«Sportler sind viel mehr betroffen»

Der Zürcher Sportarzt Walter O. Frey über die Gefahren des Feinstaubs und warum Tennisspielen in Melbourne zurzeit eine schlechte Idee ist.

Die Slowenin Dalila Jakupovic geht wegen des massiven Rauchs zu Boden. (Video: Tennis Australia via AP)

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Laut dem internationalen Echtzeit-Luftqualitätsindex AQI war die Luft in Melbourne am Dienstagabend aufgrund der anhaltenden Buschbrände in der Region «sehr ungesund». Was bedeutet das für die Tennisspieler beim Australian Open?
Der Spieler atmet intensiv diese Rauchluft ein. Der darin enthaltene Feinstaub kann über die Atemwege in den Körper gelangen und dort die Schleimhäute und Bronchien reizen. Dies kann zu Entzündungen führen, zu Husten oder sogar zu Atemnot. Besonders gefährlich ist eine hohe Feinstaubbelastung bei Menschen, die bereits an einer Lungenkrankheit wie Asthma leiden.

Ist eine hohe Feinstaubbelastung für Sportler schlimmer als für nichtaktive Menschen?
Sportler sind viel mehr von der Feinstaubkonzentration in der Luft betroffen, da sie ein riesiges Atemvolumen umsetzen und sich somit gleichzeitig viel grösseren Mengen an Feinstaub exponieren.

Ab wann wird die Feinstaubbelastung gefährlich?
Einerseits gibt es dafür Grenzwerte, andererseits reagiert jeder Mensch individuell. Sobald jemand Symptome verspürt, wie Augenbrennen, Nasenlaufen, vor allem aber an Hustenattacken leidet, muss er sich überlegen, ob es Sinn macht, sich weiter zu exponieren. Ein Athlet auf dem Tenniscourt wird sich mit seinen Betreuern absprechen, ab wann er mit Sporttreiben aufhören soll.

Was können die Tennisspieler in Melbourne gegen die Feinstaubbelastung machen?
Am meisten würde wohl helfen, so wenig wie möglich zu atmen (lacht). Nein, im Ernst: Am Schluss hilft nur, sich vor dem Feinstaub zu schützen, sich also an Orten oder in Räumen aufzuhalten, wo die Werte tiefer sind.

Kann zu viel Feinstaub lebensgefährlich sein?
In der Regel ist er akut für einen gesunden Menschen nicht lebensgefährlich, auch bei Sportlern unter Belastung sollte dies in der Regel nicht der Fall sein. Leidet ein Athlet aber bereits an Asthma, kann eine extreme Reaktion tatsächlich bedrohlich für den Körper sein.

Kann erhöhter Feinstaub in der Luft zu Langzeitschäden führen?
Ist man sehr lange erhöhten Werten ausgesetzt, kommt es zu chronischen Schäden. Die Partikel können bis ins Herz-Kreislauf-System eindringen und dort lebenswichtige Zellen beschädigen, Herz-Kreislauf-System- oder Lungenerkrankungen sind die Folgen.

Denken Sie als Sportarzt, dass man das Australian Open unter solchen Bedingungen absagen oder verschieben müsste?
Das ist eine schwierige Frage, da ich die genaue Zusammensetzung der Luft in Melbourne nicht kenne. Aber Fachleute befinden sind vor Ort, die die Luftverschmutzung ständig messen.Gemeinsam mit den Organisatoren des Turniers werden sie sich auf jeden Fall Gedanken zu einem Worst-Case-Szenario machen.

Sportarzt Walter O. Frey.

Erstellt: 14.01.2020, 18:57 Uhr

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