Australian Open

Nadal wankt, fällt aber nicht

Rafael Nadal musste gegen Diego Schwartzman den ersten Satzverlust hinnehmen. Grigor Dimitrov schaltete Australiens Hoffnungsträger Nick Kyrgios aus.

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Egal gegen wen Rafael Nadal spielt, sein Kommentar zu seinem nächsten Gegner ist immer derselbe. «Er ist ein guter Spieler, es wird eine harte Partie geben.» Es ist eines der Mantras des 31-Jährigen aus Mallorca, der an Grand-Slam-Turnieren eine Erfolgsquote von 87 Prozent ausweist. Auch vor der Achtelfinal-Partie gegen den Argentinier Diego Schwartzman, gegen den er zuvor in drei Duellen noch keinen Satz abgegeben hatte, war ihm die Frage nach dem nächsten Widersacher gestellt worden. Die Weltnummer 1 antwortete wie gewohnt - und für einmal sollte sich Nadals Prophezeiung bewahrheiten.

Der 1,70 m grosse Rechtshänder aus Buenos Aires war nur Insidern ein Begriff, bis er im letzten September am US Open in die Viertelfinals vorstiess. Am Sonntag kam Nadal aber nicht nur aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit gehörig ins Schwitzen. Knapp vier Stunden forderte Schwartzman den Vorjahresfinalisten und begeisterte die 15'000 Zuschauer in der Rod Laver Arena mit unbändigem Kampfgeist und spektakulären Punkten. Er erspielte sich 18 Breakchancen, von denen er allerdings nur drei zu nutzen wusste.

Die Zeit ist reif

Nadal kam ins Wanken, fiel aber nicht, auch wenn er erstmals in Melbourne verwundbar wirkte. «Wenn man so viele Chancen wie ich im zweiten Satz vergibt, muss man sich nicht wundern, wenn man Probleme kriegt», sagte Nadal. Dreimal lag er im zweiten Durchgang mit einem Break vorne, am Ende kassierte er aber den ersten Satzverlust an diesem Turnier. Er sei glücklich, dass er die Viertelfinals erreicht habe, sagte der Spanier nach dem 6:3, 6:7 (4:7), 6:3, 6:3 in 3:51 Stunden. «Jetzt ist die Zeit gekommen, einen Schritt vorwärts zu machen.»

In den Viertelfinals trifft Nadal am Dienstag auf Marin Cilic (ATP 6), gegen den er fünf von sechs Begegnungen gewonnen hat. Der Kroate siegte gegen den Spanier Pablo Carreño Busta 6:7 (2:7), 6:3, 7:6 (7:0), 7:6 (7:3) und kam zu seinem 100. Sieg auf Stufe Grand Slam. Mit seiner elften Viertelfinal-Qualifikation an einem Major-Turnier zog Cilic mit Goran Ivanisevic gleich. «Ich muss gegen ihn aggressiver spielen», sagte Nadal, der unabhängig vom Ausgang des Turniers die Nummer 1 der Welt bleiben wird. «Es wird eine harte Partie, gegen einen starken Spieler.»

Kyrgios' Ausscheiden, Edmunds Premiere

Nadal machte den Anfang an dem vom australischen TV-Sender «Channel 7» ankündigten «Super Sunday». In der Primetime am Abend folgte der Auftritt von Nick Kyrgios, dem letzten Hoffnungsträger des Gastgeberlandes. Schritt für Schritt hatte sich der einstige Flegel in den letzten Tagen in die Herzen der Australier zurückgekämpft. Und das Duell gegen die Weltnummer 3 Grigor Dimitrov hielt, was es versprach - mit Ausnahme des aus Sicht der fast 15'000 Zuschauer falschen Siegers.

Kyrgios zauberte, haderte, begeisterte, fluchte und schaffte im vierten Satz beim Stand von 3:5 das Rebreak, die Wende gelang dem Weltranglisten-17. allerdings nicht mehr - trotz 36 Assen, von denen er einige mit dem zweiten Aufschlag und mit über 200 Stundenkilometern schlug. Er habe gut gespielt, sagte Kyrgios. Er hoffe, dass er eines Tages ein Grand-Slam-Turnier gewinnen könne. «Der Weg dorthin ist aber noch weit. Ich hätte noch vier Partien gewinnen müssen», so der 22-Jährige, der trotz seines Talents noch nie weiter als in die Viertelfinals gekommen ist.

Dimitrovs nächster Gegner ist der 23-jährige Kyle Edmund (ATP 49), der erstmals an einem Grand-Slam-Turnier die Runde der letzten acht erreicht hat. Der 23-jährige, in Südafrika geborene und auf den Bahamas wohnende Brite gewann das Duell der Aussenseiter gegen den Südtiroler Andreas Seppi 6:7 (4:7), 7:5, 6:2, 6:3.

