Nadals wütender Konter auf die Dopingvorwürfe

Frankreichs Tennislegende Yannick Noah unterstellt dem spanischen Sport systematisches Doping. Rafael Nadal reagiert mit wütenden Protesten, kann das grundsätzliche Problem aber nicht wegdiskutieren.

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Rafael Nadal, ausserhalb des Tenniscourts für gewöhnlich ein sehr freundlicher und zurückhaltender Zeitgenosse, schlug an den ATP World Tour Finals in London markige Töne an, als er sich zu Yannick Noahs Dopingvorwürfen in der französischen Tageszeitung «Le Monde» äusserte. Die Bemerkungen des French-Open-Champions von 1983 seien angesichts der grossen Anzahl von Dopingtests «vollkommen dumm». «Dieser Typ verdient es nicht mehr, in der Zeitung zu stehen. Der einzige Zaubertrank des spanischen Sports ist die Arbeit, der Einsatz und die Überwindungsfähigkeit», so Nadal. Noah habe die Denkweise eines Kindes und beschädige mit seinem Benehmen das Ansehen Frankreichs noch mehr als jenes Spaniens.

Guardiola schaltet sich in die Diskussion ein

Josep Guardiola, der Trainer des Champions-League-Siegers FC Barcelona, äusserte sich ähnlich erbost wie Nadal: Wenn Noah keine Beweise vorlegen könne, solle er gefälligst den Mund halten. Der frühere Tennisstar baut seine Argumentation auf den Fakt, dass sich Spanien nicht nur im Tennis, sondern auch im Fussball, Handball, Basketball und Radsport zur dominierenden Nation entwickelte, während die Affäre um den berüchtigten Dopingarzt Eufemiano Fuentes nie wirklich aufgearbeitet wurde.

Der französische Tennisprofi Michael Llodra, der als Doppelspieler an den ATP World Tour Finals teilnimmt, entschuldigte sich bei Nadal für Noahs Äusserungen und deutete sogar an, dass sein Landsmann vor diesen zu viel Alkohol getrunken haben könnte. Der dunkle Schatten, den Fuentes über die gesamten Erfolge des spanischen Sports geworfen hat, bleibt dennoch bestehen, ob Noah nun ein glaubhafter Ankläger ist oder nicht.

Nicht nur Noah zweifelt an den spanischen Saubermännern

Interessant ist die Verbindung zwischen «Le Monde» und den Granden des spanischen Sports, war es doch die angesehene französische Zeitung, die vor fünf Jahren behauptete, die beiden Fussball-Grossklubs FC Barcelona und Real Madrid hätten eine unheilige Allianz mit Fuentes gebildet. Barça und Real reagierten mit horrenden Klagen, «Le Monde» musste schliesslich zurückbuchstabieren und eine halbe Million Euro Busse bezahlen.

Die nicht bewiesenen Anschuldigungen korrespondieren aber mit Äusserungen von Pat Quaid, dem Präsidenten des Radsport-Weltverbands UCI. Der Ire, der auch dem Internationalen Olympischen Komitee angehört, sagte 2008 gegenüber der ARD, unter den 200 Fuentes-Kunden seien nur 50 bis 60 Radprofis gewesen, der Rest verteile sich auf Fussball, Leichtathletik, Schwimmen und Tennis. Die WDR-Sendung «Sport inside» stellte daraufhin die Frage, warum trotz 7700 Seiten Aktenmaterials nur die Namen von Radsportlern an die Öffentlichkeit gelangten.

Unter anderem lagerten laut mehreren Quellen über Jahre 96 Blutbeutel in einem Labor in Barcelona, die Sportlern zugeschrieben, aber nicht analysiert wurden. «Die Tatsache, dass es so viele Blutbeutel sind, kann einen schon zum Schluss kommen lassen, dass Athleten aus verschiedenen Sportarten bei Fuentes waren», sagte der Madrider Revisionsrichter Arturo Beltran gegenüber «Sport inside».

Erstellt: 21.11.2011, 11:44 Uhr

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