Standing Ovation für Federer und Murray im Zürcher Hallenstadion

Die Tennis-Stars werden von 11'000 Zuschauern gefeiert. And the winner is ...

Gibt es etwas, das sogar Roger Federer nicht kann? Video: Mario Von Ow/Jessica Widmer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt tatsächlich Leute, die mit Roger Federer nichts anfangen können. «Einmal ein Tag ohne Federer in der Zeitung wäre kein Weltuntergang», lautet am Montag ein Forumseintrag auf Tagesanzeiger.ch. Wer so denkt, durchlebt harte Zeiten und dürfte zu einer kleinen Minderheit gehören. Nach dem fulminanten Comeback des 35-Jährigen ist das ­Federer-Fieber in einer extremen Form neu ausgebrochen. An diesem Tag erreicht es mit voller Wucht Zürich, wo der Match for Africa 3 ansteht. Federer hinten, Federer vorne, Federer überall – es gibt kein Entrinnen.

Es beginnt schon morgens am Limmatquai, wo Hunderte, ja Tausende warten, um zu sehen, wie der Australian-Open-Sieger und sein Ehrengast Andy Murray auf einem wackligen Floss Bälle über einen Mini-Tenniscourt ­zirkeln. Später versuchen sie, die Kugeln zu den Zuschauern zu katapultieren – ­einige landen im Wasserhindernis. Murray ist erst um 10.44 Uhr aus Nizza kommend im Privatjet gelandet, dabei hätten die Nummer 1 der Herzen und die Nummer 1 der Weltrangliste schon um zehn auf der Limmat auftauchen sollen.

Bilder – Zürich sieht Federer einmal ganz anders:

Dass das Programm früh in Verzug kommt, ist ungünstig. Federers Tag ist praktisch auf die Minute durchgetaktet. Limmat-Tennis, Essen mit Murray, Vorbesprechungen für den Abend, Training im Hallenstadion, Treffen mit Ballkindern, Sponsoren, Interviews – das Fe­de­rer-­Fieber ist ansteckend. So schlimm können die Symptome aber nicht sein. Die Befallenen wirken zwar etwas fiebrig, aber glücklich und gesund. Die Vorfreude ist schon Stunden vor dem Match im Hallenstadion spürbar. Die Stimmung wird umso erwartungsfroher, je näher die Uhrzeiger auf 20 Uhr rücken.

Federer-Auftritte in der Schweiz waren in letzter Zeit selten. Und dieser Abend bietet nicht nur eine Gelegenheit, die lebende Sportlegende in Aktion zu sehen, sondern auch ihren besten Saisonstart seit elf Jahren zu feiern. ­Natürlich ist auch Norman hier, wie er seinen 18. Grand-Slam-Pokal getauft hat – sie heisst ja auch Sir Norman Brooks Trophy und ist benannt nach einem Australier, dem ersten nicht britischen Wimbledon-Sieger. «Ich dachte, die Leute würden ihn gerne sehen», sagt Federer, ehe Norman im Scheinwerferkegel in die Halle getragen wird.

Video – wie bitte? Tennis auf der Limmat geht für Federer auch:

Unter Live-Dudelsack-Klängen schreitet schliesslich auch ein richtiger «Sir» und der neuste britische Wimbledon-Sieger in die Halle: Andy Murray. Er habe sich noch immer nicht an seinen neuen von der Queen verliehenen Ehrentitel gewöhnt, erklärt er den 11'000 Zuschauern. Der Weltranglistenerste befindet sich sportlich in einer kleinen Baisse und ist daran, sich von einer Ellbogenverletzung zu erholen. Der Start des 29-Jährigen kommende Woche in Monte Carlo ist fraglich. Dass er noch nicht voll aufschlagen kann, wird sich auch an ­diesem Abend zeigen.

«Es ist wunderbar, wieder einmal in der Schweiz zu spielen», sagt Federer, der sich auf einem neuen Popularitätshoch befindet. Bis die beiden Hauptpersonen endlich in ihrem Beruf in Action zu sehen sind, dauert es aber noch eine Weile. Federer wird interviewt, seine Stiftung gefeiert, Videosequenzen eingespielt. Südafrikanische Akrobaten tanzen und turnen, der Berner Sänger Jesse Ritch kommt zu einem Auftritt, Sponsoren werden ins Licht gerückt. Einer von ihnen hat Hasenohren aus Plüsch auf alle Sitzplätze verteilen lassen.

Spenden und Ovationen

Zu den vielen bekannten Gesichtern in der Halle gehören neben Prominenz aus der Tenniswelt auch Nicola ­Spirig und Beat Feuz, der zugunsten von Federers Stiftung eine Startnummer versteigern lässt – jene, mit der er den Abfahrts-WM-­Titel in St. Moritz errungen hat. Extra angereist sind aus Südafrika aber auch einige von Federers Verwandten. Der Gewinn der Veranstaltung – über 1,4 Millionen Franken – kommt ja auch Kindern im Süden Afrikas zugute.

Es ist 20.48 Uhr, als der erste Punkt gespielt wird. Federer macht die Show, riskiert und improvisiert noch mehr als üblich, Murray kann nur schwer mithalten, Federer gewinnt nach 91 Minuten 6:3, 7:6 (8:6) und hätte wohl klarer gewonnen, hätte er es gewollt. Die Stimmung ist ausgelassen, die Spieler werden mit Ovationen verabschiedet. Auch das Niveau der Partie ist ansprechend – was Federer gleich selber festhält in einem Interview, das er während des Seitenwechsels gibt, als er 4:3 führt. «Ich bin überrascht, wie gut ich spiele», sagt er auch. Ein Satz, der einem irgendwie bekannt vorkommt. Er scheint zum Motto seiner Saison zu werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.04.2017, 05:10 Uhr

Artikel zum Thema

Hier spielen Federer und Murray auf einem Zürcher Floss

Video Jubel, Szenenapplaus und Roger-Mania auf der Zürcher Quaibrücke: Auf einem Floss haben Roger Federer und Andy Murray einander Bälle zugespielt. Mehr...

Federer vs. Murray: Wie war das damals?

Sie spielen heute in Zürich den Match for Africa. Ihre Rivalität lebt von grossen Partien – da kommt auch einmal ein «Hör verdammt noch mal auf» über die Lippen. Mehr...

Spiel, Spass und 1,4 Millionen dank Federer

Roger Federer und Andy Murray lieferten am «Match for Africa» im Hallenstadion eine grossartige Show. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lehrstellen

Sich zu bewerben heisst für sich werben

Die Welt in Bildern

Nichts für Tierliebhaber: Fuchspelze werden von einem Arbeiter auf dem chinesischen Chongfu Pelzmarkt verarbeitet (14. Dezember 2017).
(Bild: William Hong) Mehr...