So steigt Federer diese Woche auf den Tennis-Thron

490 Punkte fehlen noch und Paris steht an. Die Rechnung für den Maestro ist einfach.

Der Basler Pokal gehört zu Federers vertrautesten Trophäen – diesmal holte er ihn mit einem 6:2, 6:2 im Final gegen David Goffin. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Der Basler Pokal gehört zu Federers vertrautesten Trophäen – diesmal holte er ihn mit einem 6:2, 6:2 im Final gegen David Goffin. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

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Der Empfang des Publikums beim Einlaufen sei zwar toll. «Aber noch lieber habe ich am Ende eine Standing Ovation», sagte Roger Federer im Kurzinterview vor dem Gang auf den Centre Court. Er musste darauf nicht lange warten: Nach 52 Minuten beendete er seinen neunten Final in Folge an den Swiss Indoors mit dem sechsten Titel, dem ersten seit drei Jahren. Ein Albtraum sei es gewesen, sagte der Belgier David Goffin nach dem 2:6, 2:6.

Kürzer war noch kein Final der Turniergeschichte, mit Ausnahme von 2003, als Guillermo Coria gegen ­David Nalbandian forfait gewann. Dies war ganz im Sinne Federers, für den die Jagd auf ­Titel und Punkte diese Woche in Paris-Bercy weitergeht. Basel sei neben Wimbledon in seiner Jugend das Turnier seiner Träume gewesen, hatte er nach dem Vorstoss in seinen 11. Final an diesem Turnier gesagt (ein weltweiter ­Rekord). «Ich war nicht sicher, ob ich hier nochmals gewinnen würde nach den zwei Niederlagen ­gegen Del Potro. Deshalb bedeutet mir der Titel enorm viel», sagte er zu den 9200 Zuschauern ­(Wochentotal 71'300).

Federer verkürzte mit seinem 82. Titel den Rückstand gegenüber Novak Djokovic in der Jahreswertung, die Ende Saison identisch mit der Weltrangliste sein wird, von 990 auf 490 Punkte. Nun sei auch für ihn Rang 1 zum Ziel geworden, erklärte er danach. Mit einem ­Finalsieg in Paris würde er den Serben bereits überholen, sofern dieser vor dem Endspiel scheitern sollte – und zwar am ­10.  November auch in der Weltrangliste, weil dann die Punkte des ATP-Finals 2013 wegfallen. Sollte Djokovic vor den Viertelfinals scheitern, würde ihm dazu der Finalvorstoss reichen.

Goffin traut Federer alles zu

«Aber in Paris beginnt alles bei null, es ist nicht so, dass man dieses Turnier einfach schnell gewinnt», dämpfte Federer zu hohe Erwartungen. Wie in Shanghai und Basel, wo er zuletzt zehn Siege in Folge errang, müsste er auch an der Seine fünf Partien innerhalb von fünf ­Tagen gewinnen, startet er doch erst am Mittwochabend gegen einen Franzosen (Chardy oder De Schepper).

«Für mich ist er der weltbeste Spieler in der Halle. Ich traue ihm zu, dass er bis Ende Saison ungeschlagen bleibt», sagte Finalverlierer Goffin, dessen Eltern für seinen bisher grössten Final extra aus Lüttich angereist waren. Der bedauernswerte neuste Top-25-Spieler servierte von Anfang an schlecht und konnte ­Federer nie bedrängen. Während er viermal gebreakt wurde, gewann er als Returnspieler gerade fünf Ballwechsel. Als zusätzlichen Lohn für seine bisher beste Turnierwoche rutschte Goffin aber auch noch ins Hauptturnier von ­Paris, dank einer Spezialregel.

Federer hatte seine schwierigste Aufgabe im Halbfinal gegen Ivo Karlovic zu lösen, der ihn mit 33 Assen eindeckte und sich beim 7:6 (10:8), 3:6, 6:3 schon im Tiebreak zwei Satzbälle erkämpfte.

Drei Finalsiege in Folge zum 5:5

Mit seinem fünften Titel nach Dubai, Halle, Cincinnati und Shanghai glich ­Federer seine Finalbilanz des Jahres aus, nachdem er fünf seiner ersten sieben Endspiele verloren hatte – darunter jene in Wimbledon und an den Masters-­Turnieren von Indian Wells, Monte Carlo und ­Toronto. Dass er dennoch so nahe an der Nummer 1 ist, illustriert, wie gut seine Saison insgesamt war. Inzwischen ist auch sein Selbstvertrauen wieder so gross, dass tatsächlich noch alles möglich scheint – zumal Djokovic durch seine erste Vaterschaft vielleicht etwas aus dem Takt geraten sein könnte.

