Wawrinka ist zuversichtlich

Stan Wawrinka geht gestärkt ins Australian Open und ist in gewissen Bereichen besser als vor der Knieoperation.

Stan Wawrinka startet gegen Ernest Gulbis in die Australian Open.

Stan Wawrinka startet gegen Ernest Gulbis in die Australian Open. Bild: Keystone

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Es ist der Tag, an dem Andy Murray unter Tränen bekennt, dass das Australian Open, das am Montag beginnt, wegen seiner anhaltenden Schmerzen in der operierten rechten Hüfte das letzte Turnier seiner Karriere sein könnte. Fast gleichzeitig spricht einige Meter entfernt in Melbourne auch Stan Wawrinka zu Journalisten, doch der stimmungsmässige Gegensatz zum zweifachen Olympiasiegerkönnte nicht grösser sein. Zwar liegen auch hinter dem Waadtländer eine Operation und eine Pause, auch seine Karriere war bedroht. Doch nun blickt er mit grossem Optimismus ins neue Jahr.

«Körperlich bin ich nun wieder gleich gut und in einigen Domänen sogar besser als vor der Operation.»Stan Wawrinka

«Ich konnte in den letzten Monaten hervorragend trainieren und bin körperlich in Topform», sagt Wawrinka. Er hatte die Saison 2018 in Basel wegen einer Rückenblockade abgebrochen und die Zeit gut genutzt. «Erst ging ich richtig in die Ferien, danach konnte ich mich fast zwei Monate vorbereiten, und das ohne Probleme.» Im Gegensatz zu Ende 2017, als er sich von seiner schweren Knieverletzung zurückkämpfen musste, sei das Niveau seiner Trainings unter Fitnesstrainer Pierre Paganini und Coach Magnus Norman viel höher gewesen. «Körperlich bin ich nun wieder gleich gut und in einigen Domänen sogar besser als vor der Operation.» Und auch die Schläge sind da. Das zeigte er beim Saisonstart in Doha, wo er dann im Viertelfinal Roberto Bautista Agut unterlag, dem Startgegner Murrays in Melbourne.

Wieder in den Rhythmus

Wawrinka war im Juni 2018 bis auf Rang 263 abgerutscht, nur drei Monate später stand er wieder in den Top 100. Als aktuelle Nummer 59 geht er ungesetzt ins Australian Open, das er gegen den unberechenbaren Letten Ernests Gulbis (83) beginnt; im Siegesfall würde er auf Milos Raonic oder Nick Kyrgios treffen. Wawrinka gibt sich aber Zeit, um an frühere Grosstaten anzuknüpfen, wie den Australian-Open-Sieg 2014. «Ich weiss, zu was ich im Training fähig bin, und wenn ich das Tag für Tag umsetze, kann es ein schönes Jahr mit grossen Resultaten werden», sagt er. Er denkt dass er noch Zeit und Turniere braucht, ehe er wieder um Grand-Slam-Titel kämpfen kann. «Ich brauche nun möglichst viele Matches und Siege, um wieder in den Rhythmus zu kommen.» Sogar ein Start am Davis-Cup in Biel gegen Russland Anfang Februar ist nicht komplett ausgeschlossen.

Murray und er sind seit 2005 Weggefährten, sie haben 19 Duelle ausgetragen, von denen der Westschweizer acht gewann. Ihnen gemeinsam ist, dass es beiden gelang, in der Ära von Federer, Nadal und Djokovic je drei Grand-Slam-Titel zu holen. Daneben war Murray viel konstanter und erfolgreicher, weshalb er auch zu den Big 4 gezählt wird.

Der Schotte ist zwei Jahre jünger als Wawrinka, der im März 34 wird, doch nun trennen sich ihre Wege. Brisanterweise war es eine Partie zwischen den beiden, die Murrays Hüftprobleme akzentuierte. Nach ihrem Halbfinal am French Open 2017, den Wawrinka in fünf Sätzen gewann, wurden die Schmerzen so stark und chronisch, dass der zweifache Wimbledonsieger zwei Turniere später die Saison abbrach und sich 2018 in Melbourne operieren liess.

Die Schmerzen sind aber nicht verschwunden. Der 45-fache Turniersieger und frühere Weltranglistenerste – er hielt diese Position 41 Wochen – hat seither lediglich sieben Turniere bestritten und liegt noch auf Rang 230. Unter Tränen erzählte er, dass es so einfach nicht mehr weitergehen könne. «Seit etwa zwanzig Monaten quäle ich mich mit Schmerzen herum. Dabei habe ich alles getan, was ich tun kann.» So sehr er das Tennis liebt, so wenig kann er es noch geniessen. «Die Schmerzen sind zu stark, auch im Training. Deshalb sagte ich im Herbst zu meinem Team: Ich brauche einen Endpunkt.»

Wieder Socken anziehen

Eigentlich habe er gehofft, dass er 2019 noch bis Wimbledon durchspielen könne, «aber ich bin nicht sicher, dass ich das schaffe», sagt Murray. Die Hüfte beeinträchtigt ihn nicht nur beim Sport, sondern auch im Privatleben. Deshalb erwägt der Vater zweier Mädchen, der fünfmal im Final von Melbourne stand, ohne einen davon zu gewinnen, die Hüfte einer zweiten, komplizierteren Operation unterziehen zu lassen. «Aber ein Comeback danach wäre nicht realistisch.» Es ginge nur darum, den Alltag erträglicher zu gestalten, beispielsweise wieder einmal schmerzfrei Schuhe oder Socken anziehen zu können.

Roger Federer startet seine Titelverteidigung am Australian Open am Montag. Er tritt um ca. 10.30 Uhr Schweizer Zeit auf den Usbeken Denis Istomin (ATP 99). Bereits am früheren Montagmorgen Schweizer Zeit kommen Belinda Bencic und der Qualifikant Henri Laaksonen zu ihrem ersten Einsatz. Am Dienstag starten dann die weiteren Schweizer Stan Wawrinka, Stefanie Vögele, Timea Bacsinszky und Viktorija Golubic ins erste Grand-Slam-Turnier des Jahres.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2019, 09:11 Uhr

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