«Stans Karriere beginnt jetzt»

Manager Lawrence Frankopan arbeitet seit zehn Jahren mit Stan Wawrinka. Seit dieser Major-Sieger ist, sind die beiden in der Vermarktung in neue Dimensionen vorgestossen.

Fast ganz in Weiss: Stan Wawrinka nähert sich auch rein optisch langsam Wimbledon. Foto: Paul Childs (Reuters)

Fast ganz in Weiss: Stan Wawrinka nähert sich auch rein optisch langsam Wimbledon. Foto: Paul Childs (Reuters)

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Nach Stan Wawrinkas French-Open-Sieg ist Lawrence Frankopan, sein Manager, gefordert, denn der Lausanner strebt neue Verträge an. Frankopan, Sohn ­einer Schwedin und eines Kroaten, ­betreut die Weltnummer 4 mit seiner in London domizilierten, seit 2013 aktiven Firma Starwing Sports. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Boutique-Agentur, die je zehn Tennis- und Fussballspieler betreut, darunter Chris Evert, Gaël Monfils, Borna Coric und Bernard Tomic.

Seit wann und wie gut kennen Sie Stan Wawrinka?
Ich nahm ihn vor zehn Jahren für IMG unter Vertrag, als er 19 oder 20 war. Nachdem ich IMG verlassen und zu ­Lagardère Unlimited gewechselt hatte, folgte er mir 2010. Genau wie später, als ich meine Agentur gründete. Wir haben eine sehr enge, spezielle Beziehung. Ich bin sein Business und er meines.

Was bringen ihm die zwei Grand-Slam-Titel? Wurden Sie von diesen Erfolgen überrascht?
Ich hatte immer das Gefühl, dass er einen Majortitel in sich hat. Nun hat er sogar zwei davon, das ist phänomenal. Es bringt uns vor allem Anerkennung. Er hat sich unter den Besten behauptet, und das in dieser starken Ära mit Federer, Nadal und Djokovic. Die Leute wissen nun, wer er ist und dass er konstant ein Kandidat ist, auch an grossen Turnieren. Das ist es, was die Firmen sehen wollen, die in jemanden investieren. Nach dem Australian Open zeigten verschiedene Unternehmen Interesse. Ich denke, dass diese nun realisieren, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist. Seine Grand-Slam-Bilanz in den letzten zwei Jahren ist ja erstaunlich.

Werden Sie nach seinen Erfolgen in Ihrer Arbeit nun komplett durch ihn absorbiert, reisen Sie immer mit?
Mein Job ist es nicht, mit ihm zu reisen, ich bin ja nicht sein Babysitter. Ich bin da, um Geld für ihn zu verdienen, ihn und seine Karriere zu betreuen und ihn zu beschützen. Das geschieht immer, ob er gewinnt oder verliert. Das machten wir schon, als er noch kein Grand-Slam-Sieger war.

Welche Philosophie verfolgen Sie in seiner Vermarktung?
Das Publikum ist clever und merkt, wenn eine Werbekampagne nicht die Grundwerte eines Athleten spiegelt. Deshalb ist es wichtig, Partner zu finden, die reflektieren, wofür er steht. Subaru zum Beispiel fasst beinahe alles zusammen, was Stan ist: widerstands­fähig, hart, stark, verlässlich.

War es ein bewusster Schritt, ihn als «Stan the Man» zu positionieren?
Auf jeden Fall. Wir haben lange nach­gedacht, und ich denke, wir haben gute ­Arbeit geleistet. Er kommt nicht nur als Mensch rüber, sondern als Champion des einfachen Mannes, des Volkes. Das wollten wir erreichen. Stan ist keiner, für den man ein SW-Logo mit einer Krone darüber kreieren könnte. Das würde nicht passen. Er ist absolut boden­ständig.

Er ist auch einer der wenigen, die einen klaren Übernamen haben.
Genau. Federer, Nadal, Djokovic – jeder hat sein eigenes, individuelles Image. Auch Stan. Es ist befriedigend für mich, zu sehen, wie er Grand-Slam-Titel ­gewinnt und seine Produkte präsentiert, den Fromm-Badge, wie er seine Audemars-Piguet-Uhr trägt . . .

