Pariser Tennisposse mit grossen Auswirkungen

Die Verkürzung der Tennissaison ist in dieser Form bereits gescheitert. Das letzte Masters-1000-Turnier der Saison hat seine Glaubwürdigkeit verloren.

Unstandesgemässe Niederlage in Paris – neuer Höhenflug in London? Andy Murray.

Unstandesgemässe Niederlage in Paris – neuer Höhenflug in London? Andy Murray. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Wochenende vor Beginn der ATP World Tour Finals stand für einmal nicht der Sport, sondern die Tennispolitik und die Wohlfahrt im Vordergrund. Am Samstag präsentierten sich die sieben anwesenden Masters-Teilnehmer in den historischen Gemäuern des Royal Court of Justice einer auserwählten Gästeschar an einer Wohltätigkeitsgala (für eine feierliche Eröffnungsfeier dagegen fehlt dieses Jahr die Zeit). Auch dabei drehten sich die Diskussionen weniger darum, ob Andy Murray nach Olympiagold und dem US Open auch erstmals das Saisonfinale gewinnt – oder doch eher Roger Federer seinen Rekord auf sieben Titel ausdehnen kann?

Viel zu reden gaben dafür der Masters-Anlass in Paris und die erfolgten und geplanten Änderungen der ATP-Tour. Der Verlauf des Turniers an der Seine, das erstmals unmittelbar vor London stattfand, machte bereits klar, dass die neue Termin-Konstellation zum Scheitern verurteilt ist. Im Palais Omnisports de Bercy war es zu einer in dieser Form nie erlebten Dezimierung von Top-10-Spielern gekommen, in Form unstandesgemässer Niederlagen (Murray, Djokovic, Del Potro, Berdych), Rückziehern (Tipsarevic) oder Absagen (Federer), bis das Turnier letztlich seine Glaubwürdigkeit verlor. Aber wer wollte es den Spielern verargen, dass sie sich kurz vor London nicht mehr voll engagieren mochten – mit Ausnahme von David Ferrer, der zwar gestern seinen grössten Titel gewann, dem dafür aber in London nur ein Tag Vorbereitung bleibt?

Die Verkürzung der Saison um zwei Wochen hat vielleicht sogar dafür gesorgt, dass Djokovic schon vor dem grossen Finale als Nummer 1 feststeht. Hätte Federer nämlich in Paris gespielt und seinen Titel verteidigt, hätte er den Serben mit seinem dritten Titel in London im Optimalfall nun sogar noch überholt. Djokovic hätte in diesem Fall am ATP-Finale immerhin drei Partien gewinnen müssen – wobei natürlich niemand weiss, ob er in Paris auch dann sogleich ausgeschieden wäre, wenn seine Position als Nummer 1 noch nicht gesichert gewesen wäre.

Ein Saisonende im Oktober?

2013 wird sich am Turnierfahrplan nichts Wesentliches ändern. Im Kalender der Jahre 2014/2015, der diese Woche thematisiert wird, dürften Paris und das ATP-Finale, das aller Voraussicht nach weiterhin in London stattfinden wird, zeitlich wieder weiter auseinander liegen. Die Pariser Organisatoren möchten ihr Turnier in den Februar verschieben. Mittelfristig hegt Brad Drewett, der CEO der ATP-Tour, den Plan, die Saison bereits im Oktober abzuschliessen, wodurch auch die Swiss Indoors früher ausgetragen werden müssten. Ähnlich wie die europäische Golftour soll die Tennissaison dafür bereits im November oder Dezember beginnen, mit Anlässen in Südamerika, wo in Rio de Janeiro neu ein 500er-Turnier ausgetragen wird. Dadurch würde der Frühling entlastet.

Polemik liegt in der Luft

Heute wird der Fokus in London nun wieder auf die Courts zurückkehren, wenn die Vorrundenspiele beginnen. Doch obwohl Djokovic die Nummer 1 nicht mehr zu nehmen ist, dürfte die Diskussion aufflammen, ob er auch zu Recht dort steht. Sollten Federer oder Murray am kommenden Montag das Schlussbouquet gewinnen, hätten beide hervorragende Argumente, selber dorthin zu gehören. Federer versucht zwar, diese Polemik zu dämpfen, und sagt, wer immer zuoberst stehe, verdiene es auch. Viele Fans sehen das aber anders. In einer Publikumsumfrage der US-Plattform Foxsports.com nach dem Spieler des Jahres führte etwa Federer gegenüber Djokovic mit 39:32 Prozent Stimmenanteil. Der Serbe hat zwar in diesem Jahr mit vier verschiedenen Grand-Slam-Siegern weniger Turniere gewonnen (5:6), sammelte aber vor allem an den Grand-Slam-Turnieren mehr Punkte als Federer (5120/3800).

Erstellt: 05.11.2012, 07:14 Uhr

ATP World Tour Finals

Heute spielen in der Gruppe A

14.45 Uhr: Murray - Berdych

20.45 Uhr: Djokovic - Tsonga

Morgen spielen in der Gruppe B

14.45 Uhr: Federer - Tipsarevic

20.45 Uhr: Ferrer - Del Potro

Artikel zum Thema

Die willkommenen Niederlagen der Tennisstars

Roger Federers Rivalen Novak Djokovic und Andy Murray scheiden in Paris-Bercy auf ungewöhnliche Weise aus – und dürften darüber alles andere als unglücklich sein. Mehr...

Glückliches Los für Federer in London

Roger Federer trifft an den World Tour Finals frühestens in den Halbfinals auf seine grössten Gegenspieler Novak Djokovic oder Andy Murray. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home Die besten Orte für eine neue Ordnung

Geldblog Bei GAM fliessen weiterhin Vermögen ab

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...