Stressen lässt sich Federer durch sein Marathonprogramm nicht, im Gegenteil: Er empfinde diese Phase mit derart vielen grossen Zielen als Privileg, sagte er, auch wenn er seine Kräfte nun sehr gut dosieren müsse. Selbst die gestörte Beziehung zum Basler Turnierchef ­änderte nichts an seiner positiven ­Kürzestbilanz: «Es war eine wunderbare Woche, einmal mehr.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2014, 06:42 Uhr

«Die Pizza hat Verspätung. Ich muss nun schauen, ob sie schon da ist»

Hatten Sie einen solch einseitigen Final erwartet?
Nein. Ich stellte mich auf lange Ballwechsel ein. Aber ich konnte den Match mit dem Aufschlag kontrollieren und beim Return punkten mit meiner Variation. Ich spielte sehr gut, fühlte mich frisch, obschon ich wie in Shanghai fünf Tage in Serie spielte. Ich bin happy, dass ich es schaffe, Tag für Tag, Woche für Woche ­dieses hohe Niveau aufrechtzuerhalten.

Sie sagten, die Weltrangliste sei Ihnen nicht mehr so wichtig. Jetzt ist die Nummer 1 wieder greifbar. Wie entscheidend ist diese nun für Sie?
Ich sagte immer: Die Weltrangliste ist nicht wichtig, ausser es geht um die Nummer 1. Ich bekam erst jetzt mit, wie viele Punkte Rückstand es noch sind. Ich dachte, wenn ich die Chance haben will, muss ich London gewinnen. Schön, habe ich die Möglichkeit schon in Paris.

Hatten Sie diese Woche Zeit, mit der Familie etwas zu unternehmen? Wieso war Ihre Frau Mirka nicht hier?
Es war eine anstrengende Woche, weil ich jeden Tag spielte. Ich versuchte, ­Familie und Freunde vor dem Turnier zu treffen, bis Dienstag. Ab Mittwoch ging ich in den Tennisrhythmus, schottete mich ab. Und wenn ich vom Spiel zurückkomme, schlafen sowieso alle. Viel konnte ich ­neben dem Tennis nicht unternehmen, und die Herbstmesse hat ja auch erst am Samstag begonnen. Aber natürlich hätte ich Mirka gerne dabeigehabt.

Wie sehen Sie die nächsten Wochen mit Paris-Bercy, dem ATP-Finale, dem Davis-Cup?
Ich konzentriere mich zuerst auf die nächsten zwei Tage. Mir steht eine Reise mit der ganzen Familie bevor, das ist Abenteuer genug. Was das Tennis betrifft, so habe ich viel Selbstvertrauen. Ich bin zwar müde, aber das war ich nach Toronto auch, trotzdem gewann ich Cincinnati. Zum Glück habe ich nach Paris eine Woche Pause. Wenn ich in London gut spiele, habe ich danach immer noch vier Tage bis zum Davis-Cup. Ich werde also immer wieder Zeit haben, mich zu erholen. Aber natürlich ist es jetzt besonders wichtig, was ich auf und neben dem Platz tue, dass ich die richtigen Prioritäten setze, nicht zu lang trainiere.

Sie pflegen hier, den Ballkids Pizza zu servieren. Woher kommt das?
Ich war hier ja auch zwei Jahre Ballboy und genoss es, durch die Gänge zu springen und etwas von den Matches meiner Idole zu erhaschen. Ich denke immer gerne an jene Zeit zurück. Ich kam mit dem Velo, es war nur zehn Minuten von zu Hause. Allerdings wurde mir das Velo ein paarmal geklaut. (lacht) Aber so ist das halt, wenn man es den ganzen Tag hier abstellt. Es berührt mich immer, wenn ich den Ballkids die Medaille ­umhängen kann. Danach verbringe ich noch etwas Zeit mit ihnen, das Pizza­essen ist unsere Tradition geworden. Aber diesmal hat die Pizza Ver­spätung, deshalb muss ich nun schauen ­gehen, ob sie schon da ist. (Aufgezeichnet: sg.)

(Tages-Anzeiger)

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