Politischer Sieg für Präsident Federer

Ein Dach in ferner Zukunft und 2013 ein Tag Pause vor dem Männer-Final – das US Open bewegt sich doch.

Motorisierter Kampf gegen die Nässe: Platzarbeiter trocknen den Center Court im Arthur Ashe Stadium. (27.08.2012)

Motorisierter Kampf gegen die Nässe: Platzarbeiter trocknen den Center Court im Arthur Ashe Stadium. (27.08.2012)

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Als der amerikanische Verband im Juni seine Pläne für ein kostspieliges Facelifting des Billie Jean King Tennis Center bekannt gab, verblüffte vor allem eines: Es beinhaltete kein Dach über dem Center Court. Und so rückten all die schönen Ideen – eine kunstvoll überdachte Aussichtsplattform, von der man den Cracks beim Training zuschauen kann, oder eine neue, zweitgrösste Arena, die Platz bietet für 15 000 (so viel wie der Centre Court in Wimbledon) – in den Hintergrund. Die Ankündigung, wie man 500 Millionen Dollar investieren will, um die Heimat des US Open zu verschönern, wurde zum PR-Debakel.

Auch die Erklärung, dass der sumpfige Untergrund eine tonnenschwere Dachkonstruktion über der grössten Tennisarena (23 700 Sitze) nicht auch noch trage, half nicht, um den Spott abzuwehren. So schrieb ein Kolumnist der «New York Times»: «Ich stelle mir das neue, perfekte Arthur Ashe Stadium so vor, dass es ein schliessbares Dach hat und man von jedem Sitz eine Sicht auf den Platz hat, die einem erlaubt, die Spieler voneinander zu unterscheiden ohne die Hilfe von optischen Geräten, die stark genug sind, um auf den Mond zu sehen. Von der höchsten Sitzreihe aus betrachtet könnte Roger Federer auch Ernests Gulbis sein. Oder Maria Scharapowa. Besonders, wenn beide ihre Handtaschen mitgebracht haben.»

Schon das erste heftige Gewitter

Natürlich war klar, dass das Thema von den Journalisten nochmals aufgegriffen würde, wenn am US Open die ersten Regentropfen fielen. Und dies war, nach einer guten Stunde Spielzeit, bereits gestern Montag der Fall. Innert Minuten verfärbte sich der Himmel von Blau nach Schwarz, das heftige Gewitter zog so schnell auf, dass kein Zuschauer trocken blieb. Doch Gordon Smith, der Chef des US-Tennisverbands, konnte die Szenerie, wie Besucher von den Courts flohen, gelassen betrachten. Denn er hatte tags zuvor mit seiner Ankündigung, nun doch ein Dach über dem Center Court bauen zu lassen, weiterer Polemik vorgebeugt.

Zwar sind seine Aussagen noch vage, einen Zeithorizont nannte er nicht. Aber immerhin signalisierte er, das Problem sei erkannt. Nun muss nur noch ein Weg gefunden werden, um es zu lösen. Die Idee, um das Stadium herum ein Gebäude zu bauen, das nur das Dach trägt (um die Last zu verteilen), wurde verworfen. Momentan überlegt man sich, den höchsten, aus Zement gebauten Ring der Arena abzutragen und durch leichteres Material zu ersetzen, um Gewicht zu gewinnen.Smith machte aber auch klar, dass es teuer wird: «All das Geld, das uns entgangen ist, weil wir kein Dach haben, und alles, was wir dank einem Dach dazuverdienen werden, sind nichts im Vergleich zu dem, was uns dieser Bau kosten wird.» Er sprach von bis zu einer Milliarde Dollar. Klar scheint also vorerst nur: Federer wird nicht mehr dabei sein, wenn das ambitiöse Projekt einmal vollendet ist. Oder höchstens als TV-Kommentator oder Ehrengast.

Wohl ein geplanter Montagfinal

Von einer anderen Neuerung, auf die er als Präsident des Player Council hingearbeitet hat, könnte der Schweizer indes profitieren: vom Tag Pause vor dem Männer-Final. Seit 1970 bietet der «Super Saturday» wegen des Fernsehpartners CBS am zweiten Samstag die beiden Männer-Halbfinals und den Frauenfinal. Was für die Männer bedeutet, dass sie, anders als in Melbourne, Paris und Wimbledon, vor dem Endspiel vom Sonntag keinen freien Tag haben.

Doch das wird nur noch 2012 so sein. Smith bekräftigte, dass er sein bislang loses Versprechen, dies zu ändern, einlösen wird: Ab nächstem Jahr werden sich die Männer vor dem Final einen Tag ausruhen dürfen. Noch ist aber nicht bestimmt, ob sie am Freitag und Sonntag spielen oder am Samstag und Montag.

Die Spieler als Kapital

Da CBS kaum zustimmen dürfte, den Samstag zu «opfern», und das Männer-Endspiel seit 2008 wegen Regens sowieso stets am Montag stattfand, dürfte dies die realistischere Variante sein. Das US Open, das gross und träge wirkt, bewegt sich also doch. Wohl auch wegen der Turbulenzen des vergangenen Jahres, als Spitzenspieler dem Turnier vorwarfen, nur auf den Profit aus zu sein.

Rafael Nadal, Andy Murray und Andy Roddick sprachen damals bei Turnierreferee Brian Earley vor, weil sie bei nassen Verhältnissen auf den Platz geschickt worden waren. John McEnroe entdeckte seine rebellische Seite wieder und forderte die Spieler zum Streik auf. Natürlich streikten sie nicht. Aber vielleicht half es den Verantwortlichen des US Open zu erkennen, dass die Spieler und deren Anziehungskraft ihr Kapital sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2012, 10:03 Uhr

Sogar ein Federer-Bus

Roger Federer, der in der Nacht auf heute ins Turnier stieg, begegnet einem während Flushing Meadows fast überall. Sein Konterfei lächelt einem etwa von einer überdimensionierten Plakattafel entgegen, wenn man im Auto Richtung Queens fährt. Mercedes schaltete in der US-Open-Beilage der «USA Today» eine Doppelseite mit seiner Werbefigur und beklebte als Turniersponsor die Minibusse, mit denen die Spieler chauffiert werden, mit einem Bild von Federer. Zudem wird auf den grossen TV-Sendern ABC, CBS und NBC ab nächster Woche Federers neuer Fernsehspot für Lindt-Schokolade ausgestrahlt. (sg.)

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