Warten auf Federer

Vor Wimbledon herrscht im All England Club reges Treiben. Im Mittelpunkt steht der siebenfache Sieger.

Eine kleine Trainingspause: Roger Federer in Wimbledon. (24. Juni 2016) Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Eine kleine Trainingspause: Roger Federer in Wimbledon. (24. Juni 2016) Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Sonntag um 11 Uhr Londoner Zeit ist die Welt wieder in Ordnung. Roger ­Federer trainiert im Aorangi Park, dem Trainingsgelände im Norden der Wimbledon-Anlage, zusammen mit dem Tschechen Jiri Vesely. Es herrscht reges Treiben: 256 Spielerinnen und Spieler sind daran, sich auf das dritte Grand-Slam-Turnier vorzubereiten, und hier kreuzen sich ihre Wege. Gleich neben Federer, der von den Coachs Severin Lüthi und Ivan Ljubicic beobachtet wird, übt Milos Raonic, zusammen mit seinem neuen Berater John McEnroe.

Dutzende von Kameras sind auf die beiden Courts gerichtet. Auch Tony Godsick, Federers Manager, schaut interessiert zu. «Irgendwann muss ja einer Novak Djokovic wieder schlagen», sagt er, «und am ehesten sind dazu Roger, Murray oder Raonic fähig.»

Warum trainiert er nicht?

24 Stunden zuvor hatten viele Fotografen auf Court 12 vergebens auf ­Federer gewartet – und auch Kei Nishikori. Die beiden waren gemäss Trainingsplan miteinander eingeschrieben, doch nur der Japaner war da und spielte dann ­einige Bälle mit Michael Chang, seinem Coach. Sofort entstand Unruhe: Wo ist Federer? Warum trainiert er nicht, taucht er – sonst gar nicht seine Art – ohne Erklärung nicht auf?

Kurz nach 13 Uhr ist er dann aber da, erscheint gut gelaunt und zufrieden zu seiner ersten Interviewrunde. Nach drei Trainingstagen habe er sich wieder einen Freitag gegönnt, sagt er, «ich möchte möglichst frisch ins Turnier starten». Den provisorischen Trainingstermin mit Nishikori habe man abgesagt, betont Lüthi; er habe es dessen zweitem Coach, Dante Bottini, mitgeteilt.

Sadikovic im Garten Eden

Das Ganze bleibt ein Nebenschauplatz, eine Episode, die vergessen sein wird, wenn Federer am späteren Montagnachmittag gegen den Argentinier Guido Pella in sein 18. Wimbledon starten wird. Am Wochenende vor Turnierbeginn wird im All England Club eben traditionell viel gesprochen, spekuliert, diskutiert. Grossbetrieb herrscht auch schon in den Interviewräumen, wo es am Samstag ein neues Gesicht zu entdecken gibt: Es gehört Amra Sadikovic, einer 25-jährigen Aargauerin, die erstmals auf der Anlage weilt, dabei nicht aus dem Strahlen und Staunen herauskommt und sich fühlt «wie in einem Traum».

Die Weltnummer 150 überstand in Roehampton die Qualifikation, und das Los wollte es, dass sie bei ihrem Grand-Slam-Debüt gleich auf Serena Williams trifft. Und weil die Amerikanerin Titelverteidigerin ist, bedeutet dies, dass ihre grosse Premiere am Dienstag gleich auf dem Centre Court stattfinden wird, im Herzen des Garten Eden der Tenniswelt. Sie habe die Mittel, selbst der Nummer 1 gefährlich werden zu können, sagt die 1,86 m grosse Fed-Cup-Spielerin, die ihre Karriere 2014 schon beendet hatte. Vor 13 Monaten entschloss sie sich, ­inspiriert durch Timea Bacsinszkys ­Erfolge, es nochmals zu versuchen.

Bacsinszky selber stand vor einem Jahr hier im Viertelfinal, obwohl sie nie als grosse Rasenspezialistin galt. Die Lausannerin lässt am Samstag ihr Interview so lange verschieben, bis für die Schweizer Fussballer das bittere EM-Ende im Penaltyschiessen besiegelt ist. Sie war zuletzt am French Open von ­Problemen mit beiden Knöcheln begleitet worden, nun geht es ihr besser. «Links ist gut, aber rechts habe ich noch immer Schmerzen», sagt sie.

Bencic wie Federer

Bacsinszky startet erst am Dienstag ins Turnier, wie Sadikovic, Stan Wawrinka und Belinda Bencic. Die Ostschweizerin wird am Sonntag von beiden Eltern in den Interviewraum begleitet. «Das ist mein Lieblingsturnier», sagt sie, wie tags zuvor schon Federer, «ich wartete das ganze Jahr darauf.» Und wie die Weltnummer 3 hat auch sie nach einer ­Rückenverletzung ihre Bestform noch nicht ganz gefunden: «Aber der Rücken hält, und das ist die gute Nachricht. Ich bin Tag für Tag daran, mich zurück auf mein altes Niveau zu kämpfen.» Gegen Tsvetana Pironkova (WTA 59), die in Wimbledon 2010 Venus Williams schlug und im Halbfinal stand, müsse sie aufpassen, «das kann gefährlich werden». Schon 2015 war sie im Startspiel auf die Bulgarin getroffen und hatte dabei einen Satz abgegeben (3:6, 6:1, 6:3). «Ich bin zufrieden, wie es im Training läuft», so Bencic, «ich muss es nun einfach auch im Match umsetzen können.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.06.2016, 23:18 Uhr

Artikel zum Thema

Gewinnt Federer noch einen Grand Slam? Das sagt die Konkurrenz

Bei einer anonymen Umfrage äusserten sich die Tennisprofis zu Roger Federer – sowie zu Doping und Manipulationen. Mehr...

Federer gegen Wawrinka im Wimbledon-Final?

Nach der Auslosung steht fest: Ein weiteres episches Endspiel zwischen Federer und Djokovic ist nicht möglich. Mehr...

Federer kommt langsam in Form

Roger Federer steht unter den Viertelfinalisten des Rasenturniers in Halle. Sein nächster Gegner ist die Weltnummer 11 David Goffin. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Steuern optimieren und die Rendite steigern

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Gross ist die Hoffnung: In Kashmir sucht ein indisches Mädchen am letzten Tag von Navratri, einem der wichtigsten Feste im Hinduismus, nach versenkten Münzen. (17. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Jaipal Singh) Mehr...