Nadal rückt wieder näher an Federer

Der Spanier siegt in Paris und beweist seine Dominanz auf Sand.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es kam an diesem Pariser Finalsonntag anders, als man gedacht hatte. Nein, nicht, was das sportliche Geschehen ­betraf, sondern das meteorologische. Eigentlich war Regen angesagt, doch es blieb trocken, zeitweise zeigte sich sogar die Sonne. Nass wurde es erst kurz nach 18 Uhr – als Rafael Nadal auf dem Podium unter stehenden Ovationen die Coupe des Mousquetaires herzte und Tränen vergoss. Schön zu sehen, wie sehr es ihn auch beim elften Mal noch bewegt, ­Roland Garros zu gewinnen.

Es schwang wohl auch die Erleichterung darüber mit, dass er den Sieg ins Ziel gebracht hatte. Denn im vierten Game des dritten Satzes trug sich Seltsames zu, lief Nadal zwischen dem ersten und zweiten Aufschlag zu seinem Stuhl, um sich den linken Unterarm massieren zu lassen. Dies, weil er Krämpfe in der Schlaghand hatte. Später erklärte er, er habe die Finger kaum mehr gespürt.

Doch Thiem hätte den ersten Satz ­gewinnen müssen, um davon profitieren zu können, dass der Spanier unter der schwülen Atmosphäre litt. Der Österreicher lieferte Nadal zwar einen härteren Kampf als 2017 Stan Wawrinka. Doch das kraftvolle Grundlinienspiel, das ihn ­auszeichnet, zeigte Thiem nur phasenweise im zweiten Satz.

Der letzte Ballwechsel von Roland Garros 2018, jener der Nadal seinen elften Titel beschert. Video: SRF

Thiems grosses Handicap

Es bleibt dabei: Eine einhändige Rückhand ist gegen Linkshänder Nadal in Roland Garros ein zu grosses Handicap. Wenn der Spanier die Rückhand Thiems anspielte mit seinen stark überrissenen Vorhandbällen, gewann er fast immer auch den Punkt. Robin Söderling und Novak Djokovic, denen es als Einzigen gelang, ihn hier zu schlagen, spielen die Rückhand zweihändig.

Der 83-jährige Ken Rosewall, der hier 1968 triumphiert hatte und die Trophäen übergab, urteilte in seiner kurzen Rede, Thiem müsse wohl ziemlich ­enttäuscht sein von seinem Auftritt. Das sah dieser aber nicht so. «Der Match war echt in Ordnung», sagte er zu den österreichischen Journalisten. «Es war gegen Nadal erstmals ein Fight in Roland ­Garros.» Die ersten beiden Male hatte er hier gegen den Sandkönig je sieben Games geholt, diesmal waren es neun.

Nadal macht Thiem Mut

«Du wirst in den nächsten Jahren sicher hier gewinnen», machte ihm ­Nadal Mut.

So bald dürfte der 32-Jährige sein Terrain aber noch nicht preisgeben. Nach einem schwierigen Saisonstart mit der Aufgabe im Viertelfinal des Australian Open und einer neuerlichen Verletzung Ende Februar in Acapulco, wegen der er Indian Wells und Miami verpasste, fand er auf Sand wieder zur gewohnten Dominanz. Nebst Paris gewann er auch die ­Titel in Monte Carlo, Barcelona und Rom. So verteidigte er die Nummer 1 gegenüber Roger Federer, der nun im Duell um die Spitze unter Zugzwang ist.

Federer wieder nähergerückt

Nach Grand-Slam-Titeln verkürzte Nadal den Rückstand auf Federer auf drei, es steht nun 17 zu 20. Auf die Frage, ob er die Marke des Schweizers schon im ­Visier habe, sagte er: «Lasst mich diesen Titel doch jetzt geniessen. Ich kann nicht immer an mehr denken. Man muss auch einmal glücklich damit sein, was man hat.» Ob er im Queen’s Club antritt, wo er gemeldet ist, liess er offen. Es sei eine harte Sandplatzsaison gewesen.

Derweil das Männerturnier also die bekannte Geschichte schrieb, triumphierte Simona Halep in ihrem vierten Grand-Slam-Final erstmals. Hatte ihre Pariser Vorgängerin Jelena Ostapenko von Mitstreiterinnen auf den sozialen Medien kaum Gratulationen erhalten, wurde die 26-jährige Rumänin nur so überhäuft mit Glückwünschen. Keine, die ihr den Triumph nach den vielen ­Enttäuschungen nicht gegönnt hätte.

Selbst Finalverliererin Sloane Stephens sagte, sie sei froh für Halep. Und sie half ihr, als sie mit dem Pokal in den Händen nicht recht wusste, was sie damit anstellen sollte. Stephens hob ihre Hände in die Höhe, um ihr zu bedeuten: Du musst ihn über den Kopf stemmen! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.06.2018, 08:38 Uhr

Artikel zum Thema

Nadal gewinnt in Paris zum 11. Mal

Video Rafael Nadal lässt sich auch von Dominic Thiem nicht stoppen. Der Spanier bleibt beim French Open der König. Mehr...

Dominic Thiem, der Champion vom Reissbrett

SonntagsZeitung Der Österreicher, der Rafael Nadal im Paris-Final fordert, ist der Beweis, dass Sieger produziert werden können. Wie das geht, hat sein Coach Günter Bresnik (57) in einem Buch festgehalten. Mehr...

Nadal und Thiem treffen sich im Final

Rafael Nadal fehlt noch ein Sieg, um zum 11. Mal das French Open zu gewinnen. Im Halbfinal deklassiert er Juan Martin Del Potro und trifft nun auf Dominic Thiem. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Die Mittsommer-Party kann steigen

Michèle & Friends Unsere ungelebten Leben

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Spiel zwischen Mauern: Palästinensische Buben spielen in einem verlassenen Gebäude in Gaza Stadt. (21.Juni 2018)
(Bild: Mohammed Salem) Mehr...