Wozniacki zurück in der Spur

Mit Caroline Wozniacki und Jelina Switolina erreichten bei den Frauen zwei der Mitfavoritinnen auf den Titel ohne Probleme die Viertelfinals. Wozniacki hat ihre Form gefunden, nachdem sie in der 2. Runde kurz vor dem Ausscheiden gestanden hatte.

In 63 Minuten siegte Wozniacki gegen Magdalena Rybarikova 6:3, 6:0 und gestand ihrer Gegnerin im zweiten Satz nur sechs Punkte zu. Die dänische Weltranglisten-Zweite erreichte erstmals seit 2012 im Melbourne Park wieder die Viertelfinals. «Nachdem ich praktisch schon ausgeschieden war, habe ich nun nichts mehr zu verlieren», sagte Wozniacki. «Ich gehe einfach raus und geniesse es.»

In der 2. Runde hatte Wozniacki gegen die Kroatin Jana Fett im dritten Satz 1:5 zurückgelegen und zwei Matchbälle abgewehrt, nun hat die Siegerin der letztjährigen WTA-Finals den Tritt gefunden. Die 27-Jährige könnte in Melbourne ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen und nach sechs Jahren wieder an die Spitze der Weltrangliste zurückkehren.

In den Viertelfinals trifft Wozniacki auf die Spanierin Carla Suarez Navarro (WTA 39). Die einstige Nummer 6 der Welt schaffte gegen die Estin Anett Kontaveit nach einem 4:6, 1:4-Rückstand noch die Wende und siegte im dritten Satz 8:6. Suarez Navarro steht zum sechsten Mal an einem Major-Turnier in den Viertelfinals, den Einzug in die Runde der letzten vier hat sie aber noch nie geschafft.

Mertens im Hoch

Genauso überzeugend wie Wozniacki erreichte die Ukrainerin Jelina Switolina die Runde der letzten acht. Die Nummer 4 der Welt kannte mit der tschechischen Qualifikantin Denisa Allertova kein Erbarmen und setzte sich in weniger als einer Stunde 6:3, 6:0 durch.

Mit Elise Mertens trifft Switolina auch in der nächsten Runde auf eine Aussenseiterin. Die 22-jährige Belgierin steht bei ihrer ersten Teilnahme im Hauptfeld in Melbourne dank einem 7:6 (7:5), 7:5 gegen die Kroatin Petra Martic in den Viertelfinals. Für Mertens war es der neunte Sieg in Serie, nachdem sie vor gut einer Woche in Hobart ihren Titel erfolgreich verteidigt hatte.

Melbourne. Australian Open. Grand-Slam-Turnier (38,3 Millionen Franken/Hart). Männer, Einzel. Achtelfinals: Rafael Nadal (ESP/1) s. Diego Schwartzman (ARG/24) 6:3, 6:7 (4:7), 6:3, 6:3. Grigor Dimitrov (BUL/3) s. Nick Kyrgios (AUS/17) 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 4:6, 7:6 (7:4). Marin Cilic (CRO/6) s. Pablo Carreño Busta (ESP/10) 6:7 (2:7), 6:3, 7:6 (7:0), 7:6 (7:3). Kyle Edmund (GBR) s. Andreas Seppi (ITA) 6:7 (4:7), 7:5, 6:2, 6:3.

Viertelfinal-Tableau: Nadal (1) - Cilic (6), Dimitrov (3) - Edmund; Thiem (5)/Sandgren - Djokovic (14)/Chung, Fognini (25)/Berdych (19) - Fucsovics/Federer (2).

Junioren, 1. Runde: Alexej Sacharow (RUS/12) s. Diego Wenger (SUI) 7:5, 4:6, 6:0.

Frauen, Einzel. Achtelfinals: Caroline Wozniacki (DEN/2) s. Magdalena Rybarikova (SVK/19) 6:3, 6:0. Jelina Switolina (UKR/4) s. Denisa Allertova (CZE) 6:3, 6:0. Carla Suarez Navarro (ESP) s. Anett Kontaveit (EST/32) 4:6, 6:4, 8:6. Elise Mertens (BEL) s. Petra Martic (CRO) 7:6 (7:5), 7:5.

Viertelfinal-Tableau: Halep (1)/Osaka - Strycova (20)/Karolina Pliskova (6), Hsieh/Kerber (21) - Keys (17)/Garcia (8); Mertens - Switolina (4), Suarez Navarro - Wozniacki (2).

Juniorinnen. Doppel, 1. Runde: Simona Waltert/Wang Xiyu (SUI/CHN/2) s. Akanksha Bhan/Sakura Hosogi (IND/JPN) 6:1, 7:6 (7:2). (sda)

Erstellt: 21.01.2018, 10:42 Uhr

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