Weltkonzerne fehlen in seinem Sponsorenkreis aber noch.
Wir haben auch globale Deals, wie Evian oder Audemars Piguet, die beide nach dem Sieg in Melbourne dazukamen. ­Natürlich ist er in seinem Heimmarkt am populärsten, aber das gilt für alle. Es gibt nur einen Spieler, der über das ­Tennis hinausragt, und das ist Roger ­Federer. Das gelingt nur wenigen Athleten im Fussball, im Golf und im Tennis.

Wawrinka sagt, es würden momentan viele Diskussionen geführt, was seine Sponsoren betrifft. Werden weitere dazukommen?
Er hat nun eines der grössten Turniere der Welt gewonnen und würde gerne weitere Verträge haben. Er verdient das auch. Wir sind am Schauen, müssen aber intelligent vorgehen und geduldig sein. Wir müssen Partner finden, die passen. Etwa im Bereich der Telekommunikation, der Technologie oder der Energie, wie Petrol oder Gas. Es gibt auch Verträge, die bald auslaufen und eventuell durch Konkurrenten ersetzt werden. Wir sind aber zuversichtlich, dass einige neue dazukommen.

Sein Einkommen aus Sponsorenverträgen wurde für das Jahr 2014 auf etwa zehn Millionen Franken ­geschätzt. Allein von Yonex soll er bis 2018 jährlich etwa vier Millionen erhalten. ­Stimmen diese Grössenordnungen?
Das kann ich nicht kommentieren. Über Vertragsinhalte darf ich nicht sprechen. Aber ich hätte gerne, dass er bis an sein Karriereende bei Yonex bleibt. Er ist ja der Erste, der in diesen Kleidern und mit diesem Racket einen Majortitel holte.

Ohne nach Zahlen zu fragen: Sind seine Verträge dank dem Paris-Sieg nun viel mehr wert?
Die meisten Tennisverträge sehen Boni für bestimmte Erfolge vor. Je mehr er ­gewinnt, desto mehr lachen wir.

Wawrinka ist ein Spätzünder und schon über 30. Macht es dies schwieriger, Vertragspartner zu finden?
30 ist das neue 20, pflege ich zu sagen. Schauen Sie sich Roger Federer an: Wie er immer weiterspielt, und nun ist er fast 34. Stans Karriere beginnt jetzt. Sie könnten sagen, dass sein Alter in gewisser Hinsicht negativ ist, aber es hat auch Vorteile. Er weiss genau, wie er mit Sponsoren umzugehen hat, und ist sehr charmant – viel charmanter, als es ein 18-Jähriger sein kann. Sein Alter ist kein Hindernis.

Was brachte es ihm, dass seine karierte Hose in Paris zu einem so viel beachteten Thema wurde?
Es wurde mehr über ihn gesprochen – und nicht nur darüber, wie gut er ist.

Er könnte nun weiterhin in auffälligen Kleidern antreten.
Stan ist kein Clown, den man in verrückte Sachen steckt. Nun schauen wir mal, was er den Rest des Jahres trägt, das ist ja auch eine Überraschung.

Sein neuster Sponsor, D. Hedral, ist eine italienische Unter- und Bade­hosenfirma. Wie passt sie zu ihm?
Die Leute kennen ihn mehr als Spieler, mit seinen hervorragenden Grundschlägen, aber weniger als den wunderbaren, individuellen Menschen, der er ist – lustig und an allem interessiert. Diese Partnerschaft geht nun über das Tennis hinaus, ist etwas Lustiges, Augenzwinkerndes. Es geht um Mode, Unterwäsche, da befindet er sich nicht mehr in seiner Komfortzone, und das ist gut so. Und die Kampagne wird auch seine ­eindrückliche Physis zeigen, wie gut er gebaut ist. Das wissen nur wenige.

