen beschränken wolle. «Einzel zu spielen, war ein ziemliches Abenteuer, aber ich bin froh, dass ich nun nur noch Doppel spielen werde. Und mein Körper könnte damit nicht mehr einverstanden sein.»

In Stuttgart war, zwei Tage nach dem Einsatz in Polen, die Serie der Ungeschlagenheit von Hingis und Sania Mirza zu Ende gegangen. Das neu formierte Duo hatte zuvor die drei grossen Turniere von Indian Wells, Miami und Charleston gewonnen, wodurch Mirza auf Rang 1 und Hingis auf Rang 4 der Doppelweltrangliste vorstiess. Gegen die krassen Aussenseiterinnen Vogt/Martic (Lie/Kro) scheiterten sie in Stuttgart dann, angesichts der Verfassung der Ostschweizerin wenig überraschend, gleich zum Auftakt.

Obwohl Hingis im Herbst 35 wird, traut ihr Bühlmann vom medizinischen Standpunkt her noch einige gute Jahre zu. «Wenn sie ihre Einsätze auf das Doppel beschränkt und gut dosiert, kann sie sicher noch zwei, drei Jahre spielen.»

Erstellt: 30.04.2015, 11:30 Uhr

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