Wawrinka: «Ich will zurück in die Top 10»

Australian Open Am Ort seines ersten ­Grand-Slam-Titels versucht er, zu alter Stärke zurückzufinden. Und gibt sich trotzig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

An den letztjährigen Swiss Indoors, an denen er im Viertelfinal gegen Roger Federer Forfait geben musste, erregte Stan Wawrinka Aufsehen mit einem Monolog. Darin warf er den Schweizer Medien vor, seine Rückkehr in die Top 20 zu wenig zu würdigen. «Deshalb spreche ich nicht mehr gerne mit euch.» Daran scheint sich wenig geändert zu haben. In Melbourne brachte er seinen Pflichttermin mit den Reportern unangekündigt und zu einer Zeit hinter sich, als das Medienzentrum fast leer war.

Er hielt sich anfänglich kurz, wollte sich auch nicht zur Polemik um die Spielansetzungen trotz hoher Luftverschmutzung äussern. «Ich musste selber ja nicht spielen.» Auf die Frage eines Westschweizer Reporters, ob seine Halbfinalniederlage zum Saisonstart in Doha als Topgesetzter gegen Corentin Moutet (ATP 81) ein Rückschlag gewesen sei, antwortete er etwas trotzig: «Ich hatte meine Chancen, aber verpasste sie. Dennoch war das Turnier ein guter Auftakt in die Saison.» Er habe in Katar zehn Tage lang gut trainiert, sein Niveau stimme. «Nun warte ich gespannt auf die erste Runde.»

Wawrinka startet am Dienstag gegen den Bosnier Damir Dzumhur, gegen den er zwei von drei Duellen verloren hat, das letzte 2019 an seinem Heimturnier in Genf. «Er ist ein Grundlinienspieler, der alles gut macht. Aber es wird von mir abhängen, ob ich ihm mein Spiel aufzwingen kann», sagte er, wie oft.

Der Letzte neben den Big 3

Melbourne ist das Turnier seines Durchbruchs. Hier unterlag er 2013 im Achtelfinal Novak Djokovic in einem denkwürdigen Marathon 10:12 im 5. Satz. Im Jahr danach schlug er den Serben, dann auch Berdych und Nadal und wurde überraschend zu einem Grand-Slam-Sieger. Fast ebenso überraschend kamen 2015 in Paris und 2016 in New York zwei weitere Majorpokale dazu. Wawrinka wurde unter Magnus Norman, der ihn weiter betreut, auch zum bisher letzten Grand-Slam-Sieger, der nicht Federer, Djokovic oder Nadal heisst.

Seither erreichte er hier zwei weitere Halbfinals, die er 2015 gegen Djokovic und 2017 gegen Federer verlor. Nach seiner Knieoperation scheiterte er 2018 dann ebenso in der 2. Runde wie vor zwölf Monaten, als er mit Milos Raonic früh auf einen starken Gesetzten traf. Das ist dieses Jahr anders. Nun ist er wieder gesetzt, als Weltnummer 15 einer der gefährlichsten Aussenseiter.

Die grosse Frage lautet: Schafft er dieses Jahr noch einmal den Anschluss nach ganz vorne, findet er nochmals zurück zu seiner früheren Grand-Slam-Stärke? Im März wird er 35.

Wawrinkas dritter und bisher letzter Grand-Slam-Triumph an den US Open 2016. Quelle: Tamedia.

«Ich will in die Top 10 zurückkehren, das ist eines der Saisonziele», verrät er später doch noch. «Ich weiss, dass dies schwierig ist, dass viele gute Spieler vor mir stehen, dass das Niveau sehr hoch ist. Aber auch, dass dies für mich möglich ist. Mein erstes Ziel ist, die ganze Saison über gute Resultate zu bringen. Das Jahr ist lang, man muss geduldig bleiben, das Optimum geben und stets bereit sein, falls die Chance kommt.»

Wawrinka erwartet zwar, dass die Big 3 diese Saison erneut dominieren werden. «Aber es gibt viel mehr Spieler als früher, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen können.» Was ihn betrifft, hat er diesen Beweis jedenfalls längst erbracht.

Erstellt: 20.01.2020, 18:03 Uhr

Artikel zum Thema

Wawrinkas verpasste Chancen gegen Nadal

Im Achtelfinal von Paris-Bercy war Stan Wawrinka mit Rafael Nadal über weite Strecken auf Augenhöhe, verlor jedoch 4:6, 4:6. Mehr...

Bitterer Abgang und eiskalte Dusche

Video Zwischen Medienschelte und Forfait: Stan Wawrinka stürzte die Federer-Festspiele in Basel von der Euphorie in die Ernüchterung. Mehr...

Wawrinka siegt – und steigt aus

Der Romand erreicht die Viertelfinals der Swiss Indoors, erklärt aber spätabends Forfait und lässt das Schweizer Duell platzen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...