Wawrinka siegt mit Wilanders Rezept

Stanislas Wawrinka startet bei seinem Viertelfinalcoup in Melbourne gegen Novak Djokovic schlecht – und hört grossartig auf.

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Der Coach von Stanislas Wawrinka heisst Magnus Norman. Und der Einfluss der früheren Weltnummer 2 auf den Romand ist enorm. Doch es war ein anderer Schwede, der die richtige taktische Marschroute für den Viertelfinal gegen Novak Djokovic erkannt hatte: Mats Wilander. Der TV-Kommentator sagte am Tag vor dem grossen Spiel: «Er hat bestimmt eine Chance – aber nur, wenn er keinen guten Start hat.»

Ob Wawrinka oder Norman dies gehört hatten, ist nicht belegt. Fakt ist aber, dass sich der Vaudois exakt an die Vorgabe Wilanders hielt: Er startete miserabel und wurde immer besser – bis zum triumphalen 2:6, 6:4, 6:2, 3:6, 9:7. Vergangenes Jahr war es am Australian Open (Achtelfinal) und am US Open (Halbfinal) genau umgekehrt gewesen: Wawrinka begann gegen Djokovic brillant, gewann den ersten Satz schnell und schien zu enteilen, wurde dann aber vom serbischen Marathonmann eingeholt und überholt.

Wawrinka nervenstärker

In Melbourne 2012 hatte Djokovic im Finish auch etwas Glück beansprucht, in Flushing Meadows profitierte er davon, dass Wawrinka im fünften Satz mit körperlichen Problemen kämpfte, Schmerzen im Oberschenkel hatte. Das war diesmal anders. Der Schweizer, der auf dem Weg in den Viertelfinal nur wenig Kraft gebraucht hatte, konnte zuletzt sogar noch zulegen, wirkte topfit. Er hielt nach dem verlorenen vierten Satz Schritt mit Djokovic, der das Momentum auf seiner Seite zu haben schien. Und bei den entscheidenden Bällen zeigte er sich nervenstärker als der vierfache Australian-Open-Sieger.

Den Breakball gegen sich bei 3:3 wehrte er mit einem Ass ab, und als Djokovic bei 7:8 zum vierten Mal gegen den Matchverlust aufschlagen musste, leistete sich der Serbe einige erstaunliche Fehler. Nach gut vier Stunden segelte ein Volley von Djokovic ins Aus. Und fertig war es. Der Serbe hatte zwar mehr Punkte gewonnen (161:153), aber eben nicht die entscheidenden. In diesen kapitalen Momenten ruhig zu bleiben, zeichnet Champions aus.

Nun gegen den Anti-Djokovic

Im Halbfinal trifft Wawrinka am Donnerstag in seinem zweiten Major-Halbfinal in Serie auf den unangenehmen Tschechen Tomas Berdych (ATP 7), der in der Weltrangliste noch einen Rang vor ihm liegt. Der 1,96-Meter-Hüne zeigte sich bei seinem Viersatzsieg über David Ferrer (3) in blendender Form, brauchte weniger Kraft als Wawrinka. Doch der Waadtländer weiss, wie er gegen den Aufschlagriesen spielen muss. Er hat 8 von 13 Duellen gewonnen und 6 der letzten 7.

Anders als gegen Djokovic, gegen den es galt, in den Grundlinienduellen nicht zu passiv zu werden, muss er gegen Berdych das Tempo variieren, vermehrt seinen Rückhandslice einstreuen und viel in der Defensive arbeiten. Denn so einschüchternd die Schläge und die Postur von Berdych sind, im Kopf ist er labil. Sonst hätte der 28-Jährige schon längst ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Letzten Herbst zermürbte Wawrinka den tschechischen Modellathleten in der Gruppenphase des ATP-Finales und im Achtelfinal des US Open. Und interessant: Bei vier seiner acht Siege gab Wawrinka den ersten Satz ab. Entscheidend ist im Tennis, wie man aufhört, nicht wie man beginnt. Man darf auf das nächste Crescendo des Schweizers des Jahres hoffen.

Erstellt: 21.01.2014, 14:29 Uhr

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