Das heisst, dass er auch in Unter­wäsche posieren wird?
Auf jeden Fall. Wir werden lustige Dinge machen. Vielleicht bringen wir eine ­Linie in den Farben von Roland Garros heraus, das wäre toll. Stan ist ein Businessman, hier geht es nicht nur um Geld, sondern er übernimmt auch einen Anteil an der Firma. Hier kann er etwas aufbauen für die Zeit nach seiner Karriere. Irgendwann, zur richtigen Zeit, wird er seine eigene Linie haben. Sie kennen ihn, er ist bescheiden, kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Es ist auch spannend, zu sehen, wie er sich in diese Richtung entwickelt.

Ist es ein Nachteil, dass er nicht Deutsch spricht?
Wenn man gewinnt, spricht man jede Sprache, das spielt keine Rolle. Er erhält auch in der deutschsprachigen Schweiz sehr viel Unterstützung, etwa in Basel. Aber wir wollen in der Deutschschweiz schon noch etwas aktiver werden.

Hätte er bessere Verträge, wenn es Roger Federer nicht gäbe?
Ich habe schon immer gesagt, dass wir Glück haben und dankbar sind, dass ­Roger Federer in dieser Ära spielt. Er hat geholfen, das Tennis in der Schweiz zu promoten, wie Stan es allein nie tun könnte. Davon profitieren auch wir. Stan hat von Roger viel gelernt, sie sind enge Freunde. Es gibt auch keinen Wettkampf zwischen ihnen um die Sponsoren, weil sie sehr verschiedene Spieler und dadurch für verschiedene Marken interessant sind. So können wir harmonisch zusammenleben.

Wawrinka hatte auch dieses Jahr schwächere Phasen, war inkonstant. Was erwarten Sie sportlich noch von ihm? Könnte er die Erwartungen nun zu hoch geschraubt haben?
Es ist schon nicht einfach, diese Siege aneinanderzureihen, die es für grosse Titel braucht. Deshalb erhalten die Spieler ja auch so viel Geld, wenn es ihnen gelingt. Aber ich denke, dass er mental sehr stark ist. Ich respektiere ihn sehr. Nicht nur dafür, was er erreicht hat, sondern, wie er es erreicht hat, wie er umgeht mit allen Dingen in seinem Leben. Wie er auf den Court kommt und jeden Tag seine Leistung bringt, ist schon unglaublich. Aus meiner Sicht ist er einer der grössten Champions dieser Ära.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2015, 21:20 Uhr

Lawrence Frankopan


Der britische Sportmanager studierte in London und an der Oxford-Universität. Er ist 38-jährig, verheiratet und noch kinderlos.

London

Wawrinka in 49 Minuten weiter, Nadal schon gescheitert

Stanislas Wawrinka glückte der Start in die Rasensaison mit einem 6:3, 6:4 über Nick Kyrgios (ATP 28) wunschgemäss. Nach nur 49 Minuten verwertete die Nummer 2 des ATP-500-Turniers im Londoner Queen’s Club den ersten Matchball mit dem 9. Ass. «Das war ein grossartiger Match, wenn man bedenkt, dass es mein erster der Saison auf Rasen war», sagte der Paris-Sieger und bezeichnete Kyrgios als «Zukunft des Tennis». Der 20-jährige Australier, der in Wimbledon letztes Jahr Rafael Nadal und in Madrid vor kurzem Roger Federer besiegt hatte, kam nur zu drei Breakchancen. Wawrinka wehrte sie ab, als er 6:3, 3:2 führte. Er sei gesundheitlich angeschlagen und habe im Moment genug vom Tennis, sagte Kyrgios, der häufig hustete. Wawrinka trifft in den Achtelfinals heute auf Kevin Anderson (ATP 17), gegen den er eine Negativserie stoppen will: Gleich dreimal unterlag er 2014 dem Südafrikaner, stets in den Achtelfinals von Masters-Turnieren (Indian Wells, Toronto, Paris-Bercy). Damit steht es in diesem Duell 3:3.

Rafael Nadals erster Auftritt seit vier Jahren am Londoner Turnier endete dagegen sogleich. Der Stuttgart-Sieger konnte gegen Alexander Dolgopolow (Ukr/ATP 26) im zweiten Satz einen Matchball abwehren, scheiterte aber 3:6, 7:6 (8:6), 4:6. (rst)

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