Und wer gewinnt nun die French Open?

Auf, zum Höhepunkt der Sandsaison: Mit einem angeschlagenen König, zwei aufgebauten Schweizern – und einem klaren Favoriten.

Seit Februar und 22 Spielen ist Novak Djokovic ungeschlagen.

Seit Februar und 22 Spielen ist Novak Djokovic ungeschlagen. Bild: A. Tarantino/Keystone

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Novak Djokovic ist ein Mann auf einer Mission. Alles ist durchgeplant, alles optimiert, alles zielgerichtet. Und dieses Ziel heisst Roland Garros, dort will er endlich den Karriere-Grand-Slam vollenden, ein Unterfangen, das ihm in den letzten drei Jahren missglückt ist. Nachdem er auch seinen Titel in Rom verteidigt hat, scheint der Weg zum ersten «Coupe des Mousquetaires» für ihn aber mit einem roten Teppich ausgelegt zu sein.

Djokovic kann sich in Paris, nach heutigem Stand, nur selber schlagen. Und sollte er tatsächlich gewinnen, wäre es gut möglich, dass er auch Wimbledon und das US Open als Champion beendet und damit als erster Mann seit 1969 und Rod Laver den Grand Slam schafft, das ultimative Ziel.

Federers Lustprinzip

Dass momentan kein gleichwertiger Konkurrent auszumachen ist, ist nicht Roger Federers Fehler. Mit fast 34 Jahren liegt es eigentlich nicht mehr an ihm, einem Überflieger wie dem Serben ein Langzeitduell zu liefen; er befindet sich in einer ganz anderen Karrierephase. Er spielt nach dem Lustprinzip mal hier, mal dort; sein Leitmotiv ist eine möglichst geschickte Planung und Verlängerung seiner Karriere.

In Rom trat er nur aufgrund eines Last-minute-Entscheides an – und die Aufgabe, mit der er sich am Ende konfrontiert sah, schien ihm nicht richtig zu behagen: Djokovic daran zu hindern, eine lange Siegesserie noch auszudehnen. Für diese Herausforderung war er an diesem sonnigen, warmen Sonntag nicht wirklich bereit.

Die Nummer 1 hatte sich sogar den Luxus geleistet, Madrid auszulassen, wo in der Höhenlage andere Bedingungen herrschen als in Rom und ab nächstem Sonntag in Paris. Mit über 5000 Punkten Vorsprung kann er sich auf andere Aspekte als die Weltrangliste konzentrieren, etwa darauf, sein Selbstvertrauen und seine Fitness zu optimieren. Sein Konzept ist aufgegangen. Seit November hat er alle grossen Turniere gewonnen, die er bestritt – von Paris-Bercy über die World Tour Finals in London, das Australian Open, Indian Wells, Miami und Monte Carlo bis Rom. Er blickt auf 22 Siege zurück, seit er in Dubai letztmals verlor – gegen Federer.

Nadals Rückfall bringt Unruhe

Und doch ist die Lage der Konkurrenz nicht hoffnungslos und die Spannung vor dem French Open grösser als in den vergangenen Jahren. Denn Djokovic hat sich dermassen in eine Favoritenrolle hineinmanövriert, dass der Druck auf ihm immens sein wird – und damit war er in Paris bei ähnlicher Ausgangslage 2011 und 2014 nicht zurechtgekommen. Für zusätzliche Spannung sorgt die Baisse Rafael Nadals, der in Paris in zehn Jahren erst einmal verloren (2009 gegen Söderling) und in den letzten drei Jahren jeweils Djokovic geschlagen hat – nun aber nicht mehr zu den ersten vier Gesetzten zählen wird. Das bedeutet, dass er schon in den Viertelfinals auf Djokovic, Federer oder Andy Murray treffen und das French Open eine turbulente Endphase erleben könnte. «In Paris wird mit anderen Bällen und über best of five gespielt, das verändert alles», sagte Federer, der Nadal auch gestern als seinen ersten Paris-Favoriten bezeichnete.

Für den Baselbieter ist die Sand­saison aber nicht viel mehr als ein längeres Intermezzo, ehe die für ihn wichtigste Phase beginnt, die Rasensaison mit Wimbledon. Das French Open ist für ihn eine Art Freispiel, in dem er sich für seine unstandesgemässe Achtelfinalniederlage 2014 gegen Ernests Gulbis rehabilitieren will. Das Turnier in Rom bekräftigt ihn zumindest darin, weiter auf gutem Weg zu sein.

In einer ähnlichen Lage wird Stan Wawrinka an die Porte d’Auteuil reisen, auch wenn sich der Waadtländer die Aufgabe aufgebürdet hat, in der Woche vor dem Grand-Slam-Turnier als Hauptattraktion das neue Geneva Open zu tragen. Ob das eine gute Vorbereitung ist, wird er erst später wissen. Sicher aber hat ihm der Sieg über Nadal in Rom mehr genützt, als ihm die klare Niederlage im Halbfinal gegen Federer geschadet hat. «Ich habe gezeigt, dass ich mein Tennis nicht verloren habe», hielt er fest. Wawrinka hat spielerisch das Potenzial, Paris zu gewinnen.

Über allen aber steht Novak Djokovic, der kurz vor seinem 28. Geburtstag nun erstmals mehr Turniersiege in der Masters-Serie aufweist als Federer (24:23) und nur noch drei Titel hinter Leader Nadal liegt. Er ist ein Meister der Effizienz, ein Irrwisch von der Grundlinie, der kaum einmal einen Punkt verschenkt und vor Vertrauen strotzt. Er steht nun bereits bei vier Titeln in Rom – einem Anlass, der für Federer in der Endphase wie verhext scheint. Wie im Monte Carlo Country Club hat er nun auch im Foro Italico bereits vier Finals verloren – es sind die zwei einzigen grossen Turniere, an denen er noch nie den Siegerpokal entgegennehmen durfte.

Diese Statistik verursacht ihm aber keine schlaflosen Nächte – getreu dem Motto, das ihm sein Vater Robert schon früh vorgegeben hat: «You can’t win them all» – du kannst nicht alles gewinnen. Ob das auch für Novak Djokovic gilt, muss sich aber noch zeigen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2015, 06:44 Uhr

Federers klarste Niederlage seit 2011

In 75 Minuten musste Roger Federer im Final des Italian Open mit 4:6, 3:6 seine zweitklarste Niederlage gegen Novak Djokovic hinnehmen, nach einem 3:6, 3:6 vor vier Jahren im Final von ­Dubai. Trotz des klaren Verdikts zog er eine überraschend ­positive Finalbilanz: «80 Prozent des Matches waren aus ­meiner Sicht gut. Doch er war enorm ­solide, machte fast keine Fehler und packte seine Chancen.»

Federer hatte auf dem Weg ins Endspiel keinen Satz abgegeben und nach Tomas Berdych im Halbfinal auch Stan Wawrinka kaum eine Chance gelassen. Djokovic dagegen hatte gegen Almagro, Bellucci und Nishikori dreimal die Verlängerung bestreiten müssen. Im Final zeigte der Weltranglistenerste aber keine Schwächen mehr. Die Vorentscheidung fiel am Ende des ersten Satzes, als der viel riskierende Schweizer als Erster zu ­einer Breakchance kam (es sollte seine einzige bleiben), diese aber im neunten Game nicht nutzen konnte.

Djokovic verwertete im folgenden Spiel dafür gleich die erste Breakgelegenheit zum Satzgewinn. Im zweiten Durchgang zog er nach zwei Vorhandfehlern ­Federers sogleich auf 2:0 davon und liess keine Spannung mehr aufkommen. Er war vor allem von der Grundlinie aus überlegen, aber auch als Aufschläger bestechend. Federer gewann als Returnspieler lediglich 11 Punkte, Djokovic mehr als doppelt so viele (24).

«Nicht allzu enttäuscht»

Natürlich sei der Spielverlauf für ihn frustrierend gewesen, sagte der Herausforderer nach seiner 44. Finalniederlage im 129. Endspiel, der vierten in Rom nach 2003, 2006 und 2013. Das Italian Open ist das einzige Turnier, das er schon 15-mal bestritten und nie gewonnen hat. «Aber ich kann nicht allzu sehr enttäuscht sein, denn ich hatte eine gute Woche, fühle mich gesund und freue mich nun auf das French Open.»

Djokovic verkürzte im Duell mit ­seinem ersten Verfolger in der Weltrangliste auf 19:20 und steht nun bei 53 Turniersiegen. «Er setzte mich bei 4:4 stark unter Druck, doch ich spielte beim Breakball gut, und auch bei 5:4 gelangen mir einige grossartige Punkte. Danach war das ­Momentum auf meiner Seite», sagte er. Eine heikle Szene erlebte ­Djokovic erst wieder an der Sieger­ehrung, als ihm ein Champagnerkorken ins Gesicht flog. «Zum Glück nur an die Nase», sagte der Serbe, kein Trinker des edlen französischen Schaumweins.

Das Turnier der Frauen endete mit dem Sieg Maria Scharapowas und einer Finalniederlage von Hingis/Mirza gegen Babos/Mladenovic (Un/Fr).

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